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Die Sonne pachten

Eine Solaranlage zu mieten ist nicht nur ein persönlicher Beitrag für die Energiewende, sondern kann sich für Verbraucher auch lohnen. Dabei muss aber auf die Details der Angebote geachtet werden, raten Verbraucherschützer.


Solaranlage auf einem Häuserdach
Solaranlagen kann man auch mieten. (Foto: U. Leone/Pixabay)

Die Füße hochlegen und mit einer Photovoltaik-Anlage auf dem eigenen Dach Strom erzeugen, selbst verbrauchen und damit Energiewende und Klimaschutz voranbringen – diese Aussicht dürfte für viele Hausbesitzer verlockend sein. Nicht jeder hat Zeit und Lust, sich mit allen planerischen Vorarbeiten sowie Preis- und Technikvergleichen oder dem Betrieb der Anlage auseinanderzusetzen.

Zahlreiche Unternehmen haben dies als Geschäftsmodell erkannt und bieten deshalb Pachtmodelle für Solarstrom-Anlagen an. Ihre Angebote bewerben die Dienstleister oft als Rundum-Sorglos-Pakete. Der Kunde muss sich um nichts weiter als den Vertragsabschluss kümmern, so das Versprechen.

Betriebsführung, Installation, Wartung, Versicherung, Instandhaltung und gesetzlich vorgeschriebene Kontrollen übernimmt üblicherweise der Dienstleister. Investitionskosten wie beim Anlagenkauf fallen keine an, dafür wird ein monatlicher Pachtbeitrag über eine Laufzeit von 18 Jahren errechnet. Danach kann der Kunde die Anlage für einen geringen Betrag übernehmen. Wer also das nötige Geld für die Anlage nicht hat, für den ist die Pacht durchaus eine Option.

Das Unternehmen Naturstrom ist Mitte letzten Jahres mit einem Pacht-Produkt in den Markt eingestiegen. In einer Beispielrechnung für ein Einfamilienhaus in Stuttgart mit vier Personen, einem Jahresstrombedarf von 4.200 Kilowattstunden und einer Anlagenleistung von 3,24 Kilowatt hat der Ökostromanbieter eine monatliche Pachtgebühr für die Photovoltaik-Anlage von 52 Euro ermittelt. Hinzu kommen vier Euro für die Betriebsführung und 62 Euro für den Reststrombezug, wenn die Anlage nicht liefert. Davon abgezogen werden Einnahmen in Höhe von 17 Euro durch die Einspeisung des nicht verbrauchten Stroms ins Netz.

Die Kosten belaufen sich damit unterm Strich auf 101 Euro monatlich und damit vier Euro mehr, als die bisherigen Stromkosten des Haushalts betragen hätten. Weil Naturstrom von einer dreiprozentigen jährlichen Steigerung des Strompreises ausgeht, sollen die Mehrkosten aber im Laufe der Zeit sinken und künftig ein monatlicher Profit eintreten.

Die Gesamtersparnis könnte am Ende der Anlagenlebensdauer nach 25 Jahren 6.548 Euro betragen. Zu beachten ist, dass am Ende der Mietdauer von 18 Jahren die Ersparnis natürlich geringer ist. Das große Plus stellt sich nur ein, wenn man die Anlage nach Ende der Pachtzeit übernimmt.

Faktor Eigenverbrauch

Aber lohnt sich das für jeden? Die eindeutige Antwort lautet: Kommt drauf an. "Die Wirtschaftlichkeit wird von vielen Faktoren bestimmt", sagt Laura Friedrichs, Marketingchefin bei Naturstrom. Entscheidend seien etwa der Standort des Hauses und mit welcher Sonneneinstrahlung dort zu rechnen ist sowie Größe, Ausrichtung und Neigung des Daches. "Nördliche Gebiete in Deutschland sind erfahrungsgemäß nicht ganz so gut geeignet wie Süddeutschland", so Friedrichs.

Ein entscheidender Faktor ist auch der Eigenverbrauch. "Je höher dieser ist, desto besser", sagt Friedrichs. Wer mehr eigenen Strom verbraucht, muss weniger zukaufen. In der Beispielrechnung hat Naturstrom den Eigenverbrauch mit knapp 50 Prozent ausgewiesen.

Der Unabhängigkeitsrechner auf der Homepage der Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin kommt für die im Naturstrom-Beispiel genannte Anlage allerdings nur auf einen Eigenverbrauchsanteil von 36 Prozent. Friedrichs räumt ein, dass der Wert auch niedriger liegen könnte. Das Verbrauchsverhalten sei dabei sehr wichtig. Wer etwa von zu Hause aus arbeite oder den Tag über, wenn die Anlage den meisten Strom erzeugt, viel im Haus mache, habe einen höheren Eigenverbrauch als jemand, der nur morgens und abends daheim ist.

Ein Eigenverbrauch von 36 Prozent deckt sich mit Informationen der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen, wonach der typische Anteil für Solarstrom-Anlagen ohne Speicher bei 25 bis 35 Prozent liegt.

Analyse: Drei Pachtmodelle sind wirtschaftlich

Die Verbraucherzentrale hat letztes Jahr dreizehn Pachtmodelle von nordrhein-westfälischen Stadtwerken und Regionalversorgern unter die Lupe genommen und dabei festgestellt, dass in vielen Angebotsberechnungen der Eigenverbrauchsanteil als zu hoch ausgewiesen wird.

Die Analyse kommt zu dem Schluss, dass zehn der 13 untersuchten Angebote nicht wirtschaftlich sind. So stand bei einer Beispielrechnung am Ende ein Minus von 8.734 Euro, beim lukrativsten Modell waren es hingegen 869 Euro auf der Habenseite. Der größte Ausreißer habe seine Preise aber inzwischen runtergestuft, teilt die Verbraucherzentrale auf Nachfrage mit.

Neben dem Eigenverbrauch liege die Unwirtschaftlichkeit der Angebote auch daran, dass in manchen Angeboten Zusatzkosten wie Wartung, Instandhaltung oder Versicherung nicht im Preis inbegriffen seien, schreiben die Autoren.

Sie warnen davor, dass sich ein Pächter trotz eines vermeidlichen Rundum-Sorglos-Pakets nicht zu sicher fühlen sollte. Denn obwohl ihm die Anlage nicht gehört, ist er ihr Betreiber und trägt damit auch das wirtschaftliche Betriebsrisiko, wenn beispielsweise der Ertrag nicht wie prognostiziert ausfällt.

Wer die Anlagenpacht in Erwägung zieht, sollte sich ebenso darüber im Klaren sein, dass viele der Verträge keine Kündigungsklausel haben. Das bestätigt Laura Friedrichs von Naturstrom. Bei einem Hausverkauf müsse der Vertrag an den Käufer und im Todesfall an die Erben weitergegeben werden.

Verschiedene Finanzierungen

Einen etwas anderen Ansatz verfolgt das Hamburger Unternehmen DZ-4, das nach eigenen Angaben 2012 als erster am Markt damit begonnen hat, mietfinanzierte Solaranlagen zu bauen. Bei DZ-4 läuft der Vertrag zunächst über 15 Jahre und verlängert sich anschließend jährlich. Und schon nach den ersten zehn Jahren erhalten Kunden die Option, die Anlage zum dann gültigen Restwert zu kaufen.

Auch der Energieriese Eon steigt derzeit in den Markt ein. Seit Juli bieten die Essener das Produkt "Sunrate" an. Im Gegensatz zu einer Pacht handelt es sich dabei im Prinzip um eine Finanzierung. "Die Eon-Sunrate wandelt die Kosten für die Photovoltaikanlage einfach in monatliche Raten um", teilt das Unternehmen mit. Die Laufzeit könne etwa zehn oder 15 Jahre betragen und "mittels kostenfreier Sondertilgung jederzeit verkürzt werden". Das soll die Zahlungen planbar und flexibel machen.

Zum Paket gehört auch das virtuelle Stromkonto Solar-Cloud. Eon wirbt damit, dass Kunden sich so zu 100 Prozent mit der eigenen Solaranlage versorgen könnten. Experten kritisieren jedoch, dass das Konzept eines virtuellen Speichers für Strom nichts weiter als geschicktes Marketing ist, da es physikalisch nicht möglich ist, Strom virtuell zu speichern.

Andere Anbieter setzen dagegen auf physikalische Speicher, so auch Naturstrom. Damit lässt sich der Eigenverbrauch des selbst erzeugten Stroms steigern. Naturstrom-Mitarbeiterin Laura Friedrichs schränkt jedoch ein, dass sich Speicher im Privatbereich bisher nur bei hohem Verbrauch und großen Anlagen rechnen würden. Unter dem derzeitigen Preis-Leistungs-Verhältnis seien sie in den meisten Haushalten nicht wirtschaftlich. Allerdings sei eine Nachrüstung, beispielsweise wenn die Preise für die Technologie weiter fallen, jederzeit möglich. Naturstrom plant hierfür ein ergänzendes Pachtangebot.

Eigene Stromerzeugung als Wert an sich

Unabhängig von Speichern gibt es laut Friedrichs aber auch Kunden, die den übergeordneten Wert der eigenen Stromerzeugung betrachten und eine Anlage pachten, obwohl sich das eigentlich nicht rechnet. Flächendeckend dürfte das jedoch nicht der Fall sein und die Wirtschaftlichkeit der entscheidende Faktor bleiben.

Naturstrom-Sprecher Tim Loppe berichtet, dass das Interesse an dem Pachtmodell zwar groß sei und es viele Anfragen gebe. Die Zahl der tatsächlich abgeschlossenen Verträge bewege sich jedoch noch im zweistelligen Bereich. Der Anbieter DZ-4 will auf Anfrage keine genaue Kundenzahl sagen. Es gebe jedoch eine "gute Entwicklung" auf dem Markt.

Die bayerischen MEP-Werke haben nach eigenen Angaben bereits knapp 9.000 Kunden eine Solaranlage vermietet. Auf der Online-Plattform Trustpilot oder in eigens dafür gegründeten Facebook-Gruppen beschweren sich jedoch viele Kunden darüber, dass das Unternehmen monatelang Miete für installierte Anlagen kassiere, diese aber noch keinen Strom lieferten, weil der Netzanschluss fehle. Im März wurde MEP dafür von der Verbraucherzentrale NRW abgemahnt. Außerdem sei der Preis im Vergleich zu anderen Angeboten "sehr teuer", so die Verbraucherzentrale. Als Reaktion teilte MEP auf seiner Homepage mit, dass der Mietbeginn der Anlagen künftig flexibler gestaltet werden soll.

Wer an einer Anlagen-Pacht interessiert ist, sollte auf jeden Fall genau überprüfen, ob sich das Modell im jeweiligen Fall lohnt und welche Leistungen inbegriffen sind. Auch wenn man eigentlich nur die Füße hochlegen und mit möglichst wenig Aufwand die Sonne für sich arbeiten lassen will, kommt man um einige Vergleichsarbeit also nicht umhin. Auch die Anlagenverpächter werden weiter daran arbeiten müssen, ihre Angebote noch attraktiver zu machen – sonst wird sich kein nennenswerter Markt daraus entwickeln.

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