Vattenfall: Der (Un-)Held des Jahres

Vattenfall kommt voran "auf dem Weg zu einem fossilfreien Leben", das betont der Energiekonzern immer wieder. Logisch, dass sich das Unternehmen das Abschalten seiner Kohlekraftwerke auch etwas kosten lässt. Oder ist es vielleicht doch ein bisschen anders?


Und hier, verehrte Leserinnen und Leser: unser Held des Jahres 2020.

Vattenfall!

In seiner Werbung verspricht der schwedische Staatskonzern:

Schritt für Schritt auf dem Weg zu einem fossilfreien Leben

zu sein. Und setzt das dann auch ganz konsequent Schritt für Schritt um.

Anfang August unkten wir noch, Vattenfall wolle im Zuge der neuen Werbekampagne sein Kraftwerk Moorburg dichtmachen. Sie wissen schon, dieses hochumstrittene Steinkohlemonstrum, das Vattenfall in der Hansestadt vor mehr als zehn Jahren errichtete, um den Klimaschutz voranzubringen:

Neueste Technologie und Umweltschutz: Der Schutz von Klima und Ressourcen ist für Vattenfall von hoher Bedeutung. Beim Bau des Kraftwerks Moorburg wird weltweit modernste Kraftwerkstechnik verwendet – und damit Umwelt- und Klimaschutz in die Tat umgesetzt. 

Das war schon damals gelogen. Im Jahr 2018 produzierte das Kraftwerk Moorburg 6,2 Millionen Tonnen Kohlendioxid – etwa so viel wie das afrikanische Land Ruanda in einem Jahr. In Ruanda leben mehr als zwölf Millionen Menschen, in Hamburg weniger als zwei Millionen.

Aber jetzt macht Vattenfall ja Ernst: Obwohl das Kraftwerk erst 2015 in Betrieb genommen wurde und damit eines der modernsten in Deutschland ist, wird es abgeschaltet:

Kraftwerk Hamburg-Moorburg ... steht schon 2021 vor der Stilllegung 

Kurze Frage an die Regie: Stimmt da etwas mit der Überschrift nicht?

Die sieht zerhackstückt aus.

Regie?

Könnt ihr mal bitte überprüfen, was da los ist?

Ja, ja, den Moment haben wir.

Danke:

Kraftwerk Hamburg-Moorburg erhält Zuschlag im Auktionsverfahren und steht schon 2021 vor der Stilllegung 

Ach! Vattenfall hat sich gar nicht wegen seiner Firmenpolitik, wegen seines Weges zum fossilfreien Leben entschieden, Moorburg abzuschalten – sondern sich darum beworben? Bei der Bundesnetzagentur, die Geld für die Stilllegung von Kohlekraftwerken zahlt? Geld von den Steuerzahlern für verfehlte Firmenpolitik, also Geld von uns, um Moorburg dichtzumachen?

Anna Borg, die neue Präsidentin von Vattenfall, begrüßt die Entscheidung der Bundesnetzagentur: "Sie ermöglicht es uns, das Kraftwerk Moorburg früher als bisher geplant vom Netz zu nehmen."

Zu gut Deutsch: Ohne die Knete aus unserem Portemonnaie würde Vattenfall das Kohlekraftwerk Moorburg auf seinem "Weg zum fossilfreien Leben" niemals 2021 dichtmachen.

Na: Gut, dass wir das noch rechtzeitig geklärt haben. Vattenfall eignet sich dann nur zum "Unhelden des Jahres".

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