Scott Pruitt muss hinwerfen

Der Chef der US-Umweltbehörde EPA musste von seinem Amt zurücktreten – aber nicht wegen seiner Anti-Klimapolitik, sondern wegen seiner selbstherrlichen Amtsführung. Am EPA-Kurs wird sich voraussichtlich nichts ändern: Trump hat schon den Nachfolger nominiert – einen Kohlelobbyisten.


Ein Demonstrant hält ein Schild mit der Aufschrift
Der frühere Lobbyist Scott Pruitt hat seinen Posten bei der US-Umweltbehörde geräumt. In seiner kurzen Amtszeit hat er dennoch erheblichen Schaden angerichtet. (Foto: Lorie Shaull/​Flickr)

Nach nur 16 Monaten im Amt ist der Direktor der US-amerikanischen Umweltbehörde EPA, Scott Pruitt, von seinem Amt zurückgetreten. Präsident Donald Trump hat via Twitter mitgeteilt, dass er Pruitts Rücktrittsgesuch akzeptiert hat.

Nach so kurzer Zeit musste noch kein Leiter der EPA seinen Hut nehmen. Zuletzt gab es immer neue Berichte zu Pruitts Ausfällen: Flüge erster Klasse auf Kosten der Steuerzahler, überzogene Ausgaben für Sicherheit, das Abstellen von EPA-Mitarbeitern für private Erledigungen, stattliche Gehaltserhöhungen für getreue Mitarbeiter, verheimlichte Treffen mit der Industrie.

Zwar gab es wiederholt Rücktrittsforderungen, doch lange schienen Pruitt seine umstrittenen Aktivitäten nichts anhaben zu können. Als Ende März bekannt wurde, dass Pruitt 2003 ein Haus einer pensionierten Lobbyistin zu "Freundschaftpreisen" nutzte, lichteten sich aber die Reihen seiner Fürsprecher. Am Ende sahen sich auch konservative Anhänger veranlasst, seinen Rücktritt zu fordern.

"Pruitt ist der Sumpf", twitterte die konservative Fernsehmoderatorin Laura Ingraham. "Legt ihn trocken." Derzeit laufen 14 regierungsinterne Untersuchungen gegen den Ex-Chef der EPA. Anderen hätte schon weniger für den Verlust des Jobs gereicht.

"Er war das effektivste Kabinettsmitglied"

Warum konnte sich Pruitt trotzdem so lange im Amt halten? Die Antwort ist denkbar schlicht: Weil er seinen Job gemacht hat. In seiner Amtszeit hat er die Umweltschutzbehörde zurechtgestutzt, die Deregulierung der Wirtschaft vorangetrieben und Umweltvorschriften ausgehebelt. Den unter Barack Obama erlassenen Clean Power Plan, der Kraftwerken eine deutliche Emissionsreduzierung vorschrieb, bremste er aus. Stattdessen werden nun Atom- und Kohlekraftwerke stärker gefördert.

"Er war das mit Abstand effektivste Kabinettsmitglied", sagte der Immobilienmakler Doug Deason, der zu den großen Spendern des klimaskeptischen Koch-Netzwerks gehört, nachdem Pruitts Rücktritt bekannt wurde. In den USA ist der Chef der Umweltbehörde gleichzeitig eine Art Umweltminister. Auch Trump lobte den scheidenden Pruitt: Er habe ein hervorragenden Job gemacht, dafür werde er ihm immer dankbar sein.

Bevor Pruitt seine Stelle bei der EPA antrat, war er Generalstaatsanwalt in Oklahoma. Er zog mehrfach gegen Klimaschutzmaßnahmen der Regierung Obama und gegen die EPA vor Gericht. Über den Klimawandel verbreitete er falsche, klimaskeptische Behauptungen. Damit stieß er bei Trump auf offene Ohren.

Dafür, dass die Deregulierung fortgesetzt wird, hat Donald Trump bereits gesorgt. Der Kohle-Lobbyist Andrew Wheeler, der ebenfalls für die Umweltbehörde arbeitet, soll Pruitts Nachfolge antreten.

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