Stoppt die Sonnenmilch

Auch unscheinbare Produkte wie Sonnenschutzmilch können empfindliche Ökosysteme schädigen, wenn sie massenhaft eingetragen werden. Auf der Pazifikinsel Palau sind jetzt bestimmte Sonnenmilch-Erzeugnisse verboten – zum Schutz der Korallenriffe.


Leerer Strand mit einigen Liegestühlen und Sonnenschirmen, dahinter Palmen und Ferienhäuser, im Hintergrund eine bewaldete Anhöhe.
Strand in Palau: Oxybenzon zum Eincremen ist jetzt verboten, Kerosin zum Hinfliegen bleibt natürlich erlaubt. (Foto: Abasaa/​Wikimedia Commons)

Oh, wie schön ist Palau. Noch. Der Pazifik-Staat mit seinen 356 Inseln und rund 20.000 Einwohnern ist ein Urlaubsparadies, das vor allem bei Nordamerikanern und Japanern beliebt ist.

Neuerdings macht Palau besondere Schlagzeilen – als erstes Land der Erde, das bestimmte Sonnenmilch-Produkte verbietet. Und zwar, weil sie in vielen Fällen Chemikalien enthalten, die beim Baden in den Meeresfluten von der Haut abgewaschen werden und dann die wertvollen Korallenriffe vor den Küsten der Inseln gefährden.

Die Regierung von Palau meint es ernst. Wer sich nicht an das Verbot hält, muss seit dem 1. Januar bis zu 1.000 US-Dollar Strafe zahlen. "Der Grat, Touristen zu erziehen oder sie zu vergraulen, ist schmal", sagte der Präsident von Palau, Tommy Remengesau. "Ich denke, wir finden den richtigen Ton", meinte er.

Palau ist ein gefährdeter Staat. Die meisten seiner Inseln liegen nur wenige Meter über dem Meeresspiegel, und die Riffe bilden einen wichtigen Schutz für sie. Die Gefahrstoffe aus den Sonnenschutz-Produkten wie Oxybenzon und Octinoxat aber stehen im Verdacht, die Korallenbleiche zu fördern, die zum Absterben führen kann.

Hersteller steigen um

Palau zog als erstes Land die Konsequenzen, doch andere werden nachziehen. Der US-Bundesstaat Hawaii hat einen Bann für die Zusätze ab 2021 ausgesprochen, Mexiko für seine Naturschutzgebiete, und auch der US-Kongress arbeitet am Verbot.

Palau und Co können schon gewisse Erfolge verbuchen. Eine ganze Reihe Hersteller ist von den gefährlichen UV-Schutz-Zusätzen auf andere umgestiegen. "Hawaii-Sonnenmilch" anzubieten soll sogar Marketing-Vorteile bieten. Nur noch die Hälfte der weltweit verkauften Sonnenschutz-Produkte soll korallengefährlich sein, vor ein paar Jahren waren es noch 75 Prozent. Es ist absehbar, dass auch die restlichen Hersteller umschwenken werden.

Joachim Wille ist Chefredakteur des Onlinemagazins Klimareporter°.

Können die Bewohner von Palau dann aufatmen? Leider nicht. Denn so leicht abschaffen wie Oxybenzon oder Octinoxat lässt sich der Klimawandel nicht. Und der setzt den Inseln vor allem durch den steigenden Meeresspiegel zu.

Palau ist beim Umwelt- und Klimaschutz zwar vorbildlich. Es hat 2015 seine gesamte Einflusssphäre zum Meeresschutzgebiet erklärt und war nach Fidschi der zweite Staat, der 2016 das Pariser Klimaabkommen ratifizierte. Doch wenn der Rest der Welt nicht mitzieht, ist irgendwann doch Land unter.

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