Corona verzögert den Schutz der Ärmsten vor der Klimakrise

Die am wenigsten entwickelten Länder der Welt können zurzeit kaum an ihren Klimaanpassungsplänen arbeiten, denn der internationale Austausch liegt durch Reisebeschränkungen brach.


Menschengruppe steht auf Landstreifen vor zerstörter Befestigung
Der Zyklon "Amphan", der im Mai auf Indien und Bangladesch traf, war dort einer der heftigsten seit Beginn der Aufzeichnungen. (Foto: Ramakrishna Math and Ramakrishna Mission Belur Math/​Flickr)

Die Gruppe der am wenigsten entwickelten Länder schlägt Alarm: Die Coronakrise verzögert den Schutz der ärmsten Menschen auf der Welt vor den Folgen der Klimakrise.

Der Grund: Internationale Treffen, bei denen die 47 Länder mit zahlreichen Expert:innen an ihren nationalen Anpassungsplänen (NAP) arbeiten, fallen derzeit flach.

Auch die UN-Klimaverhandlungen sind im Grunde zum Erliegen gekommen. Zwischen der letzten und der kommenden Weltklimakonferenz werden zwei Jahre liegen. Die kleinere vorbereitende Konferenz, die jedes Jahr in Bonn stattfindet, wurde auf Oktober verlegt.

Stattdessen gibt es jetzt nur eine zehntägige Reihe von Online-Veranstaltungen, die das UN-Klimasekretariat "June Momentum" (etwa: "Juni-Schwung") genannt hat.

In seinem Land werde sich die Umsetzung und Fortschreibung des nationalen Anpassungsplans verzögern, beklagte Adao Soares Barbosa, Klimaverhandler aus Timor-Leste, bei einer solchen Veranstaltung.

Mokoena France, der für Lesotho verhandelt, berichtete Ähnliches: Ohne internationale Unterstützung müsse sein Land mit der Festschreibung eines nationalen Anpassungsplans warten – es brauche vor allem technologische Hilfe.

Die Wetterlage illustriert die Berichte auf tragische Weise: Am Mittwoch traf der Zyklon "Nisarga" auf die indische Westküste, Hunderttausende mussten evakuiert werden.

Erst vor wenigen Wochen hatte Zyklon "Amphan" in Indien und Bangladesch zahlreiche Tote gefordert und Schäden in Milliardenhöhe verursacht. Solche Wirbelstürme werden mit dem Klimawandel zwar nicht unbedingt häufiger, aber sehr wahrscheinlich stärker.

"Jede dieser Krisen wirft uns weit zurück"

"Wir werden über virtuelle Formate nachdenken müssen", sagte Nikki Lulham von der Gruppe der Expert:innen, die die am wenigsten entwickelten Länder bei den NAPs unterstützt. Auch ohne die Coronakrise gebe es zahlreiche Probleme bei der Unterstützung für die Länder, nicht zuletzt das fehlende Geld.

Den Zugang zu den internationalen Finanzierungsquellen nannte Lulham "schwerfällig". Durch die globale Rezession könne sich das Problem verschärfen.

"Wir stehen vor einer nie dagewesenen Situation", sagte Sonam Phuntsho Wangdi aus Bhutan, der die Verhandlungsgruppe der am wenigsten entwickelten Länder derzeit leitet. Die 47 Staaten in Asien, Afrika, Ozeanien und der Karibik treten in den UN-Klimaverhandlungen zusammen auf. Viele von ihnen sind besonders stark von der Klimakrise betroffen – obwohl sie kaum dazu beigetragen haben.

"Noch nie in der Vergangenheit musste die Welt so viele Herausforderungen bewältigen, und jede dieser Krisen wirft uns noch viel weiter zurück als den Rest der Welt", sagte Wangdi. "Es ist deshalb mehr denn je zwingend, dass wir alles tun, was wir können, um uns vor diesen Schocks zu schützen."

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