Wie wenn in China ein Sack Reis umfällt. So sagte man früher, um klarzumachen: Irgendetwas ist völlig unwichtig. Vor ein paar Jahrzehnten passte das. Reis, na ja, und Fahrräder sowie blaue Arbeitskittel, das waren die Dinge, die man mit China verband.

Heute ist das anders. China ist inzwischen der größte Produzent von Gütern weltweit. Das Land mit seinem knapp 18-prozentigen Anteil an der Weltbevölkerung trägt etwa ein Viertel zur globalen Produktion bei.

 

Entsprechend sieht es bei den Treibhausgasen aus. China verursacht rund ein Drittel der globalen CO2-Emissionen, während die USA als Nummer zwei in diesem Ranking "nur" auf 13 Prozent kommen. 

Deswegen ist fast alles wichtig, was in China passiert. Wie viel Reis China produziert (übrigens ein treibhausgasintensives Produkt), ob das Land dem E‑Auto zum Durchbruch verhilft und ob es weiterhin so viel Kohle verbrennt, dass es fast egal zu sein scheint, ob der Rest der Welt aus dieser Energieform aussteigt oder nicht – das ist entscheidend.

Erst mal ist es dann wohl eine gute Nachricht, wenn China nun das vielleicht größte Infrastrukturprojekt der Geschichte startet: den Bau eines riesigen Staudamms zur Stromgewinnung, der dreimal so groß sein soll wie er bisherige Rekordhalter, der Drei-Schluchten-Damm.

So viel Strom wie für ganz Australien

Wer Superlative sucht, findet sie hier. Das System aus fünf Megadämmen soll am Fluss Yarlung Tsangpo in Tibet unweit der Grenze zu Indien entstehen und am Ende mehr Strom produzieren als ganze Staaten wie Großbritannien oder Australien.

Der Medog-Staudamm soll umgerechnet rund 144 Milliarden Euro kosten. Die Planer sind sicher, mit ihrer Bautechnik sogar die Gefahren der in der Region häufig auftretenden Erdbeben beherrschen zu können.

Für uns in Europa sind solche Dimensionen unfassbar, und natürlich tauchen Fragen auf. Es ist unklar, wie viele Menschen für den Riesen-Damm umgesiedelt werden müssen und wie das geschieht, zumal bei der kritischen Menschenrechtslage in Tibet

Joachim Wille ist Co-Chefredakteur des Online-Magazins Klimareporter°.

Indien wiederum hat Sorge, von Chinas Entscheidungen an dem Fluss, der dorthin fließt und dann Brahmaputra heißt, abhängig zu sein.

Doch wird das Projekt realisiert wie von Peking geplant, trägt die Wasserkraft dazu bei, zusammen mit dem chinesischen Solar- und Windkraftboom die fossile Ära des Landes möglichst schnell zu beenden. Das muss man begrüßen.

Allerdings ist es den Pekinger Machthabern ohnehin egal, ob unsereins es gut findet oder nicht. Es ist für sie so, wie wenn in Deutschland auf dem Oktoberfest eine Maß Bier umfällt.