Begeisterte E-Auto-Fahrer, Unipers Tricks und ein planloser Minister

Kalenderwoche 9: Die Union kann sich offenbar der Realität der Energiewende nicht entziehen und lenkt bei der Abstandsregelung für Windräder ein, sagt Gero Lücking, Geschäftsführer für Energiewirtschaft beim Ökostrom-Anbieter Lichtblick und Mitglied des Herausgeberrats von Klimareporter°. Die sich anbahnende Lösung ist auch für die Photovoltaik ein echter Fortschritt.


Gero Lücking. (Foto: Amac Garbe)

Immer wieder sonntags: Die Mitglieder unseres Herausgeberrates erzählen im Wechsel, was in der vergangenen Woche wichtig für sie war. Heute: Gero Lücking, Geschäftsführer für Energiewirtschaft beim Hamburger Ökostrom-Anbieter Lichtblick.

Klimareporter°: Herr Lücking, Wirtschaftsminister Altmaier will den Bundesländern mehr Mitsprache bei den Abstandsregeln für Windenergie-Anlagen zugestehen. Hoffnung für die Windenergie?

Gero Lücking: Scheinbar stehen Bundesregierung und Länder vor einer Lösung. Die 1.000-Meter-Abstandsregelung soll zwar kommen, aber die Länder sollen sie de facto umgehen können, damit sie ihre festgelegten Zielmengen für Windstrom erreichen können.

Damit wäre die Abstandsregelung nur noch ein Papiertiger, den die Länder wegpusten können. Ob die Länder das auch machen und sich so mit den Anti-Wind-Initiativen anlegen werden, bleibt abzuwarten.

Aber die sich anbahnende Lösung ist in jedem Fall ein substanzieller Fortschritt. Damit würde am 12. März auch der Photovoltaik-Deckel politisch fallen. Das ist ein weiterer, sehr wichtiger positiver Nebeneffekt.

Das Junktim der Union zwischen Abstandsregelung und Streichung des Solardeckels wird sich dann erledigt haben. Damit hat auch die Photovoltaik wieder eine Perspektive.

Um die Frage, wie groß der Beitrag einer Tesla-Gigafactory zum Klimaschutz sein kann, wird heiß gestritten. Die Verkehrspolitikerin Sabine Leidig von der Linken kritisiert, gerechte Mobilität könne es mit dem Auto nicht geben. Stimmen Sie zu?

Gerne oute ich mich hiermit als begeisterter Elektroautofahrer. Gegenüber einem konventionellen Fahrzeug halbiere ich damit den ökologischen Fußabdruck meiner automobilen Individualmobilität. Das ist ein gewaltiger Fortschritt, der im Übrigen – Ökostrom ist natürlich Pflicht – die gesamte Prozesskette und den gesamten Lebenszyklus eines Fahrzeugs umfasst.

Batterieelektrische Fahrzeuge, die auf Basis von Photovoltaik und Windkraft CO2-neutral gewonnenen Strom direkt und ohne weitere Umwandlungsverluste im Elektromotor nutzen, sind heute die effizienteste Option. Sie sind der Schlüssel zur Verkehrswende und für die saubere Mobilität der Zukunft unverzichtbar.

Aber es ist auch mir klar, dass Elektroautos allein nicht die Verkehrswende bedeuten. Zusätzlich zu dieser Energiewende in der Verkehrswende brauchen wir die Mobilitätswende. Die Notwendigkeit des Individualverkehrs muss reduziert werden. Attraktive Alternativen müssen den Umstieg erleichtern.

Uniper hat eine Strategie zur Dekarbonisierung verkündet, will aber vor allem auf Erdgas umstellen, wie viele andere Energiekonzerne. Sind solche Strategien glaubwürdig?

Die Verantwortlichen bei Uniper stehen offenbar unter Druck. Sonst würden sie sich wohl nicht genötigt sehen, mit Taschenspielertricks ihre CO2-Bilanz schönzureden und von Dekarbonisierung zu sprechen.

Ein Kraftwerk geben sie ab, doch damit ist nichts gewonnen. Dem Klima ist es egal, von welcher Firma das CO2 emittiert wird. Und dann nehmen sie mit Datteln 4 ein neues Steinkohlekraftwerk in Betrieb.

Das ist das Gegenteil von Dekarbonisierung. Und Gas ist auch nicht klimakompatibel. Wissen wir, ist so. Für wie blöd halten die uns?

Und was war Ihre Überraschung der Woche?

Die energiepolitische Überraschung der Woche war tatsächlich das Nachgeben der Union in Sachen Abstandsregelung für die Windkraft. Die Union kann sich offenbar der Realität der Energiewende nicht entziehen und lenkt ein. Was sie eigentlich will, verrät sie nicht, aber es kommt Bewegung in die Diskussion.

Unglaublich, welche Irritation und Verunsicherung das unüberlegte Handeln des Wirtschaftsministers für nix und wieder nix verursacht hat. Man möchte den Rat geben: Erst denken, dann agieren.

Fragen: Friederike Meier

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