Mehr Ökostrom als konventioneller eingespeist

Von Januar bis März stammte jede zweite Kilowattstunde, die ins deutsche Stromnetz eingespeist wurde, aus erneuerbaren Quellen – dank günstiger Winde, milder Witterung und beginnender wirtschaftlicher Auswirkungen der Coronakrise.


Aufnahme von oben an Windturm und Rotorblatt entlang nach unten, ein Monteur hängt am Seil, ganz klein ist am Boden ein Auto zu sehen.
Begutachtung des Rotorblatts und des Turmes: Windenergieanlagen speisten im ersten Quartal jede Menge Strom ein. (Foto: Markus Bergmann/​Wikimedia Commons)

Langfristig droht eine Ökostromlücke, derzeit aber eilen die erneuerbaren Energien bei der Erzeugung von Rekord zu Rekord: Laut dem Statistischen Bundesamt hatten erneuerbare Quellen im ersten Quartal 2020 einen Anteil von gut 51 Prozent an der eingespeisten Strommenge. Damit war zum ersten Mal mehr Ökostrom im Netz als Strom aus Kohle, Erdgas und Atomkraft.

Wegen günstiger Winde stieg die Windkraft mit einem Anteil von gut einem Drittel (rund 35 Prozent) an der eingespeisten Strommenge erstmals zum wichtigsten Stromerzeuger auf. Es folgten Kohle (22 Prozent), Erdgas (13 Prozent) sowie Kernkraft (zwölf Prozent). Biogas steuerte 5,5 und Solarstrom knapp fünf Prozent bei.

Im Vergleich zum selben Zeitraum des Vorjahres fällt die Änderung im Strommarkt besonders drastisch aus: Insgesamt sank der Anteil konventioneller Stromerzeugung im ersten Quartal um 22 Prozent, der des Kohlestroms sogar um ein Drittel. Die Erneuerbaren legten im Jahresvergleich um 15 Prozent zu, was vor allem an der um gut 21 Prozent gesteigerten Windkraft lag.

Eine Rolle spielte dabei, dass die insgesamt eingespeiste Strommenge im Vergleich der Quartale um 6,6 Prozent abnahm. Dieser Rückgang liege allerdings im Rahmen üblicher Schwankungen, heißt es bei der Statistikbehörde. Ein eindeutiger Einfluss der Coronakrise auf die eingespeiste Strommenge sei im ersten Quartal dieses Jahres noch nicht zu erkennen.

Für Henrik Maatsch von der Umweltstiftung WWF zeigen die mehr als 50 Prozent Erneuerbaren, dass es der Energiewende nicht an den technischen Voraussetzungen mangelt. Vielmehr zeichne sich bereits das Ende der fossilen und nuklearen Hochrisikotechnologien ab. "Es darf allerdings nicht außer Acht gelassen werden, dass dies eine Momentaufnahme darstellt und keinesfalls dem Zutun der Bundesregierung geschuldet ist", betonte Maatsch.

Für eine erfolgreiche Energiewende fehle es vor allem an einer verlässlichen Langfrist-Perspektive für die Erneuerbaren, so der WWF-Experte. Hierzu zählt er vor allem eine Reform von Steuern, Abgaben und Umlagen, eine Solarpflicht für Dächer sowie eine Bund-Länder-Strategie, um ausreichend Flächen für eine naturverträgliche Nutzung von Windkraft und von Photovoltaik auf Freiflächen bereitzustellen.

Für die Branche begann die Krise schon vor Corona

Zeitgleich mit der Statistikbehörde gab auch die AG Energiebilanzen vorläufige Daten für den gesamten Energieverbrauch in den ersten drei Monaten des Jahres bekannt. Der Verbrauch sank demnach gegenüber dem Vorjahresquartal um 6,8 Prozent auf knapp 118 Millionen Tonnen Steinkohleeinheiten (SKE).

Die Arbeitsgemeinschaft, eine Einrichtung der konventionellen Branche, hält den Einfluss der Pandemie auf den Energieverbrauch bis Ende März ebenfalls für schwach. Bereits vor Corona habe es eine rückläufige Konjunktur vor allem in den energieintensiven Industrien gegeben. Dazu sei die wärmere Witterung in den ersten beiden Monaten gekommen. Ohne den Einfluss der Witterung wäre der Energieverbrauch nur um 6,4 Prozent gesunken. Ferner rechnet die AG Energiebilanzen, dass der energiebedingte CO2-Ausstoß in dem Zeitraum um knapp elf Prozent sank.

Mit Ausnahme der Erneuerbaren war bei allen Energieträgern der Verbrauch rückläufig, besonders stark fielen auch bei der AG die Kohlen ins Minus. Der gesamte Verbrauch von Steinkohle ging um rund 22 Prozent zurück, bei der Braunkohle waren es mehr als 30 Prozent.

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