Was Teil des Problems ist, wird wieder als Lösung verkauft

In Frankreich stehen Atomkraftwerke reihenweise still, die Strompreise in Europa gehen durch die Decke – und was tut eine Bundesregierung mit Beteiligung der Grünen? Sie verschiebt einfach den Atomausstieg und sieht im kommenden Jahr einer neuen Pro-AKW-Kampagne mit Unterstützung der mitregierenden FDP entgegen.


Porträtaufnahme von Sebastian Sladek.
Sebastian Sladek. (Foto: Bernd Schumacher)

Das Wichtigste aus 52 Wochen: Sonst befragen wir die Mitglieder unseres Herausgeberrats im Wechsel jeden Sonntag zu ihrer klimapolitischen Überraschung der Woche. Zum Jahresende wollten wir wissen: Was war Ihre Überraschung des Jahres? Heute: Sebastian Sladek, geschäftsführender Vorstand der Elektrizitätswerke Schönau (EWS).

Das Jahr 2022 war voll von Überraschungen – von denen viele bei näherem Hinsehen dann doch gar nicht so überraschend waren. Tatsächlich überraschend für mich war im vergangenen Jahr schließlich der nicht vollzogene Atomausstieg.

Da steht in Frankreich fast die Hälfte der Atomreaktoren still, da explodieren die Strompreise an den europäischen Energiehandelsplätzen, da werden in der Ukraine Atomanlagen beschossen und als stationäre schmutzige Bomben anzuwenden versucht – und dennoch wird die Atomkraft plötzlich wieder als Lösung für die Energie- und Klimaprobleme gehypt. Dabei ist doch nun überdeutlich zutage getreten, dass diese Technologie einen immensen Anteil am Problem hat.

Und eine Bundesregierung mit Beteiligung der Grünen verschiebt einfach sang- und klanglos den Atomausstieg, für den die deutsche Anti-AKW-Bewegung über 40 Jahre gekämpft hat – das war wahrlich eine Überraschung, auf die ich 2022 sehr gerne verzichtet hätte.

Doch Stand heute muss ich sogar davon ausgehen, dass die FDP bis April 2023 nichts gelernt haben wird und wir dann einer erneuten Verschiebung des Atomausstiegs entgegensehen. Die wäre dann immerhin keine Überraschung mehr.

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