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Klimakonferenz beginnt nahezu reibungslos

Samstagnacht wurde in Sharm el-Sheikh lange verhandelt, um einen Eklat bei der Eröffnung der diesjährigen UN-Klimakonferenz zu verhindern. Die Industriestaaten wehrten sich dagegen, über Geld für Verluste und Schäden durch den Klimawandel formell zu verhandeln. Doch nun steht das Thema auf der Agenda.


Frau kocht auf der Straße
Wer soll für die Klimaschäden zahlen? Bei der Flutkatastrophe im Sommer in Pakistan haben viele Menschen ihr ganzes Hab und Gut verloren. (Foto: Abdul Majeed/​EU/​Flickr)

Am heutigen Sonntag hat im ägyptischen Badeort Sharm el-Sheikh die 27. UN-Klimakonferenz (COP 27) begonnen. Der Konferenzpräsident und ägyptische Außenminister Samih Schukri betonte, wie schwierig das Umfeld für die diesjährige COP ist: "Der Multilateralismus wird durch die Geopolitik, die Preisspirale und die zunehmenden Finanzkrisen infrage gestellt, während sich mehrere von der Pandemie betroffene Länder kaum erholt haben und sich schwere, durch den Klimawandel verursachte Katastrophen häufen."

Zudem träten die Verhandlungen nun in eine "neue Ära" ein, sagte der neue Chef des UN-Klimasekretariats Simon Stiell: "Da das Paris-Regelwerk dank der COP 26 in Glasgow im vergangenen Jahr im Wesentlichen abgeschlossen ist, wird der Lackmustest für diese und jede künftige COP sein, inwieweit die Beratungen von Taten begleitet werden.“

Die COP 27 in Sharm el-Sheikh wird daher auch als "Umsetzungs-COP" bezeichnet. Am ersten Tag der Konferenz konnte bereits eine der am umstrittensten Fragen geklärt werden: Der Punkt war, ob "Verluste und Schäden" durch den Klimawandel auf die Agenda der Verhandlungen kommen.

Jetzt lautet Tagesordnungspunkt 8f: "Angelegenheiten im Zusammenhang mit der Finanzierung zur Regelung von Verlusten und Schäden".

In einer "mündlichen Note" zu diesem Agendapunkt wird allerdings festgehalten, "dass dieser Prozess zwei Jahre dauern wird und keinen Schadenersatz oder Kompensationen beinhaltet". Damit wurde nach mehr als 30 Jahren ein wichtiger Zwischenschritt bei diesem Thema erzielt.

Ausgleich für Klimaschäden schon 1991 gefordert

Bereits im Jahr 1991 hatten die kleinen Inselstaaten darauf hingewiesen, dass ein Fonds für klimabedingte Verluste und Schäden erforderlich ist. Ani Dasgupta, Chef der US-Umweltorganisation World Resources Institute, sagte daher: "Natürlich ist die Aufnahme von Geld für Verluste und Schäden in die Agenda nur der erste Schritt. Wir haben noch einen Marathon vor uns, bevor die Staaten einen formellen Beschluss zu diesem zentralen Thema fassen."

Das zweite wichtige Thema dieser Konferenz wird die Ausarbeitung eines Arbeitsprogramms zur weiteren Reduktion der Treibhausgasemissionen sein. Denn das ist bitter nötig, wie die Zahlen des Climate Action Tracker zeigen: Mit den bestehenden Klimaschutzmaßnahmen wird sich die Atmosphäre bis zum Ende des Jahrhunderts um 2,7 Grad erwärmen.

Und selbst wenn die Länder alle ihre Zusagen einhalten, wird das Klima um 2,1 Grad wärmer. Dabei drohen schon bei einer Erwärmung um 1,5 Grad Kipppunkte im Klimasystem erreicht zu werden, deren Überschreitung zu irreparablen Schäden wie dem Abschmelzen des Grönlandeises führt.

COP 27 in Sharm el-Sheikh

Bei der 27. UN-Klimakonferenz in Sharm el-Sheikh geht es um die Zukunft des globalen Klimaschutzes. Ein Team von Klimareporter° ist vor Ort in Ägypten und berichtet mehrmals täglich.

Aufgrund der Dynamik der Verhandlungen ist damit zu rechnen, dass die beiden Themen – Emissionsreduktion und "Verluste und Schäden" – in Sharm el-Sheikh miteinander verknüpft werden. Das bedeutet, dass nennenswerte Fortschritte bei den Verlusten und Schäden nur möglich sind, wenn auch das Arbeitsprogramm zur weiteren Emissionsreduktion ambitioniert ausfällt.

Der Rahmen für die diesjährigen Verhandlungen ist damit gesetzt. Am Montag kann die eigentliche Arbeit beginnen.

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