Die Bremser und die Treiber

Obwohl Donald Trump den Austritt aus dem Paris-Vertrag erklärt hat, verhält sich die US-Delegation auf dem Klimagipfel in Madrid nicht, als würde sie alles bald nichts mehr angehen – sie blockiert an wichtigen Stellen. Das will eine Koalition von US-Städten, Unis, Bundesstaaten und Unternehmen ausgleichen. Eine Studie hat ihr Potenzial ermittelt.


Hier ist der New Yorker Milliardär und Philantroph Michael Bloomberg zu sehen
Der New Yorker Medienunternehmer Michael Bloomberg will Donald Trump ablösen, gerade in der Klimapolitik. (Foto: Boss Tweed/​Flickr)

Der Wahlkampf um die US-Präsidentschaft ist auf der laufenden Weltklimakonferenz angekommen: Der frühere New Yorker Bürgermeister Michael Bloomberg, der seine Kandidatur für die Demokraten vor einigen Wochen angekündigt hatte, ist vor Ort in Madrid und hat seine erste Amtshandlung angekündigt, sollte er gewinnen: Wieder rein ins Paris-Abkommen.

Der jetzige US-Präsident Donald Trump hatte schon im Wahlkampf angekündigt, dass die USA sich unter ihm als Präsident aus dem Klimavertrag verabschieden würden – die offiziellen Dokumente dazu hat er im November eingereicht.

Trotzdem verhalten sich seine Verhandler auf dem Klimagipfel nicht gerade wie demnächst Unbeteiligte. In einer der zwei großen Streitfragen in den Verhandlungen treten sie sogar massiv auf die Bremse: Die US-Verhandler wollen unbedingt einen Fonds blockieren, in dem die reichen den ärmsten Staaten Geld zukommen lassen, um mit klimabedingten Schäden und Verlusten umzugehen.

Dafür haben die Vereinigten Staaten in den bisher anderthalb Wochen in Madrid schon mehrfach den Schmähpreis "Fossil of the Day" erhalten, den der Umwelt-Dachverband Climate Action Network auf den Klimakonferenzen täglich verleiht.

Bloomberg betont nun tapfer, dass es das unter ihm nicht geben würde. Seine Botschaft: Trotz Blockadehaltung der US-Regierung, die sogar den menschengemachten Klimawandel abstreitet, geht es weiter mit dem Klimaschutz in seinem Land, weil viele in den USA es so wollen – und einfach machen. "Ich bin aus einem ganz einfachen Grund hier: weil aus dem Weißen Haus niemand hier ist", sagte er am Nachmittag.

Das Bündnis der "Dabeigebliebenen"

Schon auf der Weltklimakonferenz in Marrakesch vor drei Jahren, in deren erste Woche Trumps Wahl zum Präsidenten fiel, gründeten etliche Bundesstaaten, Städte, Universitäten und Unternehmen ein Bündnis mit dem Namen "We Are Still In", also "Wir sind noch dabei". Seither fahren sie unter diesem Motto auf die Weltklimakonferenzen, sprechen vor der Presse, laden zu Veranstaltungen ein, vernetzen sich. Als offizielle Delegation zählen sich nicht. Die schickt immer noch die Regierung.

Große Buchstaben, grün angestrahlt:
Foto: Susanne Schwarz

Live von der COP 25

Die 25. UN-Klimakonferenz findet vom 2. bis zum 13. Dezember in Madrid statt. Klimareporter° ist vor Ort und berichtet direkt vom Konferenzparkett.

In den USA hat Bloomberg gemeinsam mit dem kalifornischen Gouverneur Jerry Brown das Bündnis "America's Pledge" gegründet, das alle einzelnen Initiativen sammelt. Sie haben mehrere US-Thinktanks mit einer Studie beauftragt, darunter das World Resources Institute. Die haben die konkreten Klima-Pläne der "Dabeigebliebenen" nun ausgewertet.

Das Ergebnis: Nach bisheriger Planung reicht "America's Pledge" noch nicht aus, um das ursprüngliche Klimaziel der USA einzuhalten, das Barack Obama als Trumps Vorgänger international versprochen hatte. Dafür müssten die US-Emissionen im Jahr 2025 um 26 bis 28 Prozent unter denen von 2005 liegen. Was bisher auf dem Tisch liegt, reicht nur für 19 Prozent.

Selbst wenn das US-Klimaziel erreicht würde: Es wäre nicht genug. Die Initiative Climate Action Tracker, in der mehrere Forschungsinstitute und Thinktanks die Klimaziele aller Staaten untersuchen, bewertet das US-Klimaziel als "ernstlich unzureichend". Das begründet die Initiative zwar vor allem mit dem Rückzug aus dem Paris-Abkommen, aber auch davon abgesehen halten die Wissenschaftler es für zu schwach.

Auch das US-Ziel bricht das 1,5-Grad-Limit

Das Ziel entspreche nicht dem "fairen Anteil" der USA, wenn die Welt es dem Paris-Abkommen entsprechend schaffen will, die Erderwärmung bei "deutlich unter zwei Grad" gegenüber vorindustriellen Zeiten zu begrenzen. Für das – wie man nach neueren Erkenntnissen der Klimawissenschaft weiß – eigentlich nötige 1,5-Grad-Ziel, das in Paris nur als Nebenziel festgeschrieben wurde, reicht es erst recht nicht.

Gewicht haben die "Dabeigebliebenen" durchaus. Sie vertreten der neuen Studie nach 68 Prozent des Bruttoinlandsprodukts der USA. Bis 2030 würden sie die Treibhausgas-Emissionen der gesamten USA um 37 Prozent gegenüber 2005 reduzieren, wenn die aktuellen Projekte nach 2025 weitergeführt werden.

Würde man die Vereinigten Staaten als Ganzes auf das Klimaschutz-Level der "Still In"-Mitglieder heben, sähe es natürlich besser aus. Dann könnten die USA am Ende des kommenden Jahrzehnts der neuen Studie nach 49 Prozent weniger Treibhausgase ausstoßen als 2005.

Neben Bloomberg trat noch weitere Prominenz aus den USA in Madrid auf. Der ehemalige Vizepräsident Al Gore hielt am Dienstag einen Vortrag. Die Klimakrise sei "emotional schwer zu verkraften", sagte der langjährige Umweltschützer. "Wir lassen die Jugend, die sich für Klimaschutz engagiert, in die Falle laufen – nicht nur Greta natürlich, aber Gott segne sie dafür, dass sie das Scheinwerferlicht auf die jungen Menschen zieht."

Alle Beiträge zur Klimakonferenz in Madrid finden Sie in unserem COP-25-Dossier.

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