Die Welt trifft sich zum Klimagipfel in Belém, der wichtigsten Stadt in der brasilianischen Amazonas-Region. Die 30. UN-Klimakonferenz (COP 30) soll nah an den "Lungen der Erde" stattfinden, so das Gastgeberland.

Doch der Preis dafür ist hoch. Drei Monate vor der Konferenz im November dominiert ein profanes Thema die Vorbereitung: Gibt es überhaupt genug Schlafplätze – und sind die auch bezahlbar?

 

Delegationen, Nichtregierungsorganisationen und Medien berichten übereinstimmend von Mondpreisen in Hotels und anderen Unterkünften, stornierten Reservierungen und undurchsichtigen Zimmerkontingenten. Der Gastgeber hat zwar inzwischen eine offizielle Buchungsplattform eingerichtet – aber die Entlastung ist bislang begrenzt.

Das Grundproblem: Belém verfügt nur über etwa 18.000 Hotelbetten, es wird aber mit bis zu 45.000 COP-Teilnehmer:innen gerechnet. Gastgeber Brasilien versucht, den Mangel mit kreativen Lösungen zu beheben – Kreuzfahrtschiffe, umgebaute Schulen, Militärunterkünfte, private Vermietungen, sogar Zelte.

Angeblich soll es inzwischen mehr als 26.000 verfügbare Unterkünfte geben, inklusive eines begrenzten Kontingents günstiger Zimmer für Teilnehmer:innen aus Entwicklungsländern, die 100 bis 220 US-Dollar pro Nacht kosten sollen. Trotzdem bleibt eine Unterversorgung – und die Frage, wer sich die hohen Preise leisten kann.

UN-Pauschale nicht halb so hoch wie Zimmerpreise 

Erst Anfang August schaltete Brasilien eine offizielle Buchungsplattform frei. Laut Gipfel-Präsidentschaft liefert sie rund 2.700 zusätzliche Zimmer, vielfach in kurzfristig umgewidmeten Privatwohnungen.

Beim Start fanden sich dort laut dem Informationsportal Climate Home Einstiegspreise um 300 Dollar und Mindestaufenthalte von 15 Nächten, daneben auch Ausreißer mit extremen Aufschlägen: Ein Zimmer in einem sonst stundenweise vermieteten "Love Motel" stand für 570 Dollar pro Nacht im System. 

Luftaufnahme des Platzes der Republik und der Stadt Belém im Norden Brasiliens.
1,4 Millionen Menschen leben in Belém im Norden Brasiliens. (Bild: Donatas Dabravolskas/​Shutterstock)

Trotz der zusätzlichen Angebote bleibt der Zimmermarkt in der Metropole im Nordosten Brasiliens völlig überhitzt. In Medienrecherchen werden Übernachtungskosten zwischen 360 und 4.400 Dollar genannt, teils erhöhten Anbieter die Preise für bereits bestätigte Reservierungen nachträglich um ein Vielfaches.

Das bringt nicht nur NGOs, sondern auch Delegationen aus ärmeren Staaten in Bedrängnis. Sie haben Anspruch auf eine von den Vereinten Nationen festgesetzte Tagespauschale von 149 Dollar pro Nacht, doch selbst die von Brasilien zugesagten gedeckelten Angebote von bis zu 220 Dollar liegen darüber.

Entsprechend wuchs der Druck. Ende Juli befasste sich das COP-Büro des UN-Klimasekretariats in einer Sondersitzung mit der Frage, ob die Kosten Delegationen ausschließen.

Brasilien sagte unlängst erneut Abhilfe zu, lehnt es aber ab, den Gipfel in eine andere Stadt mit mehr Hotelkapazitäten zu verlegen. Das Land verweist darauf, die UN-Anforderung von 20.000 Zimmern erreicht zu haben und ärmere Länder und Inselstaaten mit günstigeren Kontingenten von100 bis 220 Dollar pro Nacht zu versorgen.

Für NGOs ist die Lage besonders schwierig

"Die COP wird in Belém stattfinden", versicherte Gipfel-Präsident André Corrêa do Lago gegenüber Reportern. Es gebe "keinen Plan B". Er kritisierte dabei allerdings auch die lokalen Zimmeranbieter. Hotels verlangten "mehr als das Zehnfache" üblicher Preise, das sei "völlig überzogen".

Noch gibt es Hoffnung auf eine Lösung. "Uns wurde zugesichert, dass die Frage erneut aufgerufen wird, um sicherzustellen, dass die Unterbringung für alle Delegierten ausreicht", sagte Richard Muyungi, Vorsitzender der afrikanischen Verhandlungsgruppe, nach dem UN-Krisentreffen. Die Ländergruppe wolle ihre Teilnahme möglichst nicht zusammenstreichen.

In eigener Sache

Über Klimakonferenzen vor Ort zu berichten, ist einer der Schwerpunkte von klimareporter°. Das wollen wir auch bei der COP 30 in Belém tun. Doch die hohen Übernachtungskosten sind auch für uns ein Problem. Spenden sind deshalb hochwillkommen, um unsere Berichterstattung über den Klimagipfel in Brasilien im November sicherzustellen. 

Doch selbst in den Industrieländern macht man sich Sorgen. Die Niederlande erwägen, ihre Präsenz zu halbieren. Und Polens Vize-Klimaminister Krzysztof Bolesta sagte: "Wir haben keine Unterkünfte. Wir werden die Delegation wohl auf ein Minimum kürzen müssen."

Für NGOs ist die Lage besonders heikel. "Die extrem hohen Preise drohen die Teilnahme großer Teile der Zivilgesellschaft – aus ärmeren Ländern, aber sogar aus Deutschland – zu torpedieren", kritisiert der Politik-Vorstand der Umwelt- und Entwicklungsorganisation Germanwatch, Christoph Bals, gegenüber Klimareporter°.

Dabei waren die Hoffnungen diesmal groß gewesen. Nach drei COPs in autoritär regierten Staaten mit massiven Beschränkungen für die Zivilgesellschaft – Ägypten, Vereinigte Arabische Emirate, Aserbaidschan – habe Brasiliens Regierung eine breite Beteiligung der Zivilgesellschaft und indigener Gruppen angekündigt, sagte Bals. Um das einzulösen, müsse sie in der Zimmerkrise "nun dringend Abhilfe schaffen".

Eine planvolle Verkleinerung wäre sinnvoll

Auch internationale NGOs machen Druck. "Die hohen Preise in Belém gefährden erneut die Einbeziehung der am stärksten von der Klimakrise Betroffenen", sagte Alia Kajee von der Klimaschutzorganisation 350.org. Die Budgets der Gruppen gäben das nicht her.

Selbst Unternehmen, die die Klimagipfel sonst als Plattform nutzen, treten kürzer und schicken weniger Leute. Manche weichen auch auf Parallelveranstaltungen in São Paulo oder Rio de Janeiro aus.

Inhaltlich soll die COP 30 die Nachschärfung der nationalen Klimapläne liefern – mit Blick auf das Ziel, das derzeit akut gefährdete 1,5-Grad-Limit der Erderwärmung doch noch einzuhalten. Eine Konferenz, die aus Kostengründen die Teilnahme von ärmeren Staaten, NGOs und auch Medien beschneidet, wäre hier das falsche Signal.

Wenn betroffene Länder Delegationen verkleinern und NGOs fernbleiben, leidet die Legitimität des Gipfels – und damit die Chance für Kompromisse bei den CO2-Ausstiegspfaden, der Klimafinanzierung oder Themen wie dem Schutz des Amazonas.

 

Auf der anderen Seite steht, dass generell eine Verkleinerung der Klimagipfel angezeigt erscheint, die mit Teilnahmezahlen wie den auch jetzt wieder erwarteten 45.000 schon seit Jahren das vernünftige Maß sprengen.

Die erste dieser Konferenzen, die 1995 in Berlin stattfand, hatte "nur" rund 7.000 Teilnehmer:innen. Seither sind die Zahlen stetig gewachsen, und nicht wenige halten ein kleineres Format für angemessener, zumal dann auch ärmere Länder eher in der Lage wären, solche Gipfel auszurichten.

Das UN-Klimasekretariat in Bonn müsste dann allerdings vorab eine Verständigung unter allen Ländern dazu herbeiführen. Eine Verkleinerung über Zimmerknappheit und Mondpreise zu erreichen, wäre der falsche Weg.