Erneuerbare Teamplayer, hinderliche Subventionen und ein Friedensprojekt

Kalenderwoche 16: Bundeswirtschaftsminister Altmaier sollte lieber die Subventionen für fossile Energien abschaffen statt die erneuerbaren auszubremsen, sagt Claudia Kemfert, Professorin für Energiewirtschaft, Chefin des Energie- und Umweltbereichs am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung DIW und Mit-Herausgeberin von Klimareporter°.


Claudia Kemfert. (Foto: Stanislav Jenis)

Immer wieder sonntags: Unsere Herausgeber erzählen im Wechsel, was in der vergangenen Woche wichtig für sie war. Heute: Claudia Kemfert, Professorin für Energiewirtschaft und Chefin des Energie- und Umweltbereichs am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung DIW.

Klimareporter°: Frau Kemfert, Bundeswirtschaftsminister Altmaier erwartet, dass die Erneuerbaren bei uns in Kürze keine Mindestvergütungen – er sprach fälschlich von "Subventionen" – mehr benötigen. Stimmt das?

Ich hätte mir gewünscht, Herr Minister Altmaier hätte die Abschaffung fossiler Subventionen verkündet! Allein die indirekte Subventionierung für den Diesel durch Steuererleichterungen beläuft sich auf über sieben Milliarden Euro pro Jahr. Die Summe aller umweltschädlichen Subventionen ist eher doppelt so hoch wie die jährliche Förderung erneuerbarer Energien.

Außerdem bringt die Energiewende große wirtschaftliche Chancen hervor durch die Investitionen, Innovationen und neuen Jobs. Die Subventionen in fossile Energien behindern den Umbau und erhöhen die wirtschaftlichen Kosten enorm.

Die erneuerbaren Energien werden in der Tat immer preiswerter und somit wettbewerbsfähiger. Weltweit nehmen die Investitionen in "grüne" Energien immer mehr zu. Der Wirtschaftsminister hat die dringende Aufgabe, die Energiewende in allen Sektoren zu organisieren, statt die erneuerbaren Energien weiter auszubremsen. Wir brauchen mehr Anstrengungen für das Energiesparen im Gebäudesektor, wir brauchen eine nachhaltige Verkehrswende. Dafür wäre die Abschaffung der Subventionen fossiler Energien ein erster notwendiger Schritt.

Was haben Sie von der diesjährigen internationalen Energiekonferenz in Berlin mitgenommen?

Beeindruckend waren vor allem die Berichte aus den verschiedenen Ländern. Die Energiewende ist eindeutig in der Welt angekommen, erneuerbare Energien spielen in vielen Ländern eine zentrale Rolle, auch wenn wir insgesamt noch am Anfang stehen.

Wichtig ist, dass der globale Klimaschutz nicht nachlässt und die Energiewende vor Ort immer weitergeht und intensiver wird. Deutschland darf nicht den Anschluss verlieren und muss beim Kohleausstieg, beim Ausbau erneuerbarer Energien in allen Sektoren und bei der Verkehrswende inklusive der Elektromobilität deutlich mehr liefern, als die Minister angekündigt haben.

Mitgenommen habe ich auch, dass es viele Frauen aus allen Ländern gibt, die die globale Energiewende so erfolgreich machen.

Erstmals wurde die Ökostrom-Förderung für Wind- und Solarkapazitäten zusammen ausgeschrieben. Zum Zuge kamen aber nur Solar-Projekte. Dabei ist die Windkraft in Deutschland gerade zur zweitstärksten Energiequelle aufgestiegen. Wie müssen die Erneuerbaren gefördert werden, um zu einem guten Energiemix zu kommen?

Erneuerbare Energien sind Teamplayer. Man darf sie nicht gegeneinander ausspielen, sonst gefährdet man nicht nur die wirtschaftlichen Chancen, sondern vor allem auch die Versorgungssicherheit. Wind- und Sonnenenergie ergänzen einander, zusätzlich kann wetterunabhängige Energie aus Biomasse den Part der Versorgungssicherheit übernehmen. Durch die angeblich so wichtige "Technologieoffenheit", mit der man die gemeinsamen Ausschreibungen begründet, werden einzelne erneuerbare Energiearten zwangsläufig verhindert – so erreichen wir den optimalen erneuerbaren Energiemix jedenfalls nicht.

Künftig sollten wir den Fokus nicht auf Kostenminimierung und den Wettbewerb zwischen den erneuerbaren Energien legen, sondern auf einzelne Leistungsmerkmale wie Lastnähe und Versorgungssicherheit. Nur so können ausreichend finanzielle Anreize für einen sicheren und breiten Technologiemix gegeben werden.

Und was war Ihre Überraschung der Woche?

Positiv überrascht hat mich die Ankündigung des neuen Außenministers Heiko Maas, die geopolitischen Konsequenzen einer weltweiten Energiewende in den Blick zu nehmen. Dieses wichtige Thema hat es bisher leider kaum auf die politische Agenda geschafft. In Zeiten immer stärkerer geopolitischer Unsicherheiten ist dies eine um so wichtigere und dringlichere Aufgabe.

Die Energiewende ist das beste Friedensprojekt, das die Welt derzeit zu bieten hat. Dass Deutschland zusammen mit Norwegen und den Vereinigten Arabischen Emiraten die globalen geopolitischen Auswirkungen im Rahmen einer gemeinsamen Kommission untersuchen lässt, ist wichtig, wegweisend – und das beste Zeichen dafür, wie erfolgreich die Energietransformation in Wahrheit ist. Die globale Energiewende ist wirklich nicht mehr aufzuhalten.

Interview: Susanne Schwarz

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