Klimaschützer protestieren gegen Leipziger Revier

Erstmals findet ein Klimacamp im kleinsten deutschen Braunkohlerevier statt. Noch bis 2040 will die Mibrag hier Braunkohle fördern und weitere Dörfer "devastieren". Zum Auftakt demonstrieren Klimaaktivisten in der Leipziger Innenstadt.


Hier ist ein Straßenschild zu sehen, das zu dem Dorf Pödelwitz führt
Für den Mibrag-Tagebau Vereinigtes Schleenhain soll auch das Dorf Pödelwitz im Landkreis Leipzig weichen, unter dem 23 Millionen Tonnen Braunkohle liegen. (Foto: Klimacamp Leipzig)

Das Mitteldeutsche Braunkohlerevier ist das kleinste in Deutschland. In den größeren Revieren, im Rheinland und in der Lausitz, fanden in den vergangenen Jahren bereits mehrere Klimacamps statt. Nun wollen die Aktivisten auch auf das Leipziger Fördergebiet mehr Aufmerksamkeit lenken.

Am heutigen Samstag beginnt in dem Örtchen Pödelwitz südlich der sächsischen Metropole das erste Klimacamp Leipziger Land. Bis zum 5. August erwarten die Veranstalter rund 1.000 Menschen.

Den Auftakt für den Anti-Kohle-Protest bildete heute eine Demonstration durch die Leipziger Innenstadt, zu der ein Bündnis von Klimaschützern und Bürgerinitiativen aufgerufen hat. Das Motto der Umweltaktivisten: "Klima schützen – Kohle stoppen!" Nach Medienberichten beteiligten sich über 150 Menschen an dem Protestzug.

Das Dorf Pödelwitz grenzt an den Mibrag-Tagebau Vereinigtes Schleenhain. Elf Millionen Tonnen Braunkohle werden in dem Tagebau pro Jahr gefördert. Ursprünglich sollte der Ort nur gestreift werden. Doch nun will die Mibrag auch Pödelwitz in den Betriebsplan des Tagebaus aufnehmen.

Das Dorf soll weichen, weil unter ihm 23 Millionen Tonnen Braunkohle liegen. Unter dem ebenfalls betroffenen benachbarten Obertitz sind es zwölf Millionen Tonnen. Die insgesamt 35 Millionen Tonnen will die Mibrag fördern und damit das Kraftwerk Lippendorf befeuern, das jährlich gut zehn Millionen Tonnen CO2 ausstößt und damit zu den schmutzigsten Kraftwerken Deutschlands zählt.

Die von der Mibrag geplante Tagebauerweiterung sei "vollkommen absurd", sagt Josephine Lauterbach, die das Klimacamp Leipziger Land mitorganisiert. Schließlich sei die Verbrennung von Braunkohle die klimaschädlichste Art, Strom zu erzeugen.

"Klar ist, dass wir die Klimaziele nur erreichen können, wenn Kohle, Öl und Gas im Boden bleiben", sagt Lauterbach. "Uns ist allen klar, dass wir nicht so weiterleben können wie bisher." Nötig seien deshalb Visionen und Ideen für einen gesellschaftlichen Wandel. Damit wolle man sich während des Klimacamps beschäftigen, etwa im Rahmen der wachstumskritischen "Degrowth-Sommerschule".

Am kommenden Wochenende will zudem die Aktionsgruppe "Kohle ersetzen" die Betriebsabläufe der Mibrag stören. Angekündigt sind "geeignete Maßnahmen", etwa Sitzblockaden.

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