In Australien sind Solardächer sehr beliebt – anders als große Solarparks. (Bild: Michael Coghlan/​Flickr)

Australien galt lange als das Kohle-Land: Gigantische Tagebau- und Kraftwerksanlagen prägten das Bild, der Strommix war über Jahrzehnte fossil dominiert. Auch 2024 lag der Kohlekraft-Anteil noch bei 45 Prozent.

Doch unter der Labor-Regierung von Anthony Albanese ist der Wandel stark beschleunigt worden. Die erneuerbaren Energien werden massiv hochgefahren, Wind- und Solarprojekte gefördert, Speicher- und Netzsysteme modernisiert.

Parallel dazu geht Canberra mit dem neuen Programm "Solar Sharer" noch einen Schritt weiter. Durch die Gewährung von mindestens drei Stunden kostenlosem Solarstrom pro Tag für Haushalte – unabhängig davon, ob sie eine Solaranlage besitzen – setzt Australien neue Maßstäbe beim Verbraucheranreiz, Grünstrom zu nutzen.

Das Solar-Sharer-Programm wird ab Juli 2026 zunächst in den Bundesstaaten New South Wales, South Australia und im südöstlichen Teil von Queensland eingeführt, eine mögliche Erweiterung auf weitere Regionen ist bis 2027 ist vorgesehen. Haushalte mit einem intelligenten Stromzähler werden dort von ihrem Stromanbieter täglich kostenfrei mit Strom versorgt – genau in den Mittagsstunden, wenn die Solarenergieerzeugung ihren Höhepunkt erreicht.

Voraussetzung: Der Haushalt meldet sich bei einem entsprechenden Angebot an. Verlagert er seinen Stromverbrauch bewusst in die Mittagszeit – etwa, in dem er Waschmaschine und Geschirrspüler anschaltet oder das Elektroauto lädt, spart er Geld. Auch Klimaanlagen laufen dann praktisch umsonst.

Abendliche Lastspitze wird abgebaut

Das Programm gilt auch für Haushalte ohne eigene Solaranlage. Damit sollen auch Haushalte ohne Dach-Photovoltaik aktiv an der Energiewende teilhaben können.

Energieminister Chris Bowen erläuterte: "Unser Solar-Sharer-Angebot bedeutet, dass mehr Australierinnen und Australier Teil unserer weltweit führenden Solarbewegung werden können." Je mehr Menschen das Angebot nutzten und ihren Verbrauch anpassten, desto größer seien die Vorteile für das gesamte System – und desto niedriger würden die Kosten für alle.

Das Angebot wird von der australischen Energieaufsicht reguliert, um faire Preise auch außerhalb der kostenlosen Stromperiode sicherzustellen. Die Stromversorger sollen dann keine Extraprofite einfahren dürfen. Entsprechende Befürchtungen waren bereits öffentlich geäußert worden.

Hintergrund der Solar-Sharer-Initiative ist, dass im sonnenreichen Australien der Photovoltaik-Ausbau so weit vorangeschritten ist, dass in manchen Mittagsstunden die Erzeugung von Solarstrom die Nachfrage übersteigt und die Großhandelsstrompreise teilweise stark fallen oder sogar negativ werden. Dem soll das neue Programm entgegenwirken.

Doch es gibt weitere Vorteile: Durch die Verlagerung des Verbrauchs in die Mittagszeit werden die Abend-Spitzenlast reduziert, Netzbelastungen gesenkt und die Kosten für den Ausbau der Netz-Infrastruktur verringert.

Ziel sind 82 Prozent Ökostrom 2030 

Australien hat als Ziel beschlossen, bis 2030 rund 82 Prozent des Stroms aus erneuerbaren Quellen zu erzeugen und die CO2-Emissionen bis dahin um etwa 43 Prozent gegenüber dem Basisjahr 2005 zu senken. Diese Ziele markieren einen deutlichen Kurswechsel gegenüber der Politik der konservativen Vorgängerregierungen, die den Kohlebergbau protegierten und internationale Klimaverpflichtungen häufig verwässerten oder verzögerten.

Premier Albanese und Energieminister Bowen haben die Klimapolitik seither auf eine neue Grundlage gestellt. Der "Powering Australia"-Plan von Ende 2022 bündelt Investitionen in Solar- und Windkraft, Speicher, Wasserstoff-Technologie und Netzinfrastruktur. Der Kohleausstieg soll sozial verträglich, aber unumkehrbar erfolgen.

 

Die Dringlichkeit ist hoch – Australien gehört zu den Industrieländern, die am stärksten vom Klimawandel betroffen sind. Verheerende Buschbrände, heftige Überschwemmungen und marine Hitzewellen, die dem berühmten Great Barrier Reef zusetzen, zeigen die Verwundbarkeit des Kontinents.

Wissenschaftliche Prognosen gehen davon aus, dass sich ohne tiefgreifende globale Emissionsminderung die Zahl extremer Wetterereignisse bis 2050 verdoppeln wird. Entsprechend betont die Regierung, dass Klimaschutz für Australien nicht nur eine ökologische, sondern eine existenzielle Aufgabe sei.