Die USA heizen kräftig ein

Die CO2-Emissionen der Vereinigten Staaten sind im Jahr 2018 gestiegen, so eine Schätzung. An der kohlefreundlichen Politik von Donald Trump lag das allerdings nicht.


Eine vierzehnspurige Straße, im Hintergrund Hochhäuser der Stadt Atlanta in den USA
Die Emissionen aus dem Verkehr nehmen auch in den USA weiter zu – hier in Atlanta im Bundesstaat Georgia. (Foto: Atlantacitizen/​Wikimedia Commons)

Eine gefährliche Störung des Klimasystems muss unbedingt verhindert werden. Das ist der Kernsatz der Weltklimakonvention, die 1992 auf dem UN-Erdgipfel in Rio de Janeiro verabschiedet wurde. Doch die Hoffnung, die globalen Treibhausgas-Emissionen hätten Mitte der 2010er Jahre endlich ihren "Peak" erreicht, um fortan abzusinken, hat getrogen. Die CO2-Weltmacht Nummer eins, China, heizt seit 2017 wieder kräftig ein, ebenso die USA als Nummer zwei. Und neue Zahlen für 2018 zeigen: Das CO2-Plus der Vereinigten Staaten wächst sogar.

Die US-Emissionen stiegen nach einer Schätzung des New Yorker Analysehauses Rhodium Group um 3,4 Prozent gegenüber 2017. Es sei der zweitgrößte Zuwachs seit mehr als zwei Jahrzehnten, teilten die Experten mit, nur 2010 lag er höher. Hauptgrund sei die boomende Konjunktur in dem Land.

Die US-Industrie produzierte in etlichen Sektoren deutlich mehr Güter, wodurch mehr CO2 erzeugt wurde. Größte CO2-Quelle war laut der Studie aber der Verkehrssektor, und zwar das dritte Jahr in Folge. Wegen der florierenden Wirtschaft legten die Emissionen durch den Güterverkehr deutlich zu, während die der Pkw zurückgingen.

Anders als man erwarten könnte, liegt der CO2-Zuwachs nicht in Präsident Trumps Energiepolitik begründet, die auf eine Förderung der Kohle-Verstromung zielt. Trump hatte vor seiner Wahl versprochen, die seit 2005 stark gesunkene Kohleförderung im Land wieder zu unterstützen und Jobs zurückzuholen, die in dem Sektor verloren gegangen waren.

Tatsächlich hat seine Regierung auch bereits einige von Vorgänger Obama erlassene Maßnahmen zur CO2-Reduktion im Energiesektor rückgängig gemacht. Trotzdem wurde im letzten Jahr eine Rekordanzahl an Kohlekraftwerken stillgelegt. Fakt ist aber auch: Unter dem Strich wuchsen die Emissionen im Energiesektor spürbar – eben aus konjunkturellen Gründen.

Emissionen könnten weiter steigen

Gemessen am Basisjahr 2005, das die USA für ihre Klimapolitik festgelegt haben, steht das Land immer noch gut da. Der 2018er Treibhausgas-Ausstoß liegt um rund elf Prozent niedriger. Besonders zwischen 2005 und 2017 sanken die Emissionen deutlich.

Vor allem der Switch im Energiemix von Kohle zum Fracking-Erdgas spielte hier eine Rolle, der bereits vor Obamas Amtszeit eingeleitet worden war, ergänzt durch die Förderung von Wind- und Solarenergie. Zudem habe die zeitweise schwache Konjunktur eine Rolle gespielt, so die aktuelle Analyse.

Die Rhodium-Experten schließen nicht aus, dass der starke CO2-Zuwachs des vergangenen Jahres eine längerfristige Trendwende zu mehr Emissionen einläutet. Zwar gilt es als unwahrscheinlich, dass Trump den Markttrend weg von der Kohle tatsächlich umdrehen kann. Doch hat die Regierung in Washington auch eine Lockerung der unter Obama verschärften CO2-Limits für Autos und Lkw auf den Weg gebracht, und das könnte neben Konjunktur-Einflüssen in der Treibhausgas-Bilanz negativ zu Buche schlagen.

Klar ist auf jeden Fall: Kehren die USA als weltgrößte Volkswirtschaft und der Obereinheizer China nicht zur CO2-Einsparung zurück, ist die notwendige globale Absenkung der Emissionen kaum zu schaffen. Der Weltklimarat IPCC hält es für notwendig, den globalen "Peak" im kommenden Jahrzehnt zu erreichen und den CO2-Ausstoß dann innerhalb von zehn Jahren zu halbieren. Andernfalls werde das "Sicherheitslimit" von 1,5 Grad Erderwämung bereits in den 2040er Jahren überschritten.

Unterstützen Sie
unabhängigen Journalismus!

Klimareporter wird herausgegeben vom Klimawissen e.V. Ihre Spende macht unabhängigen Journalismus zu Energiewende und Klimawandel möglich. 

Spenden Sie hier