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EEG-Umlage steigt leicht an

Die EEG-Umlage wird 2020 um 5,5 Prozent auf 6,756 Cent pro Kilowattstunde steigen. Das haben die Übertragungsnetzbetreiber heute bekannt gegeben. Kritik kommt von der Erneuerbaren-Branche und der Opposition.


Strommast aus der Froschperspektive gesehen
Etwa ebenso so hoch wie die EEG-Umlage sind die Netzentgelte. (Foto: Michael Gaida/​Pixabay)

In den vergangenen zwei Jahren war die EEG-Umlage jeweils gesunken, nun steigt sie 2020 wieder an. Wie die vier Übertragungsnetzbetreiber am heutigen Dienstag mitteilten, wird die Umlage nächstes Jahr 6,756 Cent pro Kilowattstunde betragen. Das ist ein Anstieg um 5,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Derzeit beträgt die Umlage 6,405 Cent pro Kilowattstunde.

Als Grund für die Erhöhung verweisen die Übertragungsnetzbetreiber 50 Hertz, Amprion, Tennet und Transnet BW auf eine prognostizierte Deckungslücke beim EEG-Konto für 2020 von rund 1,9 Milliarden Euro.

Der Kontostand sei derzeit um 40 Prozent niedriger als vor einem Jahr. Durch das "deutlich niedrigere 'Startniveau' des EEG-Kontostandes 2020" sei die Erhöhung der Umlage erforderlich.

Das "Konto" wurde dabei besonders, wie zu hören war, durch die 2018 und 2019 über den Prognosen liegende Stromerzeugung aus Windkraft und Photovoltaik geleert. Dass ein Mehr bei den kostengünstigen erneuerbaren Energien am Ende zu einer stärkeren Belastung der Stromkunden führt, liegt an der aktuellen Konstruktion der EEG-Umlage.

"Absurde Preisentwicklung"

Der Bundesverband Neue Energiewirtschaft (BNE) sprach von einer "absurden Strompreisentwicklung". Rund drei Viertel des Strompreises für Verbraucher bestünden mittlerweile aus "politisch induzierten Strompreiskomponenten".

Die Letztverbraucher müssten mit dem Strompreis heute sieben energiespezifische Steuern, Abgaben und Umlagen bezahlen. Vier davon sollten "vollständig vom Strompreis weggenommen" werden, fordert der Verband.

Tatsächlich gilt nur rund ein Viertel des Strompreises der Erzeugung und dem Vertrieb des Stroms selbst. Dazu kommen die EEG-Umlage und die Netzentgelte – ebenfalls jeweils rund ein Viertel – sowie Steuern und Gebühren.

Dass all dies beim Strom obendrauf gepackt werde, behindere die Energiewende und benachteilige "strombasierte Zukunftstechnologien wie Wärmepumpen oder Elektrofahrzeuge" massiv, kritisiert der BNE.

Der Öko-Energieversorger Naturstrom plädiert ebenfalls dafür, die Stromkosten zu senken und damit die Verbraucher zu entlasten. Dafür solle die Stromsteuer "so weit, wie es geht" gesenkt werden. Sie liegt seit Jahren unverändert bei rund zwei Cent pro Kilowattstunde.

Grüne und Linke fordern Reform

Auch die Grünen im Bundestag fordern eine Absenkung der Stromsteuer. "Statt sich an der EEG-Umlage mit völlig untauglichen Vorschlägen abzuarbeiten, muss die Regierungskoalition endlich die Abgaben und Umlagen im Stromsektor neu ordnen", so die Energieexpertin der Fraktion, Julia Verlinden.

Das kürzlich beschlossene Klimapaket der Bundesregierung sieht vor, die EEG-Umlage ab 2021 schrittweise abzusenken, um die Bürger parallel zu der dann beginnenden CO2-Bepreisung an anderer Stelle zu entlasten. Allerdings soll es zunächst bloß mit einer Senkung um lediglich einen viertel Cent pro Kilowattstunde losgehen.

Der Energie- und Klimapolitiker der Linksfraktion Lorenz Gösta Beutin verwies auf die Industrierabatte bei der EEG-Umlage und sprach von einer "großen Ungerechtigkeit".

Die Privathaushalte müssten pro Jahr 4,8 Milliarden Euro für die Industrie mitübernehmen, so Beutin. Über 4.000 Unternehmen, die 20 Prozent des Stroms in Deutschland verbrauchen, würden "Milliarden-Privilegien genießen, die von den EEG-Normalzahlern ausgeglichen werden müssen". Diese unberechtigten Privilegien müssten abgeschafft werden.

Redaktionelller Hinweis: Tim Meyer, Vorstand bei Naturstrom, ist Mitglied des Kuratoriums von Klimareporter°.

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