Anzeige
ZMP Fachkongress 2021
Anzeige
Weltretter Baum - treedom

Brände nicht nur am Amazonas

Neben dem Regenwald ist in Brasilien mit dem Cerrado ein weiteres Ökosystem bedroht. Die riesige artenreiche Savanne steht unter enormem Druck durch agrarische Nutzung. Die Regierung Bolsonaro will sich den Waldschutz von den reichen Ländern abkaufen lassen.


Cerrado Savannengebiet in Brasilien
Weniger spektakulär als der Regenwald, nicht weniger wichtig: Cerrado in Brasilien. (Foto: Denis Conrado/​Wikimedia Commons)

Brasilien will den Wald besser schützen, so zumindest die offizielle Ansage. Allerdings unter Bedingungen.

Auf der Basis des Pariser Klimaabkommens hat die Regierung Bolsonaro von den reichen Industrienationen kürzlich zehn Milliarden Dollar pro Jahr für Waldschutz verlangt. Im Gegenzug könne Brasilien bereits 2050 klimaneutral werden – und nicht erst 2060.

Umweltschützer halten das für einen Erpressungsversuch. Motto: Geld her, oder der Kahlschlag geht weiter.

Wie wichtig der Waldschutz in Brasilien wäre, zeigt sich nicht nur im Amazonas-Regenwald, wo die Zerstörung seit Amtsantritt von Präsident Jair Bolsonaro vor zwei Jahren wieder deutlich zugenommen hat.

Auch in den Savannen des Landes treten in den letzten Jahren Flächenbrände auf, die die dortigen Uferwälder stark in Mitleidenschaft ziehen. Eine neue Untersuchung zeigt, wie groß die Bedrohung für diese empfindlichen Ökosysteme tatsächlich ist.

Tropische Savannen gehören weltweit zu den Lebensräumen mit der größten biologischen Vielfalt. Dort finden sich nicht nur die typischen Gras- und Buschlandschaften. Vor allem in den Uferzonen von Bächen und Flüssen wachsen auch immergrüne Wälder.

In Brasilien zählt der Cerrado in der Zentralhochebene des Landes dazu. Mit einer Fläche von über zwei Millionen Quadratkilometern fast sechsmal so groß wie Deutschland, bietet er rund 12.000 Pflanzen- und Tierarten einen Lebensraum. Gerade die Uferwälder sind wichtige Habitate für Großtiere wie Jaguare.

"Verluste schlimmer als im Regenwald"

Der Cerrado steht unter einem enormen Nutzungsdruck durch Land- und Viehwirtschaft. "Der Vegetationsverlust ist hier sogar schlimmer als im tropischen Regenwald am Amazonas, denn die betroffene Fläche ist deutlich größer", sagt die Wissenschaftlerin Anna Abrahão von der Universität Hohenheim in Stuttgart, die an der Untersuchung beteiligt war.

Vor allem in den Naturschutzgebieten treten laut der Studie regelmäßig Flächenbrände auf. So breitete sich im Oktober 2017 ein Feuer über die Savannenlandschaften des Nationalparks Chapada dos Veadeiros aus, das große Teile der Parkfläche zerstörte.

Wie groß die Folgen dieses Brandes speziell für die Uferwälder waren, haben Abrahão und Kolleg:innen eines internationalen Forschungsteams untersucht. Ergebnis: Waren 2003 noch über 90 Prozent der Fläche in den Uferwäldern vom Kronendach der Bäume bedeckt, sank diese Fläche nach 2017 deutlich, in einigen Wäldern auf nur noch 20 Prozent.

Unterstützen Sie unabhängigen Journalismus!

klimareporter° wird herausgegeben vom gemeinnützigen Klimawissen e.V. – Ihre Spende macht unabhängigen Journalismus zu Energiewende und Klimawandel möglich.

Spenden Sie hier