Bei einer kleinen internationalen NGO-Protestaktion werden zwei handgemalte Schilder hochgehalten, darauf steht auf Englisch: Fossil-Ausstieg jetzt! Und: Wälder stehen lassen!
Bei den beiden wichtigsten Themen hat der Klimagipfel in Brasilien nur Absichtserklärungen geliefert. (Bild: Mike Muzurakis/​IISD/​ENB)

Brasiliens Präsident Lula da Silva hatte Großes angekündigt. Ein "Gipfel der Wahrheit" sollte die UN-Klimakonferenz in Belém werden – zehn Jahre nach dem Paris-Abkommen, das einst Hoffnung gab, die Weltgemeinschaft wolle die ganz große Klimakrise vermeiden.

Was man in Belém erleben musste, war tatsächlich eine Wahrheit – aber eine bittere: Zehn Jahre nach Paris fehlt weiterhin der politische Wille, den Ausstieg aus Kohle, Öl und Gas verbindlich zu organisieren. Die globale Klimapolitik steckt fest zwischen wissenschaftlicher Dringlichkeit und geopolitischer Wirklichkeit. 

Dabei schien zwischendurch mehr möglich. Unter dem Druck von Protesten und einer breiten Allianz von über 80 Staaten entstand in Belém zeitweise eine Dynamik, die einen Ausstiegsplan greifbar zu machen schien. Doch am Ende setzten sich jene durch, die seit Jahren auf Zeit spielen.

Fossile Player wie Saudi-Arabien und Russland blockierten offen. Die USA glänzten mit Abwesenheit – und mit Fernwirkung: Hinter den Kulissen übten sie Druck auf kleinere Staaten aus, ihre Positionen abzuschwächen. 

So blieb nur ein Minimalkompromiss: eine freiwillige Initiative zur Beschleunigung des Klimaschutzes. Nicht bindend, nicht überprüfbar, nicht ausreichend. Selbst der Plan für einen Auftrag zur Erarbeitung eines konkreten Ausstiegsplans scheiterte. Für eine Konferenz im Paris-Jubiläumsjahr ist das mehr als enttäuschend – es ist fahrlässig. 

Große Worte, zu kleine Zahlen

Auch beim Waldschutz, einem Schlüsselthema, das in Belém am Amazonas-Regenwald aufgerufen wurde, gab es kaum Fortschritte. Zwar wurde ein neuer Fonds zum Schutz des Regenwaldes gestartet, und Länder wie Deutschland sagten Beiträge zu.

Doch ein konkreter internationaler Waldaktionsplan fehlt. Statt neuer Verpflichtungen gibt es nur Erinnerungen an alte, bislang unrealistische Versprechen, die Zerstörung der Wälder bis 2030 zu stoppen. 

Bei der Klimafinanzierung zeigt sich dasselbe Muster: große Worte, zu kleine Zahlen. Die Ankündigung, die Mittel für Anpassung bis 2035 zu verdreifachen, bleibt eine Formel ohne konkrete Festlegung – kein Basisjahr, kein klarer Betrag.

Für viele Länder des globalen Südens, die schon heute unter Dürren, Stürmen und Überschwemmungen leiden, ist das ein fatales Signal. Echtes Vertrauen entsteht so nicht. 

Die Gründe für das schwache Ergebnis sind vielfältig – und doch offensichtlich. Das Konsensprinzip der Klimakonferenzen macht ambitionierte Beschlüsse anfällig für Erpressung durch die Bremser.

Zugleich lähmt die angespannte weltpolitische Lage das multilaterale Handeln. Besonders schwer wiegt das klimapolitische Rollback, der von den USA ausgeht und inzwischen auch Europa erreicht hat: Selbst der einst ambitionierte "Green Deal" der EU verliert an Klarheit und Tempo. 

 

Da sich Resignation bei dem Weltthema Klimaschutz verbietet, bleibt nur, sich auf die positiven Signale zu konzentrieren, die es trotz aller Ernüchterung über die schwache Belém-Erklärung auch gibt.

Die brasilianische Konferenzpräsidentschaft will Fahrpläne für den Ausstieg aus den fossilen Energien und für besseren Waldschutz als Vorreiterinitiativen weiterverfolgen. Hier können sich "Koalitionen der Willigen" bilden mit dem Ziel, eine kritische Masse zu erzeugen. Immerhin hat sich der parallel tagende G20‑Gipfel mit den großen CO2-Einheizern von China und EU über Japan bis Indien (außer Russland und USA) zu einer Fortsetzung der Energiewende bekannt.

Und da die erneuerbaren Energien dank ihrer enormen Verbilligung zunehmend zum Selbstläufer werden, könnte auch das die Wende noch bringen. Wenn auch mit Verspätung gegenüber den Pariser Ambitionen, was spätere Klimareparaturen durch CO2-Entnahme aus der Atmosphäre nötig macht.