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"Das ist ein gemeinsamer Selbstmordplan"

Erstmals hat die Münchner Sicherheitskonferenz auch den Klimawandel als globale Bedrohung thematisiert. Die Entscheidung ist ein Fortschritt, wenn auch nur ein kleiner.


Diskussionspanel zum Klimawandel bei der Münchner Sicherheitskonferenz 2019
Diskussion über "Klimawandel und Sicherheit" auf der Münchner Sicherheitskonferenz 2019: Bangladeschs Premierministerin Sheikh Hasina, Norwegens Außenministerin Ine Eriksen Søreide, Kenias Außenministerin Monica Juma, US-Senator Sheldon Whitehouse, Greenpeace-Chefin Bunny McDiarmid und Moderatorin Melinda Crane-Röhrs (von links). (Foto: Michael Kuhlmann/​MSC)

Handelskonflikte, Wettrüsten, Cyberattacken, Syrienkrieg, die Krise der liberalen Weltordnung – die Gefahren für die globale Sicherheitslage, über die auf der diesjährigen Münchner Sicherheitskonferenz gesprochen wurde, sind gravierend. Die Welt, heißt es in dem begleitenden Munich Security Report 2019, erlebe nicht nur eine Reihe von kleineren und größeren Krisen. "Wir erleben einen Epochenbruch".

Zu dem Bedrohungsszenario, das bei der Tagung in den letzten drei Tagen debattiert wurde, zählt die Sicherheitskonferenz nunmehr auch den Klimawandel. Erstmals hat sie das Thema auf ihre Tagesordnung gesetzt und dem Risiko, das die Erderhitzung für die weltweite Sicherheit bedeutet, eine prominent besetzte Podiumsdiskussion gewidmet.

Damit reiht sich die Münchner Sicherheitskonferenz ein in die länger werdende Liste der Organisationen und Institutionen, die den Klimawandel als reale und akute Gefahr für die Menschheit beschreiben. Erst kürzlich setzte etwa das Weltwirtschaftsforum die sich beschleunigende Klimakrise ganz oben auf die Rangliste der größten Risiken, mit denen die Welt konfrontiert ist.

Seit Beginn des Holozäns, betonte der Klimaforscher Hans Joachim Schellnhuber in München, herrscht auf der Erde ein ungewöhnlich stabiles Klima. Viel spricht dafür, dass dies die Voraussetzung war und ist, dass sich der Mensch als dominierendes Lebewesen durchsetzen konnte.

Durch den massenhaften Ausstoß von Klimagasen bei der Verbrennung fossiler Energieträger wird das Klimasystem destabilisiert. "In den nächsten zwei Jahrhunderten werden wir einen Zustand herstellen, den es zuletzt vor 60 Millionen Jahren gab", sagte Schellnhuber. "Nämlich einen eisfreien Planeten."

Weite Teile der heutigen Küstenregionen werden dann unter dem Meeresspiegel liegen. Bangladesch etwa, dessen Premierministerin mit auf dem Podium saß, wird zu 90 Prozent unter Wasser stehen.

Die im Pariser Klimaabkommen vereinbarten Klimaziele müsse man als "Firewall" begreifen, sagte Schellnhuber. Als ein Schutzwall, der nicht fallen darf.

Um die Gefahr anschaulich zu machen, sei Fieber eine gute Metapher, so der Klimawissenschaftler. "Bei zwei Grad Temperaturanstieg ist man krank, bei fünf Grad Anstieg ist man tot."

Zu bedenken sei außerdem, dass es bei einer Erderhitzung von über zwei Grad keine Kooperation mehr geben werde. Um die knapper werdenden Ressourcen werde dann gekämpft, machte Schellnhuber klar. Der Multilateralismus, der in München vielfach – auch von Bundeskanzlerin Angela Merkel – beschworen wurde, werde bei einer sich zuspitzenden Klimakrise nicht mehr möglich sein.

Podiumsdiskussion schwach besucht

Der frühere US-Außenminister John Kerry, der 2015 das Paris-Abkommen mit ausgehandelt hat und bei der Paneldiskussion im Publikum saß, sprach von einem "gemeinsamen Selbstmordplan", den die Welt verfolge – da nicht das getan werde, "was getan werden muss".

Er schäme sich, dass Vizepräsident Mike Pence während seiner Rede auf der Münchner Sicherheitskonferenz nicht ein einziges Mal das Wort "Klimawandel" in den Mund genommen habe, sagte Kerry.

Sheldon Whitehouse, demokratischer Senator für den US-Bundesstaat Rhode Island, warb für die Einführung eines CO2-Preises. Nur so lasse sich der Klimawandel in den Griff bekommen.

Auch die Chefin von Greenpeace International, Bunny McDiarmid, forderte mehr Anstrengungen und Tempo beim Klimaschutz. "Wir müssen schneller sein", sagte sie und verwies darauf, wie lange es gedauert hat, bis die Münchner Sicherheitskonferenz das Thema offiziell aufgriff.

Das größte Risiko, sagte McDiarmid, sei aber, dass zu viele Menschen es immer noch nicht glauben wollen oder können, wie groß die Gefahr durch die Erderhitzung tatsächlich ist.

Dass die Münchner Sicherheitskonferenz diese Gefahr nun auf ihre Agenda gesetzt hat, ist ein wichtiger Schritt, um das von McDiarmid angesprochene Risiko anzugehen. Von einem Durchbruch kann jedoch keine Rede sein. Die Podiumsdiskussion war nur schwach besucht, die meisten Stuhlreihen blieben leer.

Und: Die wichtigen Entscheider, die es in der Hand hätten, für mehr Klimaschutz zu sorgen, waren weder auf dem Podium noch im Publikum vertreten.

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