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"Mehr Holz im Wald lassen"

Mit Biomasse sollten nur Gebäude beheizt werden, die nicht an Wärmenetze angeschlossen werden können oder die grundsätzlich nicht für elektrische Wärmepumpen geeignet sind, sagt der Energieexperte Martin Pehnt. Das seien weniger Gebäude, als viele denken.


Feuerholz
Holz sollte man nutzen, aber nicht energetisch, sagt Martin Pehnt. (Foto: Pixel Anarchy/Pixabay)

Klimareporter°: Herr Pehnt, ist es sinnvoll, Holz zum Heizen zu nutzen?

Martin Pehnt: Abgesehen von Biomasse-Mengen, die in Zukunft als Rest- oder Schadensholz, in Baumplantagen oder sogenannten Paludikulturen auf wiedervernässten Moorböden anfallen, sollte man mit der Entnahme von Holz aus dem Wald für die energetische Nutzung vorsichtig umgehen. Denn wenn man die Bäume länger wachsen lässt, später erntet und nicht verbrennt, sondern stofflich nutzt, zum Beispiel in Holzhäusern, schafft man einen höheren Kohlenstoffspeicher. 

Inzwischen geht ein wachsender Teil des Holzes in die energetische Nutzung. Falsche Strategie?

Biomasse sollte nur in den Gebäuden zum Heizen eingesetzt werden, in denen es keine Anschlussmöglichkeit an Wärmenetze gibt oder die grundsätzlich nicht für den Einsatz von elektrischen Wärmepumpen geeignet sind. Ich finde es daher auch richtig, dass die Förderquote für Biomasseheizungen im August stark abgesenkt wurde.

Pelletsheizungen sind unter Umständen vertretbar, wenn sichergestellt ist, dass die Pellets nur aus Reststoffen aus Sägewerken hergestellt werden, für die es keine andere Nutzung gibt.

Was sind die Vorteile der Wärmepumpe gegenüber Biomasseheizungen?

Wärmepumpen nutzen die Umgebungswärme aus Luft, Wasser oder Erdreich zur Wärmebereitstellung, die anders als Biomasse unbegrenzt zur Verfügung steht. Dazu brauchen sie Strom.

Da Wärmepumpen in den letzten zehn Jahren immer effizienter geworden sind und der Strom schon heute zu nahezu 50 Prozent aus erneuerbaren Energien stammt, ist die Klimabilanz der Wärmepumpe gut und wird Jahr für Jahr besser. Eine eigene Solaranlage auf dem Dach kann die Bilanz der Anlage weiter steigern.

Viele Gebäude im Bestand haben einen hohen Heizenergiebedarf. Hat eine Wärmepumpe da überhaupt Sinn?

Portraitfoto von Martin Pehnt
Foto: Ifeu

Martin Pehnt

ist wissen­schaft­licher Geschäfts­führer des Instituts für Energie- und Umwelt­forschung (Ifeu) in Heidel­berg. Daneben lehrt er an verschiedenen Hoch­schulen. Pehnt studierte Physik, Energie­technik und -management und forschte am Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt.

Ein Großteil der Gebäude ist für Wärmepumpen geeignet. Wichtig ist, dass man ältere Gebäude durch eine Absenkung der Vorlauftemperaturen der Heizungen ertüchtigt, damit die Wärmepumpen auch effizient laufen. Eine Vorlauftemperatur von rund 55 Grad an den kältesten Tagen des Jahres ist eine Orientierungsmarke.

Liegt sie darüber, kann man sein Haus durch Optimierungsmaßnahmen, etwa eine Dämmung von Wand, Dach oder Kellerdecke oder auch durch größere und bessere Heizkörper, fit für Wärmepumpen machen. Ein Energieberater oder eine Energieberaterin kann die besten Maßnahmen dafür herausarbeiten.

Noch mal zu den Pellets: Halten Sie die aktuellen Preissprünge für gerechtfertigt?

Dass die Preise für Pellets und Brennholz nach oben gehen, liegt vor allem an der stark gestiegenen Nachfrage, aber auch an höheren Produktions- und Transportkosten. Aber klar ist auch: die hohen fossilen Energiepreise laden zu Preiserhöhungen beim Holz ein. In einer Marktwirtschaft ist das ein normales Phänomen.

Das zeigt einmal mehr, wie wichtig Energieeffizienz ist, also beispielsweise ein gut gedämmtes Gebäude, eine effiziente Heizung und sparsame Hausgeräte, um sich vor solchen Energiepreis-Turbulenzen zu schützen.

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