Viele indigene Gruppen waren auf dem "Klimagipfel im Regenwald" präsent. Sie spüren zuerst, was "Ökozid" bedeutet. (Bild: Christian Mihatsch)

Die Klimakonferenz COP 30 in Brasilien ist vorbei. Schon seit mehr als einer Woche. Da ergibt es Sinn, mit Abstand nochmal zu fragen: War der Gipfel in Belém wirklich so ein Misserfolg?

UN-Klimachef Simon Stiell jedenfalls, das ist sein Job, macht gute Miene zum bösen Spiel. Der Gipfel habe ein klares Signal gegeben, "dass wir in die Ära der Umsetzung eingetreten sind", sagte er mit Blick auf den Fahrplan für einen Ausstieg aus Kohle, Öl und Gas, der es nun gerade nicht in die Abschlusserklärung geschafft hat.

Saudi-Arabien und andere Staaten mit starken fossilen Industrien verhinderten das. Die Erklärung von Belém fordert die Länder nur auf, ihre Klimaschutzmaßnahmen freiwillig "zu beschleunigen".

Kein Wunder, andere Beobachter werten das Ergebnis des dreißigsten Versuchs, auf einem Weltgipfel die drohende globale Katastrophe noch abzuwenden, weit kritischer. Und zwar nicht nur die notorisch unzufriedenen Klima-NGOs, sondern auch andere aus dem UN-System.

UN-Menschenrechtschef Volker Türk beklagte die "mageren Ergebnisse" von Belém, und er zog dann richtig vom Leder. Türk warnte, das "tödliche Nichtstun" der Führungskräfte in Politik und Unternehmen könne eines Tages "als Ökozid oder sogar als Verbrechen gegen die Menschlichkeit" angesehen werden.

Avancen aus China

Wahre Worte, die noch einmal klarmachen: Erfolgreicher Klimaschutz ist nicht nice to have, sondern die Basis für das Fortbestehen unserer Zivilisation. Die COPs schönzureden, hilft da nichts.

Sie ganz abzuschreiben, aber auch nicht. Insofern ist es gut, dass der Co-Präsident des nächsten UN-Klimagipfels in einem Jahr, Australiens Klimaminister Chris Bowen, angekündigt hat, den Fossil-Ausstieg auf der Agenda zu halten.

Bleibt zu hoffen, dass die mehr als 80 Länder, die sich in Belém für einen Ausstiegs-Fahrplan starkmachten, das Thema mit der von Brasiliens Präsidentschaft eingerichteten Plattform TAFF (Transitioning Away from Fossil Fuels) voranbringen.

Joachim Wille ist Co-Chefredakteur des Online-Magazins Klimareporter°.

Hier bietet sich übrigens gerade Deutschland eine enorme Chance. Am Tag nach dem Belém-Abschluss machte China – Klima-Obereinheizer, aber auch Technologieführer bei Solar, Wind, Stromspeichern und E‑Autos – der Bundesregierung unerwartete Avancen. 

Chinas Premier Li Qiang bot Kanzler Friedrich Merz an, unter anderem in diesen Sektoren mit Deutschland zusammenzuarbeiten, "um zukünftige Entwicklungschancen zu nutzen".

Wenn Peking und Berlin mit ihren Volkswirtschaften Nummer zwei und drei dies intelligent umsetzen, wäre das der Gamechanger. Auch für die COPs.