Klimaschützer zeitweise von Klimagipfel ausgeschlossen

Zwischenfall in Madrid: Aktivisten wollten unangemeldet protestieren – und wurden von UN-Polizei und Sicherheitskräften vom Konferenzgelände gedrängt.


Indigene Klimaaktivisten mit emporgestreckten Fäusten
Sie wollten vor einem Plenarsaal auf dem Weltklimagipfel protestieren – da die Aktion nicht angemeldet war, warf die UN-Polizei etwa 300 Klimaaktivisten aus dem Konferenzzentrum. (Foto: Kathrin Henneberger)

Wegen einer unangemeldeten Protestaktion haben UN-Polizei und weitere Sicherheitsleute am gestrigen Mittwochnachmittag mehr als 200 Klimaaktivisten von der Weltklimakonferenz COP 25 in Madrid vorübergehend ausgeschlossen.

Die Klimaschützer hatten sich vor einem großen Plenarsaal versammelt, sangen und skandierten Slogans. Angeführt wurde der Protest von Menschen aus Bevölkerungsgruppen, die durch Marginalisierung besonders von der Klimakrise betroffen sind, darunter Indigene, Frauen, Jugendliche.

Zur Unterstützung waren aber auch Vertreter klassischer Umweltorganisationen vor Ort.

Videos zeigen, wie UN-Polizisten sich unterhaken und die Protestler als Kette durch ein Tor nach draußen schieben. Das Klimanetzwerk 350.org kritisierte den ruppigen Umgang der UN-Polizisten mit den Aktivisten. "Wir wurden geschubst, beschimpft und ohne unsere Einwilligung angefasst", berichteten die Umweltschützer.

Zahlreiche Beteiligte mussten ihre Konferenzpässe abgeben, wie mehrere Umweltorganisationen bestätigten. Außerdem durfte für den Rest des Tages niemand mit einem gelben Konferenzpass, wie ihn Verhandlungsbeobachter aus der Zivilgesellschaft bekommen, das Gelände neu betreten.

Zum Protest aufgerufen hatte auch der deutsche Umweltverband BUND. "Dem Protest wurde mit unverhältnismäßiger Aggressivität vonseiten der Sicherheitskräfte begegnet", kritisierte Verbandschef Olaf Bandt. "Menschen wurden daran gehindert, sich frei zu bewegen, und wir haben beobachtet, wie friedliche Aktivistinnen und Aktivisten von Sicherheitskräften angegangen wurden." Friedlicher Protest sei kriminalisiert worden.

"Bedauerlicher Sicherheitsvorfall"

Das UN-Klimasekretariat äußerte sich am heutigen Donnerstag und sprach von einem "bedauerlichen Sicherheitsvorfall". Die UN-Stelle verwies auf die Verhaltensrichtlinien, denen alle Teilnehmer bei der Anmeldung zur Konferenz zustimmen. Darin heißt es ausdrücklich, dass nicht angemeldete Demonstrationen ausgeschlossen sind.

Große Buchstaben, grün angestrahlt:
Foto: Susanne Schwarz

Live von der COP 25

Die 25. UN-Klimakonferenz findet vom 2. bis zum 13. Dezember in Madrid statt. Klimareporter° ist vor Ort und berichtet direkt vom Konferenzparkett.

Wer zu einer unangemeldeten Aktion aufruft, weiß also zumindest, dass er mit Gegenwind rechnen kann. Wie aus mehreren Umweltverbänden zu hören war, geschah das auch bewusst, weil die Aktivisten davon ausgingen, dass ein Protest vor dem zentralen und gut besuchten Plenarsaal ohnehin nicht genehmigt worden wäre.

Mittlerweile dürfen die Aktivisten wieder auf das Gelände.

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