Besonders vom Klimawandel betroffene Länder wollen Schiffsemissionen bepreisen

Noch immer können Seeschiffe massenhaft Emissionen ausstoßen und niemand zahlt für die Verschmutzung der Atmosphäre. Besonders vom Klimawandel bedrohte Länder wollen das ändern – wie auch manche Reeder. Doch eine Abgabe auf CO2 wird nicht reichen, damit die Schifffahrt klimaneutral wird.


Ein voll beladenes Containerschiff liegt in nächtlicher Beleuchtung am Kai.
Containerschiff im Hamburger Hafen: In der Seeschifffahrt hat der Klimaschutz noch gar nicht angefangen. (Foto: Julius Silver/​Pixabay)

Wofür Teile der Schifffahrtsindustrie schon länger werben, das fordert jetzt auch das Climate Vulnerable Forum (CFV) der besonders verwundbaren Staaten.

Auf der Klimakonferenz im schottischen Glasgow sprach sich das Forum, in dem rund 50 besonders vom Klimawandel betroffene Staaten aus Afrika, Asien, der Karibik, Lateinamerika und dem Pazifik versammelt sind, für einen CO2-Preis in der Schifffahrt aus. Die Forderung ist Teil der "Dhaka-Glasgow-Erklärung" des Forums, die auf der Konferenz vorgestellt wurde.

Auch kleine Inselstaaten, die besonders vom Anstieg des Meeresspiegels bedroht sind, fordern eine CO2-Bepreisung von Schiffskraftstoffen. Das soll dazu beitragen, dass das 1,5-Grad-Limit bei der Erderwärmung nicht überschritten wird.

Die Inselstaaten hatten schon auf dem Pariser Klimagipfel mit weiteren besonders vom Klimawandel betroffenen Ländern durchgesetzt, dass das 1,5-Grad-Ziel in das Abkommen aufgenommen wird. Sie fürchteten um Untergang ihrer Staatsgebiete bei einer Erwärmung von zwei Grad.

"Die vom Klimawandel betroffenen Länder haben gezeigt, wie ehrgeizig die Welt sein muss, um die Erwärmung bei 1,5 Grad zu stoppen, und diese Erwartungen machen nicht an den Küsten halt", sagte Daniel Hubbell von der US-Meeresschutzorganisation Ocean Conservancy.

Mit der Forderung nach einer starken Treibhausgasabgabe für die Schifffahrt hat das Climate Vulnerable Forum die Mitgliedsstaaten der Internationalen Seeschifffahrts-Organisation IMO auf den Plan gerufen.

Etwa drei bis vier Prozent der weltweiten Treibhausgasemissionen gehen derzeit auf das Konto der internationalen Schifffahrt, die steuerfrei extrem schmutziges Schweröl verbrennt und deren CO2-Emissionen keinem Land zugeordnet werden – damit fallen die Emissionen bislang unter den Tisch.

Beim nächsten Treffen der IMO noch in diesem Monat soll ein Antrag der Marshallinseln und der Salomonen diskutiert werden. Die beiden Inselstaaten schlagen einen CO2-Preis von 100 US-Dollar je Tonne vor.

Der Vorschlag wird auch von Teilen der Branche selbst befürwortet. Die weltgrößte Containerschiff-Reederei Maersk hat eine CO2-Steuer von 150 US-Dollar ins Spiel gebracht. Allerdings nicht ganz uneigennützig: Während für viele Reedereien ein solcher Preis eine Herausforderung darstellen würde, könnte Maersk ihn aufgrund seiner Größe leicht verkraften.

"Neuer Kraftstoff-Standard ist besser als CO2-Preis"

Um die Schifffahrtsindustrie auf einen grünen Pfad zu bringen, bräuchte es allerdings einen deutlich höheren CO2-Preis, sagen Fachleute. "Um die Schifffahrt durch eine Bepreisung von CO2 zu dekarbonisieren, muss die Höhe der Abgabe über 400 Euro je Tonne liegen", sagt Faïg Abbasov von der europäischen Dachorganisation Transport & Environment. Bisher habe niemand, auch nicht die Länder des CVF, eine derart hohe Abgabe vorgeschlagen.

Der Einführung eines CO2-Preises stehen noch weitere Streitpunkte im Weg. Zwischen Entwicklungs- und Industrieländern herrscht schon lange Uneinigkeit darüber, was mit den Einnahmen geschehen soll. "Die Industrieländer sind immer noch nicht auf die Forderung eingegangen, dass die Einnahmen für die Klimaanpassung in den Entwicklungsländern, einschließlich der CVF-Länder, verwendet werden sollen", sagt Abbasov gegenüber Klimareporter°.

COP 26 in Glasgow

Nach 25 UN-Konferenzen gibt es noch immer keine Lösung für die Klimakrise, aber wenigstens das Pariser Klimaabkommen. Wie gut es funktioniert, wird sich beim 26. Gipfel in Glasgow zeigen. Ein Team von Klimareporter° ist vor Ort in Schottland und berichtet mehrmals täglich.

Der Reederei-Dachverband International Chamber of Shipping (ICS) hat indes andere Vorstellungen, wohin das Geld aus der CO2-Bepreisung fließen soll. Die Einnahmen sollen in einen "IMO-Klimafonds" gehen, mit dem die Bunkerinfrastrukturen in den Häfen auf emissionsarme Kraftstoffe wie Wasserstoff und Ammoniak umgestellt werden sollen.

Auch Schifffahrtsexperte Abbasov argumentiert ähnlich: "Die 30-jährige Erfahrung aus anderen Sektoren zeigt, dass die CO2-Bepreisung nicht die beste Methode ist, um emissionsfreie technische Lösungen zu erreichen", meint Abbasov. Das Geld sollte für die Einführung emissionsfreier Kraftstoffe und Infrastrukturen ausgegeben werden, aber auch den gefährdeten Ländern bei der Bewältigung der Klimafolgen helfen, fordert Abbasov.

Um die Emissionen der Schifffahrt zu senken, reiche ein CO2-Preis allein nicht aus. "Die Hauptantriebskraft für die Einführung nachhaltiger Kraftstoffe ist wahrscheinlich ein Standard für treibhausgasarme Kraftstoffe, wie er von der EU, den USA und Norwegen befürwortet wird", sagt Abbasov. Eine solche Kraftstoffnorm sollte eine Auslaufklausel für fossile Brennstoffe und einen schrittweisen Umstieg auf alternative Kraftstoffe beinhalten. 

Unterstützen Sie unabhängigen Journalismus!

klimareporter° wird herausgegeben vom gemeinnützigen Klimawissen e.V. – Ihre Spende macht unabhängigen Journalismus zu Energiewende und Klimawandel möglich.

Spenden Sie hier