Symbolträchtig gewählt ist der Austragungsort der 30. Vertragsstaatenkonferenz der UN-Klimarahmenkonvention (COP 30). Belém, die Hafenstadt im Nordosten Brasiliens, ist das Eingangstor zum größten zusammenhängenden Tropenwald der Erde, dem Amazonasbecken.

Diese "grüne Lunge" unseres Planeten beherbergt noch immer sechs Millionen Quadratkilometer dichten Regenwald – eine Fläche mehr als halb so groß wie Europa.

 

Die Amazonaswälder – ein einzigartiger Hort biologischer Vielfalt – sind akut von Abholzung bedroht. Früher wirkte der Regenwald als Gegenspieler zu den weltweit immerzu steigenden CO2-Emissionen.

Heute kann das Amazonasbecken nur noch rund 13,9 Milliarden Tonnen CO2 jährlich aufnehmen, gibt aber 16,6 Milliarden Tonnen CO2 in die Umwelt ab. Von einer Senke wurden die Gebiete zu einer Quelle von CO2. Manche Klimaforscher sehen die Amazonaswälder bereits an einem Kipppunkt.

Dass das Thema Tropenwald weit oben auf der Tagesordnung eines Weltklimagipfels steht, darf daher nicht überraschen. Nachdem die letzten drei Klimatreffen in den Ölstaaten Ägypten, Aserbaidschan und Vereinigte Arabische Emirate stattfanden, erwarten nun viele einen Perspektivwechsel – weg vom Thema Öl, hin zum Thema Natur.

Neue Impulse für die grünen Themen sind auf dem Gipfel durch den 2023 wiedergewählten brasilianischen Präsidenten Lula da Silva und die wieder eingesetzte Umwelt- und Klimaministerin Marina Silva zu erwarten. Immerhin gilt Silva als Brasiliens "Stimme für das Klima".

Doch es gilt die Regel: Nur, was in den Vorverhandlungen gut vorbereitet wurde, kann auf dem Klimagipfel zu einem Erfolg werden. Der politische Anlauf zur COP 30 ist aber überschattet durch geopolitische Zerwürfnisse, Kriege und das Ausscheiden der USA – wie auch Argentiniens – aus der Gemeinschaft der Vertragsstaaten.

Deshalb konzentriert sich die COP-Präsidentschaft offenbar auf zwei Themen, bei denen politische Erfolge noch möglich scheinen – auf die Finanzierung von Klimaanpassung sowie von Tropenwaldschutz.

Schwierige Finanzierung von Klimaanpassung 

Schon lange ist die strukturelle Unterfinanzierung der Klimaanpassung in den Entwicklungsländern ein Thema auf den Gipfeltreffen. Bis heute wird das "Global Goal on Adaptation" aus der Pariser Klimaabkommen klar verletzt.

Das dort verankerte globale Anpassungsziel sieht wörtlich vor, die weltweite "Anpassungskapazität zu verbessern, die Resilienz zu stärken und die Verwundbarkeit gegenüber dem Klimawandel zu verringern".

Ursprünglich von der afrikanischen Verhandlungsgruppe eingebracht, dient das globale Anpassungsziel dazu, politische Maßnahmen und die Finanzierung für Klimaanpassung weltweit im selben Umfang voranzutreiben wie die Emissionsminderung selbst. Dies verlangt konkrete, messbare Ziele und Handlungsleitlinien für globale Anpassungsmaßnahmen sowie eine Anpassungsfinanzierung für die Entwicklungsländer durch die Industrieländer. 

Bild: UFZ

Reimund Schwarze

ist Klima­ökonom am Helm­holtz-Zentrum für Umwelt­forschung (UFZ) in Leipzig und Professor an der Frank­furter Viadrina. Seit 20 Jahren unter­sucht er inter­nationale Klima­verhandlungen und entwickelt Modelle für bessere globale Klima­politik.

Das bestehende Handlungsdefizit bei der Anpassungsfinanzierung ist gravierend. Der neue "Adaptation Gap Report" der UN beziffert die jährlichen Kosten der Anpassungsfinanzierung, die für die Entwicklungsländer benötigt werden, auf 310 bis 365 Milliarden US-Dollar im Jahr 2035.

Zugleich belief sich die internationale öffentliche Anpassungsfinanzierung für die Entwicklungsländer 2023 auf nur 26 Milliarden Dollar – und die Tendenz ist seitdem abnehmend.

Der Bedarf nach Anpassungsfinanzierung in Entwicklungsländern ist damit zwölf- bis 14-mal so hoch ist wie der aktuelle Geldfluss. Damit nicht genug: Bereits 2021 hatte der Glasgower Klimagipfel beschlossen, den Mittelfluss bis 2025 auf 40 Milliarden Dollar zu verdoppeln. Das Glasgower "Feuerwerk" von Finanzversprechen über 356 Millionen verkam in den Folgejahren aber zu einem Strohfeuer.

Geltende Grundlage für die Verhandlungen zum globalen Anpassungsziel ist die sogenannte Baku Adaptation Roadmap. Sie fordert Fortschritte vor allem bei der Messung der Wirksamkeit von Anpassungsmaßnahmen in den Entwicklungsländern.

Das ist vergleichsweise schwierig, da es sich nicht wie bei der Emissionsminderung um ein "großes" Nullemissionsziel handelt. Vielmehr wird Anpassung anhand von mehr als 100 Unterzielen der Krisen- und Katastrophenabwehr sowie ‑bekämpfung mit zugleich starken lokalen Bezügen "gemessen".

An der Aufgabe, diese Unterziele zu bereinigen und messbar zu machen, ist man schon bei den Vorbereitungen des Klimagipfels in Ägypten 2023 sowie jetzt erneut im Vorfeld des Belém-Gipfels gescheitert. Die Hoffnung auf schnelle Erfolge bei der COP 30 ist daher unbegründet. Es ist damit zu rechnen, dass sich die Staaten bei der Anpassungsfinanzierung darauf einigen, die Roadmap von Baku weiter zu konkretisieren und politisch handhabbarer zu machen.

Greifbare Ergebnisse wird es voraussichtlich erst bei der zweiten globalen Bestandsaufnahme geben. Die ist für die COP 33 im Jahr 2028 geplant, die voraussichtlich in Indien stattfinden wird. Eine Neuauflage des "Feuerwerks" von Glasgow für die Anpassungsfinanzierung erwarte ich auf der COP 30 nicht.

Neues Modell zum Schutz der Tropenwälder

Mit den absehbaren Problemen bei der Klimaanpassung rückt nunmehr der Tropenwaldschutz auf Platz ein der Verhandlungsthemen von Belém – und gerade auch seine Finanzierung.

Auch hier lautet der Befund, dass die Umsetzung der wiederholten Gipfel-Bekenntnisse zum Waldschutz bislang an unzureichenden Geldmitteln scheiterte. Solange Abholzung lukrativer ist als der Erhalt von Biodiversität und die Honorierung der Klimaleistungen der Tropenwälder, laufen auch wohlgemeinte Programme ins Leere.

Die COP 30 findet im "Hangar Convention and Fair Centre of the Amazon" in Belém statt. Ein paar Kilometer weiter beginnt der Regenwald. (Bild: Fernando da Rosa/​Wikimedia Commons)

Zur Honorierung des Klimabeitrags ihres Waldes haben die Brasilianer ein neuartiges Finanzinstrument entwickelt – die "Tropical Forest Forever Facility" (TFFF).

Frühere Schutzprogramme bezogen sich auf die Gefährdung von Regenwaldflächen. Die ist naturgemäß hypothetisch und schwer messbar.

Die TFFF geht anders heran. Sie knüpft an die erwünschten Ergebnisse des Tropenwaldschutzes wie die Wirksamkeit als CO2-Senke und den Erhalt der Biodiversität an und verbindet diese mit finanzieller Honorierung.

Zugleich wird mit der TFFF ein Modell der Finanzierung vorgeschlagen, das sicherstellen soll, dass keine isolierten Waldschutzprojekte umgesetzt werden, sondern überall in der Welt, wo Tropenwälder vorhanden sind, Zahlungen für die Ökosystemleistungen von bis zu vier US-Dollar je Hektar zusammenkommen.

In der TFFF sollen dabei private und öffentliche Geldgeber aus Industrie- und Entwicklungsländern auf einer Plattform zusammenkommen. Das Versprechen lautet: Wenn die OECD-Länder 25 Milliarden US-Dollar in die Fazilität einzahlen, können mit Hilfe privater Finanzakteure wie Banken Mittel von insgesamt 125 Milliarden Dollar "gehebelt" werden.

Dieses Geld soll dann, vereinfacht gesagt, in großem Umfang in Anleihen aus Schwellenländern investiert werden und dort Gewinne erwirtschaften. Das wird dadurch erleichtert, dass der TFFF auf staatlichen Geldern aus den OECD-Ländern basiert, was geringere Risiko-Aufschläge mit sich bringt.

Je mehr Regenwald ein Land schützen kann, desto mehr Geld soll es erhalten. Wird die Abholzung aber fortgesetzt, sollen Strafen fällig werden.

 

Kritiker der TFFF sehen das Modell vor allem als Finanzmarkt-Spekulation. Wäre es so einfach, aus unterschiedlichen Risiko-Ratings Gewinne zu generieren, hätten andere Investoren dieses Renditepotenzial bereits ausgeschöpft, heißt es.

Klimapolitisch ist die TFFF-Initiative grundsätzlich positiv zu bewerten, da die Empfängerländer einen stärkeren Anreiz für eigene effektive Maßnahmen zur Erhaltung und nachhaltigen Nutzung der Tropenwälder bekommen. Die Zersplitterung der bisherigen Einzelprojekte zum Waldschutz würde durch ein Modell der Zahlungen für Ökosystemdienstleistungen überwunden.

Neben den Debatten um Klimaanpassung und Tropenwaldschutz wird es in Belém – wie zuletzt auf jedem Klimagipfel – hitzige Debatten um fossile Brennstoffe geben. Sie gehören einfach dazu, auch bei einer "Natur-COP".