Fridays for Future zurück auf der Straße

Es war die erste globale Aktion, die die Schulstreik-Bewegung seit Beginn der Corona-Pandemie auf der Straße organisiert hat. Online-Aktionen für diejenigen, denen das Demonstrieren trotz Hygienekonzept zu riskant ist, gab es aber auch.


Demo vor dem Brandenburger Tor, Menschen stehen vergleichsweise vereinzelt
Erster globaler Klimastreik seit Corona: In Berlin gingen trotz Regen und Pandemie Tausende auf die Straße. (Foto: Fridays for Future)

Das beste Wetter haben die Aktivist:innen von Fridays for Future zumindest in Deutschland nicht erwischt. Regen und grauer Himmel begleiten hierzulande die erste globale Demo, die die Schulstreikbewegung seit Corona organisiert hat. In Berlin waren nach Angaben von Fridays for Future 21.000 Menschen auf der Straße.

Der Berliner Polizei lag bis zum Abend auf Anfrage noch keine endgültige Zahl vor. Über den Tag hinweg lagen die Schätzungen aber wie üblich deutlich unter denen der Veranstalter:innen, nämlich zwischen 5.000 und 10.000.

Bundesweit gab es mehr als 400 Aktionen in verschiedenen Städten. Fridays for Future sprach von insgesamt 200.000 Teilnehmer:innen. Wie erwartet, sind das pandemiebedingt deutlich weniger als beim globalen Klimastreik im vergangenen September, als allein in Deutschland nach Angaben der von Fridays for Future 1,4 Millionen Menschen auf die Straße gingen.

Bei der Bewegung ist man trotzdem zufrieden. "Trotz der Steine, die uns in den Weg gelegt worden sind, haben wir es geschafft, bundesweit sichere Demos mit tausenden Teilnehmenden auf die Beine zu stellen", sagte Dalila Nouame von Fridays for Future Hamburg.

Die Hygienekonzepte fielen von Stadt zu Stadt etwas unterschiedlich aus, je nach baulicher Infrastruktur und der erwarteten Veranstaltungsgröße. Teilweise wurden statt einem großen mehrere kleinere Demozüge geplant, um einen Mindestabstand zu ermöglichen. Außerdem galt Maskenpflicht.

Greta Thunberg nahm an einer Protestaktion in Stockholm teil, wo sich aufgrund der Corona-Auflagen nur 50 Menschen versammeln durften. "Also passen wir uns an", twitterte die Klimaaktivistin, die Fridays for Future inspiriert hat, aus ihrer Heimatstadt.

Weltweit gab es an mehr als 3.000 Orten Demonstrationen. Zusätzlich haben die Klimaaktivist:innen Online-Protestmöglichkeiten organisiert, beispielsweise eine 24-stündige Zoom-Konferenz, die noch bis zum morgigen Samstag um 14 Uhr hiesiger Zeit laufen soll.

Weitere Proteste am Wochenende geplant

An diesem Wochenende sollen weitere Proteste stattfinden. Im Dannenröder Forst bei Marburg versammeln sich Aktivist:innen, um die Räumung zu verhindern. Einige von ihnen halten das Waldstück in Mittelhessen bereits seit Monaten besetzt, um seine Rodung für den Ausbau der Autobahn A 49 zu verhindern.

Außerdem hat das Aktionsbündnis Ende Gelände für das Wochenende Blockade-Aktionen im Rheinischen Braunkohlerevier angekündigt. Wegen Corona sollen sie diesmal dezentral in kleineren Gruppen stattfinden. Erstmals ist auch eine "Ausweitung auf Erdgas als Aktionsziel" angekündigt.

Das Interesse scheint groß zu sein: Am Mittwoch verkündete Ende Gelände zwischenzeitlich einen Anreisestopp – zu viele Menschen seien schon vor Ort. Der Stopp wurde mittlerweile wieder aufgehoben. Man habe kurzfristig noch mehr Platz organisieren können, hieß es.

Fridays-for-Future-Sprecher Quang Anh Paasch solidarisierte sich sowohl mit dem ungehorsamen Protest als auch mit den von der Gewerkschaft Verdi angekündigten Warnstreiks im öffentlichen Nahverkehr: "Am Wochenende werden unsere Freund:innen von Ende Gelände Kohleinfrastrukur blockieren und am Dienstag stehen wir mit den Beschäftigten des ÖPNV erneut auf der Straße für eine sozial gerechte Mobilitätswende."

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