Im Vorfeld der 30. UN-Klimakonferenz (COP 30) nächste Woche im brasilianischen Belém findet dort am Mittwoch und Donnerstag ein Treffen von Staats- und Regierungschefs statt. Dabei soll ein neuer Finanzmechanismus zum Schutz der Regenwälder aus der Taufe gehoben werden, die "Tropical Forest Forever Facility" (TFFF).
Wie der Name andeutet, soll dieser Mechanismus dafür sorgen, dass die Tropenwälder der Erde "für immer" erhalten bleiben. Dazu sollen die 74 Länder mit solchen Wäldern jährlich eine Prämie von vier US-Dollar pro Hektar Regenwald erhalten.
Sollte die Satellitenüberwachung der Wälder aber zeigen, dass die Waldfläche geschrumpft ist, werden den Ländern pro Hektar verlorenem Wald 400 bis 800 Dollar abgezogen. So bekommen bestehende Wälder einen finanziellen Wert, was bislang noch fehlt.
Aktuell gibt es rund eine Milliarde Hektar tropischen Regenwalds auf der Welt, eine Fläche so groß wie Kanada. Bei einer Prämie von vier Dollar pro Hektar schüttet die TFFF folglich bis zu vier Milliarden Dollar im Jahr aus.
Um das zu finanzieren, soll ein 125-Milliarden-Dollar-Fonds aufgelegt werden, der das Kapital in Staatsanleihen investiert und so eine Rendite erwirtschaftet. Der Grundstock dieses Fonds sind 25 Milliarden Dollar an Staatsgeld. Brasilien hat bereits eine Milliarde zugesagt.
Weitere Zusagen werden von klassischen Geberländern wie Deutschland, Frankreich, Großbritannien oder Norwegen, aber auch von "Entwicklungsländern" wie Indonesien, den Vereinigten Arabischen Emiraten, Singapur und vielleicht sogar Saudi-Arabien erwartet. Erste Gespräche wurden auch mit Australien, China, Japan und Kanada geführt, wie das brasilianische Finanzministerium mitteilte.
Klimaökonom warnt vor Ausfallrisiko
Basierend auf diesem Grundstock an staatlichen Geldern sollen dann weitere 100 Milliarden Dollar am Kapitalmarkt beschafft werden. Damit das zu günstigen Zinsen möglich ist, akzeptieren die Geberländer, dass ihr Beitrag nachrangig ist.
Das bedeutet: Wie bei allen Investitionen an Finanzmärkten "besteht ein gewisses Risiko", wie João Paulo de Resende vom brasilianischen Finanzministerium sagt. "In ganz außergewöhnlichen Jahren wie der Coronapandemie oder der Finanzkrise von 2008 kann es erforderlich sein, Zahlungen auszusetzen."
Doch das werde "viel seltener vorkommen" als bei herkömmlicher Entwicklungshilfe, die von einem Tag auf den anderen wegfallen könne, so de Resende. So erhielten die Länder mit Tropenwäldern eine relativ verlässliche Einnahmequelle.
Der Fonds hat aber auch seine Kritiker. So bezweifelt der Klimaökonom Max Matthey von der Universität Witten/Herdecke, dass das Finanzierungsmodell hält, was es verspricht: Der Fonds plant, sich Geld zu einem niedrigen Zinssatz zu leihen und dann in höher verzinsliche Anlagen zu investieren, um eine Rendite zu erzielen.
Das könne nicht dauerhaft funktionieren, so Matthey, da höhere Zinsen ein höheres Risiko widerspiegeln. Folglich seien die Zahlungen des Fonds eben nicht verlässlich.
Matthey fragt daher: "Warum sollten wir die jährlichen Regenwaldprämien von der Volatilität der Anleihen aus Schwellenländern abhängig machen?" Er fordert eine klassische Finanzierung aus Entwicklungshilfegeldern.
Die Grundidee des TFFF unterstützt allerdings auch Matthey: einen finanziellen Anreiz für Länder mit Regenwäldern zu schaffen, diese zu schützen.
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