Weltweite Energiewende wartet auf Verstärker

Erneuerbare Energien müssen 2030 dreimal mehr Strom liefern als heute. Die Staaten sind aber bei der Energiewende noch viel zu langsam. Die Erneuerbaren-Agentur Irena fordert, das Tempo zu erhöhen.


Monteure tragen an einem sonnigen Tag Solarpaneele auf das Dach eines größeren Gebäudes in Palästina.
Solarstrom-Ausbau in Hebron: Weltweit müssen viel mehr Ökoenergie-Anlangen gebaut werden, wenn die Klimaziele eingehalten werden sollen. (Foto: Yousef Alsharif/​Shutterstock)

Die Staaten sind bei der Energiewende noch immer nicht auf Kurs: Erst 14 Prozent der weltweiten Energieerzeugung entfallen auf erneuerbare Energien.

Bis 2030 muss der Erneuerbaren-Anteil auf 40 Prozent steigen. Das geht aus einer Analyse der Internationalen Organisation für erneuerbare Energien (Irena) hervor, die jetzt beim Berlin Energy Transition Dialogue vorgestellt wurde.

Die Länder müssten sich ehrgeizigere Ziele setzen und wirksame Maßnahmen zur Steigerung der Energieeffizienz und zum Einsatz erneuerbarer Energien ergreifen, so die Irena. Um den Empfehlungen des Weltklimarats IPCC zu entsprechen, müsse der jährliche Erneuerbaren-Ausbau verdreifacht werden.

Es gebe einen radikalen Handlungsbedarf: "Damit das 1,5-Grad-Ziel noch erreicht werden kann, brauchen wir die Elektrifizierung mit Erneuerbaren Energien und Energieeffizienz – unterstützt durch grünen Wasserstoff und nachhaltige Biomasse", sagte Roland Rösch von der Irena.

Vor allem die G7- und G20-Staaten als größte Energieverbraucher und Verursacher von CO2-Emissionen müssen laut Analyse bei der Energiewende vorangehen. Sie müssen den Anteil der Erneuerbaren bis 2030 auf mindestens 65 Prozent hochschrauben.

Dazu bedarf es höherer Investitionen als bislang: Bis 2030 müssen jährlich 5,7 Billionen US-Dollar in die Energiewende investiert werden. Auch 700 Milliarden US-Dollar, die jährlich in fossile Brennstoffe investiert werden, müssen für Ökoenergien ausgegeben werden.

Erneuerbare sind meist die günstigste Strom-Option

Die weniger wohlhabenden Länder müssten Mittel und Wissen zur Verfügung gestellt bekommen, damit auch sie an der Energiewende teilhaben können. Noch immer haben 758 Millionen Menschen auf der Welt keinen Zugang zu Strom.

 

In den Ländern, die neue Kapazitäten im Stromsektor aufbauen, sind erneuerbare Energien laut Irena schon überwiegend Standard. Das liegt auch an den stark gefallenen Preisen. In den meisten Weltregionen ist Strom aus erneuerbaren Quellen heute die billigste Stromoption.

Zwischen 2010 und 2020 sind die durchschnittlichen Kosten für neu in Betrieb genommene Photovoltaik-Projekte um 85 Prozent gefallen. "Im gleichen Zeitraum sanken die Kosten für Windkraft an Land um 56 Prozent und für Offshore-Windanlagen um 48 Prozent", sagte Rösch. Zudem seien mit diesen Technologien weitere Kostensenkungen möglich.

Werde die Energiewende konsequent auf das 1,5-Grad-Ziel ausgerichtet, könnte das bis 2030 fast 85 Millionen zusätzliche Arbeitsplätze schaffen und das globale Bruttoinlandsprodukt (BIP) steigern.

Bei den Ökoenergien würden etwa 26,5 Millionen Arbeitsplätze entstehen, weitere 58 Millionen in den Bereichen Energieeffizienz, Stromnetze und Flexibilität sowie Wasserstoff. Das könne den Verlust von zwölf Millionen Arbeitsplätzen in der Industrie für fossile Brennstoffe und Atomenergie mehr als ausgleichen.

147 Millionen Elektroautos im Jahr 2050

Sorgenkind und Lichtblick zugleich ist der Verkehrssektor. Noch immer treibt vor allem Erdöl die Fahrzeuge an. Um den Verkehr auf Klimakurs zu bringen, brauche es mehr erneuerbare Energien, weitere Elektrifizierung und mehr Effizienz.

Laut Irena fahren derzeit sieben Millionen Elektrofahrzeuge weltweit auf den Straßen, darunter sind allerdings auch Fahrzeuge mit Hybridantrieb. Bis Mitte des Jahrhunderts müssten es 147 Millionen elektrisch angetriebene Fahrzeuge werden.

Im vergangenen Jahr entfielen erst 8,3 Prozent der weltweiten Autoverkäufe auf E-Autos. Deren Anteil werde aber in den kommenden Jahren rapide zunehmen, so die Irena. Die Produktionskapazität für Batterien werde sich bis 2025 vervierfachen. Vor allem der Ausbau der Ladeinfrastruktur sowie steuerliche Anreize zum E-Auto-Kauf würden den Verkauf von Elektrofahrzeugen ankurbeln.

Gleichzeitig, so die Irena, müsse aber auch mehr getan werden, um die Nachfrage nach Verkehr zu reduzieren und den Umstieg vom Auto auf öffentliche Verkehrsmittel und das Fahrrad zu fördern.

Zur Entwicklung eines weltweiten Wasserstoffmarktes sollen nach den Vorstellungen der Irena Normen und Herkunftsnachweise sowie Förderregelungen festgelegt werden. Vor allem grüner Wasserstoff auf Grundlage erneuerbarer Energien soll vorangebracht werden.

2021 waren weltweit Elektrolyseure mit einer Leistung von 500 Megawatt installiert. In acht Jahren sollte sich die Kapazität nach den Irena-Empfehlungen auf 350.000 Megawatt erhöhen.

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