Erneuerbare werden zum Jobmotor

Weltweit arbeiten immer mehr Menschen in der Erneuerbaren-Branche. Doch Deutschland bleibt vom internationalen Wachstumstrend abgekoppelt.


Männer installieren eine Solaranlage
Die Solarindustrie bietet weltweit vielen Menschen einen Arbeitsplatz. Allerdings eher in China, Japan und den USA als in Deutschland. (Foto: Oregon Department of Transportation/​Flickr)

Immer mehr Menschen arbeiten in den erneuerbaren Energien. 2019 zählte die Branche weltweit etwa 11,5 Millionen Beschäftigte. Das ist eine halbe Million mehr als noch im Vorjahr.

Besonders viel Zuwachs gab es dabei in Asien (63 Prozent), wie der diesjährige Job-Report der Internationalen Organisation für Erneuerbare Energien Irena ausweist.

Innerhalb der Branche bietet die Solarindustrie die meisten Beschäftigungsverhältnisse. Auf Photovoltaik und Solarwärme zusammengenommen entfallen 40 Prozent aller Jobs. Insgesamt sind das fast 4,6 Millionen Arbeitsplätze, die meisten davon in China.

Deutschland gehört zwar noch zu den zehn Ländern, die beim weltweiten Einsatz und bei der Herstellung von Photovoltaikanlagen führend sind, belegt hier aber nur noch den neunten Platz mit weniger als 50.000 Beschäftigten und wurde inzwischen auch von Schwellenländern wie Vietnam oder Malaysia überholt. 

Besser kommt Deutschland bei der Windindustrie weg. Die 121.700 dort Beschäftigten bedeuten in dem internationalen Job-Ranking den zweiten Platz nach China. Weltweit bietet die Windbranche fast 1,2 Millionen Menschen eine Anstellung.

"Viele dieser Arbeitsplätze erfordern lokale Arbeitskräfte und bieten die Möglichkeit, Gemeinden auf dem Land oder an der Küste zu revitalisieren, und einige Jobs bleiben auch über die gesamte Projektlaufzeit – in der Regel 25 Jahre", sagte Ben Backwell vom internationalen Branchenverband Global Wind Energy Council (GWEC).

Da die Windenergie weltweit boome, werde die Beschäftigung in der Branche weit über die derzeit genannte Größenordnung wachsen, so Backwell.

Deutschland entwickelt sich gegen den Trend

2011 erreichte Deutschland mit 416.700 Arbeitsplätzen in den Erneuerbaren einen Höchststand, seither sinken die Beschäftigungszahlen innerhalb der Branche stetig. 2018 gab es noch 304.000 Arbeitsplätze, neuere Zahlen sind bisher nicht verfügbar. Während 2018 in der Solarbranche rund 4.000 Jobs hinzukamen, wurden in der Windbranche Stellen abgebaut.

Besonders viele Arbeitsplätze entstanden neben der Solarindustrie im Bereich der Agrokraftstoffe. Die Branche beschäftigte im Vorjahr etwa 2,5 Millionen Menschen, vor allem in Schwellenländern wie Brasilien, Kolumbien, Malaysia, den Philippinen und Thailand. Es folgt die Wasserkraft mit fast zwei Millionen Arbeitsplätzen.

"Der Einsatz erneuerbarer Energien schafft Arbeitsplätze und erhöht das Einkommen vor Ort, sowohl auf den entwickelten als auch auf den Schwellenmärkten", sagte Irena-Chef Francesco La Camera. Jedes Land könne sein Potenzial im Bereich der Erneuerbaren nutzen, um regionale Kapazitäten für die industrielle Entwicklung zu nutzen und Beschäftigte auszubilden.

Dabei arbeiten bei den erneuerbaren Energien wesentlich mehr Frauen als bei den fossilen. Dem Irena-Report zufolge ist fast ein Drittel aller Beschäftigten in den Erneuerbaren-Branchen weiblich, während der Anteil in den fossilen Branchen bei nur 22 Prozent liegt. 

Geplante oder konkursgetriebene Energiewende?

In vielen Ländern scheint nach der Kohle- auch die Erdöl- und Erdgasbranche vor massiven Umbrüchen zu stehen. Zum Beispiel in Großbritannien: Laut einer Umfrage der britischen Umweltorganisationen Platform, Greenpeace UK und Friends of the Earth Scotland überlegen vier von fünf Angestellten der Öl- und Gasindustrie, die Branche zu wechseln.

Auslöser ist auch die dramatische Beschäftigungssituation in Großbritannien aufgrund der Corona-Pandemie. Über 40 Prozent der rund 1.000 Befragten wurde seit März 2020 gekündigt oder sie sind beurlaubt. Jeder zweite Befragte zeigte sich an einem Job in der Erneuerbaren-Branche interessiert. Allerdings wurden viele Bedenken geäußert, dass es nur begrenzte Möglichkeiten zum Wechsel gebe und dass Umschulungen nicht erschwinglich seien.

"Die zunehmende Nervosität der Investoren in Öl und Gas wird natürlich auch von den in der Branche Tätigen wahrgenommen, die als erste und am schlimmsten vom Zusammenbruch der Märkte betroffen sind", sagte Richard Black von der britischen Umweltorganisation ECIU.

Die globale Energiewende von Öl und Gas zu erneuerbaren Energien müsse geplant geschehen, forderte Black. Der planlose, konkursgetriebene Übergang, wie man ihn zum Beispiel in der US-amerikanischen Kohleindustrie erlebe, könne kein Vorbild für die Welt sein.

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