Die US-Regierung hat keinen einzigen Vertreter nach Brasilien zur 30. UN-Klimakonferenz (COP 30) in Belém geschickt. Das ist folgerichtig, weil die USA Anfang nächsten Jahres zum zweiten Mal aus dem Paris-Abkommen aussteigen.
Die beiden Male sind allerdings grundverschieden.
In der ersten Amtszeit von US-Präsident Donald Trump sind die anderen Länder davon ausgegangen, dass dessen Wahl eine Art Unfall war und die USA dem Paris-Vertrag wieder beitreten werden. Daher wurde die US-Position in den Verhandlungen weiter mitgedacht.
Doch diesmal sind die USA gefühlt für immer weg. Niemand erwartet ihren baldigen Wiedereintritt.
Dadurch hat sich das Gefüge der Länder fundamental verändert.
Zuvor führten die USA den Block der Industriestaaten an und China den Block der Entwicklungsländer. Jeder Einigung bei einer Klimakonferenz ging daher eine US-China-Übereinkunft im Vorfeld voraus, und die anderen Länder ergänzten dann bei der Konferenz noch die Details. So kam etwa das Paris-Abkommen zustande.
Im Umkehrschluss heißt das: China verdankte seine herausgehobene Stellung der Teilnahme der USA. Ohne diesen Gegenpart ist China nur noch ein Land unter anderen, wenn auch ein sehr großes.
Die Frage "Wer füllt die von den USA hinterlassene Lücke?" führt daher in die Irre. Niemand füllt diese Lücke, sondern das ganze Gefüge kalibriert sich neu.
COP 30 in Belém
Bei der 30. UN-Klimakonferenz in Brasilien geht es um die Finanzierung von Klimaanpassung und Waldschutz. Klimareporter° ist mit einem Redakteur vor Ort und berichtet täglich.Ohne die USA fällt noch ein weiterer Faktor weg: Antiamerikanismus. Ein Gutteil des Gegensatzes zwischen Industrie- und Entwicklungsländern beruhte auf dem Reflex in vielen ärmeren Ländern und bei vielen zivilgesellschaftlichen Organisationen, grundsätzlich gegen die USA zu sein.
Die rituelle Forderung nach mehr Klimageld von den Industriestaaten, ja nach Reparationszahlungen für Klimaschäden, läuft etwa im Fall der EU weitgehend ins Leere. Diese hat inzwischen geringere Pro-Kopf-Emissionen als China und ist außerdem der größte Geber von Entwicklungs- und Klimahilfen.
Zudem dürfte niemandem entgangen sein, dass manche "Entwicklungsländer" heute reicher sind als das EU-Land Portugal und viele EU-Länder wie etwa Frankreich in finanziellen Schwierigkeiten stecken.
Durch den Wegfall der USA sind alle verbliebenen Länder also gleicher und die Verhandlungen demokratischer. Das wiederum ist die Grundlage für ein stärkeres Zusammengehörigkeitsgefühl nach dem Motto "Wir sitzen alle im gleichen Boot".
Gestärkt wird dieses noch durch einen gewissen Trotz. Der deutsche Umweltstaatssekretär Jochen Flasbarth sagte in einem Interview mit der Wochenzeitung Taz zu Beginn der Konferenz: "Der Wille, zu zeigen, 'wir können es auch ohne die Amerikaner', der ist riesengroß."
Und so stehen die Chancen gut, dass die brasilianische COP‑30-Präsidentschaft ihr Ziel erreicht: alle Länder davon zu überzeugen, dass es eine kollektive Anstrengung braucht, eine Mutirão. Und dann hat vielleicht auch das Klima noch eine Chance.

Ja, wenn man geschichtsblind ist. Andernfalls stehen nach wie vor die europäischen Nationen, sozusagen die Erfinder der Industrialisierung und damit auch die historisch primären Klimasünder, mit den grössten ökologischen Schulden da.