Nur China hält an der Kohle fest

Im letzten Jahr änderte sich die Energiepolitik in vielen asiatischen Ländern fundamental: Viele Länder haben beschlossen, keine neuen Kohlekraftwerke mehr zu bauen. Die große Ausnahme bleibt vorerst China.


Großes Kohlekraftwerk mit mehreren stark rauchenden Schornsteinen, davor eine teils unter Wasser stehende Brachfläche.
Auch in Asien werden jetzt die meisten Kohlekraftwerkspläne eingestampft – nur in China noch nicht. Im Bild das Kohlekraftwerk Nantong am Jangtse. (Foto: Kristof Erb/​Wikimedia Commons)

Noch bis zum letzten Jahr haben alle größeren Länder in Süd- und Südostasien geplant, viele neue Kohlekraftwerke zu bauen. Doch dann kam ein Bruch: Ein Land nach dem anderen gab die meisten der geplanten Kraftwerke auf.

2020 hatten Indonesien, Vietnam, Bangladesch und die Philippinen Kraftwerke mit einer Kapazität von zusammen über 70.000 Megawatt in Planung. In diesem Jahr sind es noch 25.000 Megawatt.

Die Projekt-Pipeline an neuen Kohleblöcken ist innerhalb eines Jahres also um fast zwei Drittel geschrumpft, wie Daten des Forschungsnetzwerks Global Energy Monitor zeigen. Bereits finanziert sind von den 25.000 Megawatt allerdings bislang nur 10.000 Megawatt, weswegen dieses Jahr die Zahl der geplanten Kohleprojekte nochmal deutlich zurückgehen könnte.

So sieht die sich anbahnende Energiewende in den vier Ländern aus:

  • In Bangladesch hat das Energieministerium angekündigt, auf alle neuen Kohleblöcke, die noch nicht im Bau sind, zu verzichten. Dadurch fallen 23.000 Megawatt weg.
  • Indonesien hat eine Sperre für neue Kohlekraftwerke angekündigt, die noch nicht im Bau sind. Außerdem erwägt das Finanzministerium die Einführung einer Steuer auf CO2-Emissionen von umgerechnet fünf US-Dollar pro Tonne.
  • Die Philippinen haben ein Moratorium für neue Kohlekraftwerke angekündigt.
  • Vietnam plant noch immer neue Kohleblöcke, aber sehr viel weniger als zuvor. Während die Regierung im Jahr 2016 noch 55.000 Megawatt neu bauen wollte, sind es jetzt noch 18.000, von denen einige Anlagen schon im Bau sind. Bei den meisten anderen Vorhaben fehlt aber noch die Finanzierung, weswegen einige wohl nie realisiert werden.

Nach Einschätzung von Global Energy Monitor sind diese Ankündigungen "bemerkenswert, weil Süd- und Südostasien lange als die nächste Wachstumsregion für die Kohleverstromung nach China angesehen wurden".

Erneuerbare sind billiger, Banken stoppen Kohlefinanzierung

Praktisch geht damit das Kohlezeitalter in dieser Region nun zu Ende. Die beiden anderen großen südostasiatischen Länder, Thailand und Malaysia, hatten zuvor schon keine nennenswerten Pläne für neue Kohlekraftwerke.

Auch in Indien stagniert mittlerweile die Verstromung von Kohle. Noch im Jahr 2016 war die Kohleverstromung dort um fast 20.000 Megawatt gewachsen. Doch dann halbierte sich der Ausbau und kam letztes Jahr praktisch komplett zum Erliegen.

Lediglich in Pakistan ist die künftige Entwicklung noch nicht ganz klar. Eine deutliche Ausweitung der Kohlekapazität ist allerdings auch hier unwahrscheinlich.

Für die Strategieänderung in der Energiepolitik gibt es zwei Gründe. Zum einen rechnen sich neue Kohlekraftwerke im Vergleich zu Solar- und Windkraftwerken nicht mehr. Erneuerbare Energien sind mittlerweile in fast jedem Land der Welt die billigste Option. Das gilt umso mehr in Regionen mit starker Sonneneinstrahlung wie Süd- und Südostasien.

Zum anderen lassen sich neue Kohlekraftwerke kaum noch finanzieren. Noch bis vor Kurzem haben Banken aus Japan sowie aus Südkorea, Singapur und China Geld für Kohlekraftwerke im Ausland gegeben. Davon sind nur noch die chinesischen Banken übrig.

Die drei größten Banken aus Singapur finanzieren schon seit 2019 keine Kohleprojekte mehr. Mittlerweile haben auch 16 japanische und vier südkoreanische Banken ähnliche Einschränkungen. Zudem vergeben diese Länder keine staatlichen Exportrisikogarantien mehr für Kohleprojekte.

Einzig Chinas Neubauzahlen wachsen noch, und zwar massiv

Die große Ausnahme vom asiatischen Kohleausstieg heißt vorerst weiter China. In dem Land stehen drei von vier Kohlekraftwerken, die letztes Jahr weltweit neu ans Netz gegangen sind. Und der Anteil dürfte dieses Jahr weiter steigen. Denn 85 Prozent aller Kraftwerke, für die letztes Jahr mit der Planung begonnen wurde, sollen in China gebaut werden.

Der hohe chinesische Anteil am künftigen Ausbau liegt aber nicht nur an der seit Jahren fallenden Zahl geplanter Kohleblöcke außerhalb des Landes, sondern auch an der Entwicklung in China selbst. Dort hat sich die Zahl der geplanten Blöcke seit einem Strategiewechsel 2018 massiv erhöht. Die 74.000 Megawatt, für die letztes Jahr die Planung begonnen hat, sind viermal mehr als der Vergleichswert aus dem Jahr 2018.

In China sind Kohlekraftwerke noch immer ein beliebtes Mittel, um die Wirtschaft anzukurbeln. Doch seit dem letzten Jahr steht China mit diesem Ansatz in Asien plötzlich alleine da.

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