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China eröffnet größten CO₂‑Markt der Welt

Für Ökonomen ist klar: CO2-Emissionen brauchen einen Preis, damit sie sinken. Das lässt sich mit einem Zertifikatehandel oder einer CO2-Steuer erreichen. China setzt für Kohlekraftwerke jetzt auf den Emissionshandel. Die Wirkung ist zunächst bescheiden.


Heizkraftwerk in Lengshuijiang in der chinesischen Provinz Hunan.
Wärmekraftwerk in der Provinz Hunan: Der Wasserdampf bleibt gratis, aber die CO2-Emissionen könnten in Zukunft etwas kosten. (Foto: Huang Dan/​Wikimedia Commons)

China hat diese Woche überraschend angekündigt, dass der Handel mit CO2-Zertifikaten dieses Jahr tatsächlich landesweit beginnt. Bislang gab es außer Ankündigungen nur Pilotversuche in fünf Städten und drei Provinzen.

Doch nun hat das Umweltministerium bekannt gegeben, wie der nationale CO2-Markt funktionieren soll: Zunächst sind nur Kohlekraftwerke für ihre Emissionen verantwortlich. Die 2.225 Kohleblöcke verursachen rund 40 Prozent von Chinas CO2-Ausstoß.

Für sie gilt nun ein Grenzwert von 877 Kilogramm CO2 pro Megawattstunde Strom. Für jede Megawattstunde, die ein Kraftwerk produziert, bekommt es daher 0,877 CO2-Zertifikate – kostenlos. Kraftwerke, die weniger CO2 emittieren, können so einen Teil der Zertifikate verkaufen. Und Kraftwerke, die mehr CO2 emittieren, müssen Zertifikate kaufen.

Der Grenzwert sei "großzügig", meint die Energieexpertin Qin Yan von Refinitiv, einem Dienst für Finanzmarktdaten in New York. Der Wert entspreche etwa den durchschnittlichen Emissionen im Jahr 2019.

Praktisch bedeutet das, dass in der ersten zweijährigen Handelsperiode nur kleinere und ältere Kraftwerke Zertifikate kaufen müssen. Das entspricht allerdings dem erklärten Ziel der Regierung, die diese Kohlemeiler aus dem Markt drücken will.

Dass der Grenzwert den durchschnittlichen Emissionen im Jahr 2019 entspricht, hat aber wohl noch einen anderen Grund. Die Zuteilung der Zertifikate erfolgt rückwirkend: Dieses Jahr erhalten die Kraftwerke die Zertifikate für die Stromproduktion in den Jahren 2019 und 2020. Noch ist allerdings unklar, wann Kraftwerke, deren Emissionen über dem Grenzwert lagen, tatsächlich dafür mit Zertifikaten "bezahlen" müssen.

"Ein potenziell wirksames Instrument"

Unklar ist auch noch, an welcher Börse die Zertifikate gehandelt werden sollen. Trotzdem erwarten Marktbeobachter, dass in den ersten drei Monaten dieses Jahres die erste Transaktion stattfindet. Damit das gelingt, sollen Anfang Februar die noch fehlenden Regeln für das Funktionieren des Markts nachgereicht werden.

Für die Preisbildung wird entscheidend sein, welcher Grenzwert für die zweijährige Handelsperiode 2021/​2022 gilt. Da für die Periode 2019/​2020 tendenziell zu viele Zertifikate im Markt sind, haben diese nur einen Wert, wenn absehbar ist, dass in der nächsten Periode Mangel herrscht und daher eine echte Nachfrage nach Zertifikaten besteht.

Unbekannt ist bislang auch, wann der Zertifikatehandel auf Gaskraftwerke und dann auf große Industriebetriebe wie Raffinerien oder Stahlhersteller ausgeweitet wird.

Die Beurteilungen für Chinas CO2-Markt fallen denn auch durchwachsen aus. Für Zhang Jianyu von der Umweltorganisation EDF China ist das Glas halb voll: "Das Emissionshandelssystem ist von entscheidender Bedeutung, um die Emissionen und die damit verbundenen Kosten zu reduzieren und ein effektives Preissignal zu senden." Damit werde das Handelssystem zu einem wirksamen Instrument, um Chinas Klimaziele zu erreichen.

Der CO2-Markt-Experte Stian Reklev von Carbon Pulse sieht hingegen vor allem das Glas: "Es fängt ziemlich beschissen an, aber wenn die volle Struktur da ist, dann kann die Regierung sie über Nacht in ein nützliches Instrument verwandeln – wenn sie es will. Das ist aber mit einem großen Fragezeichen versehen und wird kaum in der nächsten Zeit passieren."

Trotzdem ist es natürlich ein Fortschritt, denn dann hat Chinas Regierung zumindest diese Option.

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