Müllsammeln im Regenwald?

Der Öko-Tourismus hat einen neuen Trend hervorgebracht – den Voluntourismus. Man steigt ins Flugzeug, um irgendwo auf der anderen Seite des Globus Gutes zu tun. Doch das ist oft nur gut fürs eigene Gefühl.


Zusammengepresste Plastikflaschen
400 Millionen Tonnen Plastik werden weltweit im Jahr produziert. Ein großer Teil davon landet in Umwelt und Ozeanen. (Foto: Hans Braxmeier/​Pixabay)

Gutes tun im Urlaub. Das ist ein Trend, der immer mehr Anhänger findet. Nicht nur Sommer, Sonne, Strand, sondern mehr.

Den Freiwilligen, den "Volunteers", bieten sich viele Möglichkeiten. Zwei Wochen Mitarbeit in einem Kinderheim in Kambodscha oder Bangladesch, Müllsammeln im Regenwald oder Schutz von Schildkröten in Costa Rica – das sind Beispiele aus der Palette von Angeboten.

Man steigt ins Flugzeug, um irgendwo auf der anderen Seite des Globus zu helfen. Sogar eine eigene Bezeichnung gibt es inzwischen für dieses Urlauben mit Anspruch: "Voluntourismus".

Es ist offenbar ein ernstzunehmendes Tourismus-Segment. Der Reisekonzern Tui hat eine eigene Voluntourismus-Marke eingeführt, viele andere Anbieter haben entsprechende Angebote in ihre Programme aufgenommen.

Entstanden ist der neue Trend aus dem Öko-Tourismus, also dem Konzept, nachhaltig und sozial verantwortlich zu reisen. Das fand der Sozialwissenschaftler Benjamin Haas von der Uni Köln heraus, der das Phänomen untersucht hat. Die Zielländer der modernen Jetset-Freiwilligen liegen meistens in Afrika, Asien oder Südamerika.

Ob Öko-Tourismus wirklich "öko" sein kann, war von Anfang an umstritten, vor allem, wenn es sich um Fern-Flugreisen handelt. Beim Voluntourismus gilt der Einwand genauso.

Bei einem Trip zum Beispiel nach Costa Rica und zurück entsteht pro Person dreimal so viel CO2, wie ein Jahr Autofahren verursacht. Ob man das mit 14 Tagen Müllsammeln im Regenwald wieder wettmachen kann, ist eher fraglich.

Joachim Wille ist Chefredakteur des Online-Magazins Klimareporter°.

Doch auch sonst kommen einem Zweifel, wie gut es die Voluntouristen wirklich meinen. Befragungen zeigen, dass gerade bei den Kurzzeit-Trips von nur einer oder zwei Wochen das "Eigeninteresse" im Vordergrund steht. Will sagen, der positive Effekt für den Lebenslauf und das eigene gute Gefühl, und nicht so sehr das soziale Engagement.

Hinzu kommt, dass angesichts des Booms in dem Segment sich hier zunehmend Anbieter tummeln, die mehr am Profit als an sinnvollen Projekten interessiert sind.

Generell verteufeln solle man die Voluntourismus-Einsätze zwar nicht, mein Wissenschaftler Haas. Aber wer Interesse daran hat, solle doch prüfen, "ob es nicht auch in Deutschland oder Europa die Möglichkeit gibt, sich zu engagieren und gut zu fühlen". Und tatsächlich: Die gibt's.

Unterstützen Sie unabhängigen Journalismus!

klimareporter° wird herausgegeben vom gemeinnützigen Klimawissen e.V. Ihre Spende macht unabhängigen Journalismus zu Energiewende und Klimawandel möglich.

Spenden Sie hier