Klima-Allianz jetzt mit Parität

Krisenzeiten wie die Corona-Pandemie beschleunigen auch im Umweltbereich politische Prozesse: Gestern nahm die Klima-Allianz Deutschland sieben neue Mitgliedsorganisationen auf, darunter den Paritätischen Gesamtverband, einen Spitzenverband der freien Wohlfahrtspflege mit seinerseits mehr als 10.000 Mitgliedern.


Ein Plakat mit der Aufschrift
"Sagt die Wahrheit!" Die Forderung von Extinction Rebellion – hier bei der Protestwoche im Hebst 2019 in Berlin – meint auch die sozialen Folgen des Klimawandels. (Foto: Friederike Meier)

Einen seit Langem überfälligen Schritt vollzogen gestern die Klimaschutz- und die Sozialbewegung. Der Paritätische Gesamtverband, einer der sechs Spitzenverbände der freien Wohlfahrtspflege und Dachverband von über 10.000 Organisationen, Einrichtungen und Gruppierungen im Sozial- und Gesundheitsbereich, ist Mitglied in der Klima-Allianz Deutschland geworden.

Das Klima-Bündnis will damit, wie es heute mitteilte, "die gesellschaftlichen Wechselwirkungen und sozialen Chancen von Klimapolitik stärker in den Mittelpunkt rücken". Auch bei der Bewältigung der Coronakrise müsse die sozial-ökologische Gerechtigkeit eine Rolle spielen.

Die Mitgliedschaft des "Paritätischen" gilt nur für den Dachverband selbst, die einzelnen Mitgliedsorganisationen werden nicht automatisch Teil der Klima-Allianz, ergab eine Nachfrage.

Auch sechs weitere Mitglieder wurden am Mittwoch auf einem virtuellen Plenum in die Klima-Allianz aufgenommen: die Evangelisch-lutherische Landeskirche Hannovers, Together for Future – eine Unterstützungsorganisation für Fridays for Future –, das Netzwerk Klimaherbst, die Tierschutzorganisation Vier Pfoten, der Musikverein Trimum und die Gesellschaft für Systemische Therapie.

Aus dem Sozialbereich sind bislang unter den rund 130 Mitgliedern der Klima-Allianz nur der Mieterbund und die Verbraucher-Initiative zu finden, unter den Gewerkschaften sind es Verdi sowie die IG Bauen-Agrar-Umwelt.

Der Paritätische Gesamtverband hatte bereits am gestrigen Mittwoch über den Beitritt informiert, allerdings nur unter den Fachinformationen.

Ulrich Schneider, seit 1999 Geschäftsführer des Paritätischen, begründete den Schritt damit, dass die Ärmsten die Hauptlast des Klimawandels tragen. Die Klimapolitik der Bundesregierung reiche "bei Weitem nicht aus, um dieser existenziellen Bedrohung zu begegnen".

"Wir brauchen eine echte sozial-ökologische Wende, die nur gelingen kann, wenn wir sie umfassend sozial gestalten", sagte Schneider. Dafür wolle sich sein Verband nun in und mit der Klima-Allianz einsetzen.

"Klimaschutz geht nur sozial gerecht"

Für die Zeit nach der Hochphase der Pandemie gelte es, soziale und ökologische Belange bei der Bekämpfung der Klimakrise stärker in den Blick zu nehmen, erklärte Klima-Allianz-Geschäftsführerin Christiane Averbeck. "Wenn wir Gelder in die Hand nehmen, um unsere Wirtschaft wieder in Schwung zu bringen, müssen diese unsere Gesellschaft insgesamt und als Teil davon die Wirtschaft zukunftsfähig machen."

Die jetzige Mitgliedschaft des Paritätischen baut, wie Averbeck gegenüber Klimareporter° weiter erläuterte, auf einem längeren Austausch auf. Dieser habe 2013 mit einer Kooperation zur sozial-gerechten Ausgestaltung der Energiewende begonnen. Intensiviert habe sich die Zusammenarbeit 2019 mit der Mobilisierung durch Fridays for Future und andere.

Averbeck: "Ausschlaggebend für die engere Zusammenarbeit war der Klimastreik im Herbst letzten Jahres, der schwerpunktmäßig das Thema soziale Gerechtigkeit gesetzt hatte." Der Paritätische Gesamtverband wie auch die Arbeiterwohlfahrt hatten die bundesweiten Protestaktionen am 29. November erstmals offiziell unterstützt.

Soziale Leerstellen füllen

Die fehlende konzeptionelle und praktische Zusammenarbeit zwischen Klimaschutz- und Sozialbewegung in Deutschland ist in den letzten Monaten immer stärker kritisiert worden, so in dem vom Autor hier kürzlich veröffentlichten Beitrag "Die soziale Leerstelle beim Klimaschutz".

Die Klima-Allianz wolle künftig konstruktive Vorschläge zur sozial gerechten Ausgestaltung des Klimaschutzes machen, sagte Averbecks Stellvertreter Malte Hentschke. "Das zu erreichen ist zentral, um in der Bevölkerung die langfristige Akzeptanz der Klimaschutzmaßnahmen zu sichern."

Dazu sollen auch Projekte auf den Weg gebracht werden, die verschiedene Perspektiven und Facetten von Gerechtigkeit in den Blick nehmen, wie Klimagerechtigkeit, Geschlechtergerechtigkeit oder Generationengerechtigkeit.

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