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Klimaflucht ist überall

Medizinische Hilfsorganisationen schlagen Alarm: Klimabedingte Vertreibung gibt es schon heute vor allem im globalen Süden. Aber auch in Staaten des Nordens wächst das Problem. Weltweit sind alle Rotkreuz- und Rothalbmond-Organisationen mit Flucht durch Naturkatastrophen konfrontiert, zeigt ein neuer Bericht.


Klimaflüchtlinge
Schon heute verlieren durch Klimaveränderungen zahlreiche Menschen ihr Zuhause und ihre Lebensgrundlage. (Foto: UNHCR)

Auch in Deutschland werden Menschen aufgrund der Klimakrise von ihrem Heimatort vertrieben – nicht nur aus Dörfern in Braunkohlegebieten, sondern auch bei klimabedingten Naturkatastrophen.

In einer Fallstudie für Deutschland zeigt die Internationale Föderation der Rotkreuz- und Rothalbmond-Gesellschaften IFRC, dass allein durch die diesjährige Flutkatastrophe – wahrscheinlicher gemacht und verstärkt durch die Klimakrise – zwischen 31.000 und 36.000 Menschen in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen ihre Wohnorte verlassen mussten. Allein in Rheinland-Pfalz benötigten zeitweise mindestens 40.000 Menschen dringend grundlegende Hilfe.

Anhand von elf detaillierten Fallstudien zeigt der Bericht wenige Tage vor der UN-Klimakonferenz in Glasgow das Fluchtproblem der Klimakrise. Bereits heute sind 30 Millionen Menschen von erzwungener Migration durch Naturkatastrophen betroffen – rund dreimal mehr als durch Konflikte und Gewalt.

Die Studien über Länder wie MosambikHonduras, Deutschland, Australien und Fidschi zeigen, dass nicht nur in armen Ländern Menschen durch Naturkatastrophen vertrieben werden. China mit fünf Millionen Betroffenen und die USA mit 1,7 Millionen gehören ebenfalls zu den zehn Ländern, in denen die meisten Menschen durch Naturkatastrophen vertrieben werden.

Klima- und andere Krisen überlagern sich

IFRC-Generalsekretär Jagan Chapagain sagte: "Dürren im Irak, Waldbrände in Australien, Zyklone in Mosambik, Flutkatastrophen in Deutschland: Klimabedingte Katastrophen finden überall statt und zwingen Millionen Menschen dazu, ihre Heimat zu verlassen. Nicht nur in Glasgow werden wir deutlich machen, dass dringender Handlungs- und Investitionsbedarf besteht, um Kommunen von klimabedingter Vertreibung zu schützen."

Vor allem bereits marginalisierte Gruppen sind laut der Studie von humanitären Notlagen durch den Klimawandel bedroht. Überproportional betroffen seien auch Menschen im globalen Süden, Menschen mit Gesundheitsproblemen, Kinder und die indigene Bevölkerung. Für letztere ist außerdem die Zerstörung heiliger Orte und Naturstätten ein unersetzbarer Verlust, wie das Australische Rote Kreuz hervorhob.

In Ländern wie Jemen wirkt sich die Überlagerung verschiedener Krisen – heute scheinbar schon Normalität – besonders schlimm aus. Auf bewaffnete Konflikte treffen Naturkatastrophen wie extremes Hochwasser und die Ausbreitung von Krankheiten, was immer wieder Fluchtbewegungen innerhalb des Landes auslöst. Der Jemenitische Rote Halbmond versucht dennoch, die Menschen in den Konfliktgebieten mit medizinischer und psychologischer Hilfe, mit Lebensmitteln und anderem zu unterstützen.

Situationen wie im Jemen werden sich ohne Zweifel zuspitzen. Aktuelle Prognosen sagen einen weltweiten Temperaturanstieg von etwa 2,7 Grad bis zum Ende des Jahrhunderts voraus – und das bedeutet mehr Naturkatastrophen, mehr klimabedingte Vertreibung.

Der Weltklimarat IPCC geht davon aus, dass selbst beim Einhalten des Zwei-Grad-Limits schon bis zum Jahr 2050 bis zu 280 Millionen Menschen vertrieben werden, innerhalb ihres jeweiligen Landes und über die Grenzen hinaus.

Globale Zusammenarbeit statt Abschottung

Das beste Mittel gegen sich verschlimmernde Fluchtkatastrophen und damit einhergehende humanitäre Krisen ist eine radikale Reduktion von Treibhausgasen. Eine zentrale Handlungsempfehlung der IFRC ist denn auch ein deutliches Nachbessern der nationalen Klimapläne, der sogenannten NDCs. Hinzukommen müssten wirksamere Anpassungsmaßnahmen.

Außerdem sollen die Regierungen auf der UN-Klimakonferenz in Glasgow und darüber hinaus dafür sorgen, dass Systeme zur Verhinderung von Vertreibung aufgebaut werden und – wo Vertreibung nicht verhindert werden kann – sichere Migrationsbewegungen erleichtert werden. Die internationale Klimafinanzierung müsse mehr leisten, um Gemeinschaften zu stärken, so die IFRC.

Realität ist allerdings, dass Europa und andere wohlhabende Regionen auf Abschottung setzen und sichere Fluchtwege erschweren, wie Menschenrechtsorganisationen immer wieder kritisieren. Eine größere Fluchtbewegung in europäische Länder, die von den Klimafolgen länger verschont bleiben werden und sich besser anpassen können als Länder im Süden, könnte eine Politik der "Festung Europa" noch verstärken.

Insgesamt zeigt der Bericht: Gemessen an den wachsenden Problemen ist die Handlungsbereitschaft der globalen Entscheider:innen bisher gering.

Die Rotkreuz- und Rothalbmondgesellschaften als Organisationen mit hohem Ansehen fordern deshalb vom Glasgower Klimagipfel mehr Bereitschaft zur globalen Zusammenarbeit, um nicht nur die Klimakrise zu bekämpfen, sondern sich endlich auch ernsthaft mit den Folgen zu befassen.

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