Neuer Methan-Appell an fossile Industrie

Auf dem Klimagipfel in Glasgow wurde vor einem Jahr der "Global Methane Pledge" ins Leben gerufen. Beim Gipfel in Sharm el-Sheikh gab es dazu jetzt eine neue Initiative der USA und der EU. Diese erschöpfe sich weitestgehend in Appellen, kritisieren Umweltorganisationen.


Große Bohrstelle im ländlichen Pennsylvania, wo mit der Fracking-Methode Erdgas gefördert wird.
Fracking-Bohrung in Pennsylvania: Die USA rufen andere Staaten zur Methan-Minderung auf, während sie selbst hohe Emissionen verantworten. (Foto: George Sheldon/​Shutterstock)

In den Schlagzeilen war Methan zuletzt wegen der Lecks in den Gaspipelines Nord Stream 1 und 2. Zum Glück bewahrheiteten sich anfängliche Prognosen nicht, dass die unter Wasser freigesetzte Methan-Menge in den nächsten 20 Jahren eine Klimawirkung von rund 28 Millionen Tonnen CO2 haben könnte. Das wären mehrere Prozent der deutschen Jahresemissionen gewesen.

Kurzfristig wird die Klimawirkung von Methan auf das 80-Fache derjenigen von CO2 veranschlagt, längerfristig liegt der Effekt etwa beim 20-Fachen von CO2.

Für die Lecks in den Nord-Stream-Pipelines errechneten Forscher der Chinesischen Akademie der Wissenschaften jetzt eine Austrittsmenge von rund 220.000 Tonnen Methan. Auch wenn dies das zweitgrößte Methanunglück nach dem Nordsee-Blowout von 1990 gewesen ist, ergibt sich daraus ein vernachlässigbarer Anstieg der globalen Oberflächentemperatur in den nächsten 20 Jahren, so die Wissenschaftler im Fachmagazin Advances in Atmospheric Sciences.

Zugleich warnen die Forscher: Will die Menschheit die Pariser Klimaziele erreichen, sollten Schäden an der Infrastruktur wie dieser vermieden werden.

Die wichtigste Initiative, um dem starken Klimagas Methan beizukommen, ist der letztes Jahr von den USA und der EU gestartete "Global Methane Pledge". Das Methan-Versprechen wurde im November 2021 auf dem Klimagipfel in Glasgow abgegeben. Seitdem haben sich der Verpflichtung rund 120 Länder angeschlossen, die etwa die Hälfte der weltweiten Methanemissionen und fast drei Viertel der Weltwirtschaft repräsentieren.

Ziel ist es, die globalen Methanemissionen bis 2030 um 30 Prozent zu reduzieren. Das würde die Erderwärmung bis 2050 um 0,2 Grad vermindern. Unter Klimaforschern gilt der Wert als plausibel, wenn auch optimistisch.

"Freiwillige Selbstverpflichtungen reichen nicht"

Auf der laufenden Klimakonferenz im ägyptischen Sharm el-Sheikh starteten die USA und die EU am Freitag im Rahmen des Methane Pledge eine neue Initiative, um die Methanemissionen zu senken. Im Fokus steht dabei vor allem der weltweite Handel mit fossilen Ressourcen.

Es geht darum, große Unternehmen dazu zu bringen, entlang ihrer gesamten Wertschöpfungskette die Methanemissionen zu verringern, das Ablassen und Abfackeln besonders von Gas zu unterlassen und methanhaltige Grubengase aufzufangen. Des Weiteren sollen die Firmen ihre Methanemissionen solide messen und darüber transparent berichten.

Aus Sicht der Deutschen Umwelthilfe (DUH) gehen die Vorschläge in der Substanz nicht über das hinaus, was in der EU und den USA ohnehin geplant ist. Ein Jahr nach dem Global Methane Pledge hätten die Regierungen immer noch keine ausreichenden Maßnahmen gegen die wachsenden Methanemissionen des Energiesektors ergriffen, kritisiert die Umweltorganisation.

"Unverbindliche Erklärungen in der Staatengemeinschaft und freiwillige Selbstverpflichtungen der Industrie reichen nicht, um die Methanemissionen in der Vorkette unserer Öl- und Gasimporte zu reduzieren", sagte DUH-Geschäftsführer Sascha Müller-Kraenner. Die EU müsse ihren Einfluss als großer fossiler Importeur nutzen, um Änderungen in den Lieferländern anzustoßen, die ihren Methanausstoß bislang noch nicht regulieren. Dafür brauche es eine EU-Methanverordnung mit klaren Vorgaben.

COP 27 in Sharm el-Sheikh

Bei der 27. UN-Klimakonferenz in Sharm el-Sheikh geht es um die Zukunft des globalen Klimaschutzes. Ein Team von Klimareporter° ist vor Ort in Ägypten und berichtet mehrmals täglich.

Dieses Ausspielen der Marktmacht hat die EU zwar erwogen, wie Dokumente zeigen, hält ein solches Vorgehen aber wegen fehlender Kooperationsbereitschaft der Lieferländer für nicht durchsetzbar.

Umweltverbände weisen außerdem darauf hin, dass mehr als 40 Prozent der weltweiten Kapazitäten, die derzeit für Flüssigerdgas (LNG) im Bau oder in Planung sind, auf die USA entfallen sollen. Für das Jahrzehnt bis 2030 werde ein Anstieg der US-Gasproduktion um neun Prozent vorausgesagt.

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