So viele indigene Delegierte wie noch nie waren in Belém vertreten. Sie müssen nun hoffen, dass der öffentlich-private Waldschutzfonds funktioniert. (Bild: Ricardo Stuckert/​Lula Oficial/​Wikimedia Commons)

Die Ergebnisse der 30. UN-Klimakonferenz (COP 30) im brasilianischen Belém fallen gemischt aus. So bleibt die Abschlusserklärung hinter den Erwartungen zurück: Ein verbindlicher Fahrplan für den Ausstieg aus Kohle, Öl und Gas fehlt, was viele als verpasste Chance werten. 

Gleichzeitig gibt es Lichtblicke: Die Finanzmittel für Anpassungsmaßnahmen sollen bis 2035 verdreifacht werden – ein besonders wichtiger Schritt für die ärmsten Entwicklungsländer dieser Welt wie den Sudan. 

Das Gastgeberland Brasilien setzte mit dem Gipfel im Amazonasgebiet ein starkes symbolisches Signal. Präsident Lula da Silva profilierte sich als Fürsprecher der südlichen Länder und brachte Initiativen wie die Tropical Forest Forever Facility (TFFF) ein.

Bei der aus Klimasicht entscheidenden Treibhausgasreduktion bleiben die neuen nationalen Klimapläne, die NDCs, deutlich zurück hinter den wissenschaftlich notwendigen Zielen. Der Gipfel versuchte, diese Ambitionslücke zu überbrücken: durch freiwillige Roadmaps und den sogenannten "Mutirão"-Pakt – mutirão bedeutet so viel wie "In der Not zusammenstehen". Doch verbindliche Verpflichtungen blieben aus.

Beim globalen Anpassungsziel, dem "Global Goal on Adaptation", wurden erstmals Indikatoren zur Messung von Anpassungsfortschritten verabschiedet. Das ist ein methodischer Fortschritt.

Allerdings wurde die Anzahl von ursprünglich gut 100 Indikatoren auf 59 reduziert. Das wurde insbesondere mit Ländern des globalen Südens wie Bolivien sowie der Afrikanischen Gruppe nicht abgestimmt. Auch fehlen neue Finanzierungszusagen, sodass die Umsetzung der Anpassungsmaßnahmen fraglich bleibt.

Fonds kann mehr Anreize zum Walderhalt schaffen

Der Tropenwaldfonds TFFF wurde offiziell gestartet und zunächst mit 6,6 Milliarden US-Dollar ausgestattet. Der Fonds verfolgt ein innovatives Finanzmodell: Erträge aus Finanzanlagen sollen für den Waldschutz genutzt werden.

Empfängerländer bekommen auf nationaler Ebene einen stärkeren Anreiz, Maßnahmen zum Erhalt oder zur nachhaltigen Nutzung tropischer Wälder im Rahmen einer verbesserten Forstpolitik umzusetzen. Mehr zum TFFF erläutert mein UFZ-Kollege Friedrich Bohn im Podcast.

Bild: UFZ

Reimund Schwarze

ist Klima­ökonom am Helm­holtz-Zentrum für Umwelt­forschung (UFZ) in Leipzig und Professor an der Frank­furter Viadrina. Seit 20 Jahren unter­sucht er inter­nationale Klima­verhandlungen und entwickelt Modelle für bessere globale Klima­politik.

Die auf einen globalen Fossil-Ausstieg zielende Initiative "Transition Away from Fossil Fuels" (TAFF) konnte keinen verbindlichen Fahrplan durchsetzen, um den Verbrauch von Kohle, Gas und Öl zielgerichtet zu senken. Die geplante Roadmap zur Umsetzung der Ausstiegsinitiative wurde aus dem endgültigen Beschlusstext gestrichen.

Dennoch nahm die Unterstützung für die Initiative zu: Mehr als 80 Staaten bekannten sich zum Fossilausstieg, und Brasilien versuchte mit der "Belém Declaration", zumindest eine freiwillige Orientierung zu geben.

Die Regierungen Kolumbiens und der Niederlande kündigten an, gemeinsam die erste internationale Konferenz zum gerechten Übergang weg von fossilen Brennstoffen auszurichten. Die Konferenz findet am 28. und 29. April 2026 in Santa Marta in Kolumbien statt. Deutschland wird teilnehmen.

Stärkere Beachtung indigener Rechte

Weitere wichtige Punkte auf der COP 30 waren die stärkere Beachtung indigener Rechte und die bisher zahlenmäßig stärkste Teilnahme indigener Delegierter bei Klimakonferenzen überhaupt. Auch die Schaffung eines internationalen Moorschutz- und Wiedervernässungsprogramms unter Führung von Deutschland gehört dazu.

Trotz des fehlenden Durchbruchs wurden wichtige institutionelle Grundlagen für die weiteren Klimaverhandlungen gelegt. So schafft die Einigung auf Indikatoren für das Anpassungsziel erstmals eine globale Messbasis für Klimaanpassung – ein technischer, aber auch ökonomisch entscheidender Schritt.

Der Tropenwaldfonds TFFF könnte langfristig neue Finanzströme für den Waldschutz und die nachhaltige Waldnutzung sichern, auch wenn die Kritik an dem angestrebten risikoreichen Investmentfonds-Modell der Weltbank bestehen bleibt.

Die breite Unterstützung für den Ausstieg aus Kohle, Öl und Gas deutet auf die Entstehung einer neuen Allianz hin, auch wenn diese noch nicht verbindlich ist.

 

Die COP 30 markiert keinen großen Durchbruch, legt jedoch strategische Grundlagen – insbesondere bei Anpassung, Naturschutz und der Mobilisierung neuer Allianzen gegen fossile Energien.

Die eigentliche Bewährungsprobe wird darin bestehen, ob diese Ansätze in den nächsten Jahren in eine verbindliche Politik und eine ausreichende Finanzierung überführt werden können.