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"Die jungen Leute haben recht"

Die Forderungen der "Fridays for Future"-Bewegung sind realisierbar, und zwar mit den heute verfügbaren Technologien, zeigt eine Studie. 100 Prozent Erneuerbare weltweit wären zudem kostengünstiger als das derzeitige Energiesystem.


Kinder und Jugendliche streiken in Berlin fürs Klima
Fridays-for-Future-Demo am 25. Januar in Berlin. (Foto: Jörg Farys/​Fridays for Future/​Flickr)

Schon 27.000 Wissenschaftler haben sich hinter die Kinder und Jugendlichen gestellt, die seit Wochen Freitag für Freitag für ein gutes Klima demonstrieren.

Soeben ist zudem eine Studie der Technischen Universität Lappeenranta (LUT) in Finnland erschienen, welche die konkreten Forderungen für realisierbar hält, die von den jungen Demonstrierenden Anfang der Woche vorgelegt wurden.

Nämlich: 100 Prozent erneuerbare Energien bis 2035, CO2-Steuer auf Kohle, Benzin, Gas und Öl, Ende der Subventionen für fossile, umweltschädliche Rohstoffe. In Deutschland Kohleausstieg bis 2030.

Die neue LUT-Studie, die zusammen mit dem Expertennetzwerk Energy Watch Group erarbeitet wurde, zeigt, dass der komplette Umstieg auf erneuerbare Energien in 20 bis 30 Jahren möglich ist – und zwar weltweit, zu jeder Jahreszeit und bei Tag und Nacht.

Christian Breyer, Professor für Solarwirtschaft an der LUT und Leiter der Studie, sagt: "Unsere Studie zeigt, dass Greta Thunberg und ihre jungen Freunde Recht haben."

Sowohl deutsche Bedenkenträger als auch Klimaskeptiker in der ganzen Welt wie US-Präsident Trump oder die deutsche AfD können sich jetzt nur noch schämen. Denn auch das renommierte deutsche Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme kommt zu ähnlichen Ergebnissen. Ob die Zweifler und Bremser jetzt endlich in der Lage sind, von Kindern zu lernen?

Vergleichbare wissenschaftliche Studien mit entsprechenden Resultaten gab es auch schon früher. Aber an der neuen Studie haben die Wissenschaftler viereinhalb Jahre gearbeitet. Sie haben die Welt erstmals in 145 Regionen aufgeteilt und die Wind- und Wetterverhältnisse sowie die Wasservorkommen verglichen. Die Forscher nutzten stundengenaue Wetterdaten. Sie haben Engpässe mitbedacht und sich überlegt, wie diese ausgeglichen werden können.

Klima-Hausaufgaben für die Erwachsenen

"Eine Wende hin zu 100 Prozent sauberen, erneuerbaren Energien ist sehr realistisch – schon jetzt, mit den heute verfügbaren Technologien", sagt Breyer. "Die Energiesicherheit der ganzen Welt ist gewährleistet und die Energiewende wird preiswerter als keine Energiewende."

Die Studie zeigt auch, dass Deutschland überwiegend mit Sonnen- und Windenergie versorgt werden kann, Länder wie Österreich, die Schweiz, Norwegen oder Schweden weitgehend mit Wasserkraft.

Alles hängt jetzt vom politischen Willen der Regierenden ab. Die LUT-Studie ist den jungen Klimademonstrierenden gewidmet.

Zur Person

Franz Alt ist Buchautor und Fernsehmoderator. (Foto: Axel Thomae/​Sonnenseite)

Der heutige globale Energiemix sieht noch so aus: Kohle, Gas und Öl knapp 80 Prozent, Atomenergie fünf Prozent und erneuerbare Energie um die 15 Prozent.

Künftig soll nach den LUT-Prognosen der Energiemix so aussehen: 70 Prozent Solarenergie, 18 Prozent Windkraft, fünf Prozent Bioenergie, drei Prozent Wasserkraft, zwei Prozent Geothermie und zwei Prozent Meeresenergie.

2018 hatte Deutschland bereits 40 Prozent Ökostrom. Die Emissionen im Verkehr und bei der Wärmerzeugung sind hierzulande noch das große Problem.

Die Kinder und Jugendlichen werden als Klimarebellen noch viele Freitage demonstrieren müssen, bis erwachsene Politiker endlich ihre Klima-Hausaufgaben machen. Bisher wurden die Kinder nicht ernst genommen. Aber schon jetzt haben sie mit ihren konkreten Forderungen neuen Schwung in die festgefahrene Klima-Debatte gebracht.

Taktische Polit-Spielchen wird sich die "Generation Greta" nicht mehr gefallen lassen. Sie meint es ernst. Und sie will so lange protestieren und demonstrieren, bis die Politik endlich und wirklich handelt.

Es geht um nichts weniger als um einen Kulturwandel, bei dem die neue Klimabewegung endlich die Hegemonie gewinnt.

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