USA: Kohleausstieg trotz Trump

In den USA schreitet der Ausstieg aus der Kohle voran, obwohl Donald Trump dagegen arbeitet. Progressive Bundesstaaten, Städte und Unternehmen können die Anti-Klima-Politik des Präsidenten aber nur abschwächen.


Arbeiter schrauben Solaranlagen auf ein Flachdach.
In Kalifornien gilt ab 2020 eine Solardach-Pflicht für Neubauten. (Foto: Thomas Kelsey/​US Department of Energy Solar Decathlon)

Den "Krieg gegen die Kohle" wollte Donald Trump beenden und die USA aus der angeblichen Zwangsjacke des Pariser Klimavertrages befreien. Damit trat der Kandidat für das Amt des US-Präsidenten 2016 an – und sicherte sich viele Stimmen in den Kohlestaaten West Virginia, Ohio oder Pennsylvania.

Viele dort wählten ihn, weil sie glaubten, er werde die Branche wiederbeleben. Doch heute ist unübersehbar: Es waren falsche Versprechen. In den USA schreitet die Energiewende im Stromsektor voran.

Mit Murray Energy ist jüngst eines der größten Kohleunternehmen des Landes in die Insolvenz gegangen. Der Konzern mit seinen 7.000 Arbeitsplätzen ist bereits der achte Betrieb der Branche, der innerhalb eines Jahres aufgeben musste.

Die Misere der Kohle begann vor rund einem Jahrzehnt. Hauptursache ist die geringere Nutzung des Energieträgers zur Stromproduktion. Billiges Fracking-Erdgas, aber auch die zunehmend preiswerteren erneuerbaren Energien nahmen der Kohle Marktanteile weg.

Ende der Nullerjahre lieferte das "schwarze Gold" noch rund die Hälfte der US-Elektrizität. Heute liegt der Anteil laut der US-Informationsbehörde EIA bei 25 Prozent, für 2020 wird ein weiteres Absinken auf 22 Prozent erwartet. In den vergangenen zehn Jahren sind denn auch bereits 40 Prozent der Kohlemeiler vom Netz genommen worden.

Trump kippte zwar den "Clean Power Plan" seines Vorgängers Barack Obama, den er als Initiator des angeblichen Anti-Kohle-Kriegs attackierte, und führte Zölle auf Solarimporte ein. Am weiteren Boom von Gas- und Ökostrom ändert das nach Einschätzung von Experten aber nichts.

Hoffen auf einen neuen Präsidenten

Bei den Erneuerbaren ist das Wachstum vor allem durch die Verbilligung der Solarpaneele getrieben. Der CO2-Ausstoß in dem Sektor werde, wie schon unter Obama geplant, bis 2030 um 32 Prozent gegenüber 2005 sinken, möglicherweise sogar stärker, erwartet der Thinktank Climate Action Tracker (CAT).

In anderen Sektoren hingegen, besonders im Verkehr, hinterlässt Trump jedoch deutliche Spuren. Die von Obama verschärften Spritspar-Standards für Autos hat er gelockert – das lässt die Emissionen langsamer sinken. Außerdem wurden Effizienzstandards für Beleuchtung gekippt, die Genehmigungen für Öl- und Gas-Bohrungen mehr als vervierfacht und das Gewinnen von Öl und Gas sogar in Naturschutzgebieten Alaskas erlaubt.

Vorangehen für Klimaschutz

Es bringt nichts, wenn ein Land allein vorangeht und die anderen dann umsonst von den Ergebnissen profitieren, heißt es immer wieder. Doch Vorreiterstaaten zeigen, dass das      momentan der effektivste Weg aus der Klimakrise ist – und vielleicht der einzige. Eine kleine Serie stellt sechs Beispiele vor. Die USA fallen insofern aus dem Rahmen, dass sie nicht mit, sondern gegen die Zentralregierung vorankommen.

Die Pro-Paris-Vertrags-Bewegung "We are still in", in der sich viele Bundesstaaten, Großstädte und Unternehmen zusammengeschlossen haben, konnte das nicht verhindern.

Im Paris-Abkommen, aus dem Trump den Austritt beantragt hat, haben die USA sich verpflichtet, ihren CO2-Ausstoß bis 2030 um 26 bis 28 Prozent zu vermindern. Die CAT-Experten erwarten, dass der tatsächliche Rückgang nur 13 Prozent betragen wird, wenn der Trump-Rollback nicht von einem neuen Präsidenten korrigiert wird.

Die US-Bürger liegen mit einem durchschnittlichen Pro-Kopf-Ausstoß von über 16 Tonnen pro Jahr trotz der Verbesserungen in den Obama-Jahren weltweit immer noch auf einem der (negativen) Spitzenplätze.

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