Klima-Queen, Klima-King

Klima-Engagement und -Protest funktionieren auch von zu Hause, will eine Initiative von Wissenschaftlern und Promis zeigen. Per Mausklick kann man handverlesene Projekte in Nord und Süd unterstützen – Spaßfaktor und politischer Anspruch inklusive.


Junge Frau arbeitet in minimalistisch eingerichtetem Zimmer auf dem Boden am Laptop, neben ihr liegt ein Baby auf einer Matte.
Im Homeoffice per Online-Spende das Klima retten – und wer will, kann bei dem Projekt auch noch was über klimafreundliche Lebensstile erfahren. (Foto: Leonard Beck/​Unsplash)

Über 3.300 Leute machen schon mit. Aber das Ziel liegt viel höher. Nämlich bei einer Million. So viele Menschen will die "Klimawette" erreichen, eine Klimaschutzaktion, die im letzten Herbst gegründet wurde.

Sie will bis zur nächsten Weltklimakonferenz im November in Glasgow eine Million Menschen dazu bringen, zusammen Klimaprojekte finanziell zu unterstützen und damit eine Million Tonnen des Treibhausgases CO2 einzusparen.

Die Wette ist auch eine Reaktion auf Corona. Die Möglichkeiten, Druck auf die Politik zu machen, sind, mit Mundschutz und Abstandregeln, stark eingeschränkt. "Klimaschutz darf nicht verschoben werden", heißt es daher bei dem Verein "3 fürs Klima", der die Wette initiiert hat.

Als digitale Initiative zeige man, "dass Engagement und Protest für ein besseres Klima auch von zu Hause aus funktionieren", meint Vereinssprecher Michael Bilharz, der hauptberuflich den CO2-Rechner des Umweltbundesamtes (UBA) betreut. UBA-Chef Dirk Messner ist Schirmherr, Promis wie Eckart von Hirschhausen, Sarah Wiener und Claudia Kemfert unterstützen das Projekt.

Wer bei der Wette mitmachen will, ist ab 25 Euro dabei. Das reicht aus, um eine Tonne CO2 einzusparen. Zum Beispiel durch Finanzierung von Projekten in Entwicklungsländern, etwa Solarstrom in Kenia, Aufforstung in Uganda, Biogasanlagen in Nepal.

Oder durch Kauf von CO2-Zertifikaten aus dem EU-Emissionshandel, die dann stillgelegt werden und von Unternehmen nicht mehr zur Verschmutzung der Atmosphäre nutzbar sind. Letzteres ermöglicht es auch Leuten teilzunehmen, die die CO2-Kompensation – von manchen als "Ablasshandel" bezeichnet – kritisch sehen.

Kürzlich hat die Klimawette übrigens den "CO2-Battle" gestartet. Je mehr Verbündete und neue Spender jemand gewinnt, umso mehr Punkte werden ihr oder ihm gutgeschrieben. Man kann dann vom "Klimahelden" über den "Superhelden" bis zur "Klima-Queen" oder zum "Klima-King" aufsteigen.

Joachim Wille ist Chefredakteur des Online-Magazins Klimareporter°.

Klimaschutz mal nicht so bierernst. Das ist gut, zumal gleichzeitig politisch, denn die Wette ist mit einem Appell an den UN-Gipfel verbunden, die nationalen Klimaziele nachzuschärfen, um die Ziele des Paris-Abkommens einzuhalten.

Eine Million – ambitionierte Sache. Aber es sind ja immerhin noch 205 Tage bis Glasgow.

Redaktioneller Hinweis: Claudia Kemfert gehört dem Herausgeberrat von Klimareporter° an.

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