Vattenfall: Sein Kraftwerk Moorburg dichtmachen

Jetzt wird der schwedische Konzern deutlich: "Wir bei Vattenfall glauben, dass die Lösung eine Energieerzeugung frei von fossilen Brennstoffen ist." Es müsse sich schnell etwas ändern – wegen des Klimas. Sicherlich geht nun das Kohlekraftwerk Moorburg vom Netz.


Das ist eine echte Sensation! Der schwedische Staatskonzern Vattenfall plant offensichtlich, sein Steinkohlekraftwerk Moorburg in Hamburg vom Netz zu nehmen.

Betroffen sind 170 fest angestellte Mitarbeiter sowie "ca. 200 dauerhafte Fremdfirmen­mitarbeiter, welche zum Teil im Schichtdienst" für Vattenfall arbeiten, wie der Konzern mitteilt.

Die beiden 800 Megawatt leistungsstarken Steinkohlereaktoren sind erst seit 2015 am Netz, der umstrittene Neubau ersetzte das vorherige Gaskraftwerk Moorburg.

Dummerweise sorgte das für einen Anstieg der Treibhausgasemissionen: Das Steinkohlekraftwerk Moorburg war im vergangenen Jahr für 6,247 Millionen Tonnen Kohlendioxid verantwortlich, etwa so viel, wie das afrikanische Land Ruanda in einem Jahr erzeugt. In Ruanda leben mehr als zwölf Millionen Menschen.

6.247.000.000 Kilogramm des klimaschädlichen Gases – Moorburg ist die größte Treibhausgasquelle im deutschen Norden zwischen Flensburg und Göttingen, zwischen Emlichheim und Usedom.

Damit soll jetzt Schluss sein, wie der Reporter des Klima-Lügendetektors mutmaßt, der sich seit Jahren mit dem Kraftwerk befasst. Gestützt wird seine Behauptung durch Erklärungen, die Vattenfall gerade selbst in diversen Medien abgibt (Ausriss oben).

Vattenfall war einmal der weltgrößte nichtdeutsche Braunkohleförderer. In Polen, in der Lausitz und bei Leipzig verbrannte der schwedische Konzern den klimaschädlichsten aller Energieträger. Jetzt erklärt Vattenfall auf seiner Firmenwebsite:

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"Windenergie, günstiger produziert als fossile Energie", heißt es da.

Moorburg ist wirtschaftlich für Vattenfall ohnehin eine Katastrophe: In den Nullerjahren geplant, sollte die Anlage Hamburgs Westen mit Fernwärme versorgen. Aber Klagen und Proteste von Bürgerinitiativen verhinderten die dafür nötigen Pipelines durch die Elbe. Mit dem Verkauf der Wärme wurde es also nichts, Vattenfall hat mit dem Kraftwerk Milliarden verloren.

Aber zurück zum Klimaschutz! Im Film erklärt Vattenfall:

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Moorburg ist Vattenfalls größtes Fossilkraftwerk.

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Deshalb liegt nahe, Moorburg schnellstmöglich abschalten.

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Das ist jetzt schon fast ein bisschen viel des Klimaschutzes aus dem Hause Vattenfall.

Was aber, wenn sich der Reporter des Klima-Lügendetektors irrt? Was zum Beispiel, wenn Vattenfall sein Kraftwerk Moorburg für den Klimaschutz gar nicht abschaltet, sondern einfach verkauft? Der scheidende Vorstandschef Magnus Hall erklärte doch gerade: "Eine Option wäre natürlich, das Kraftwerk zu verkaufen."

Was also wäre, wenn die größte CO2-Schleuder im Norden einfach weiterläuft?

Dann wäre Vattenfalls Werbung glatt gelogen!

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