Bäume sind (nicht) überparteilich

Die USA treten einer Initiative bei, die die Zahl der Bäume weltweit stark erhöhen will. Dass es dabei um Klimaschutz gehen soll, verschwieg Präsident Trump in seiner Ankündigung. So hofft er bei Befürwortern und Gegnern seiner fossilen Politik zu punkten.


Afrika Benin
Baumschule in Benin: Ökologische Zusammenhänge interessieren Donald Trump wenig, doch bei der Billionen-Baumpflanz-Initiative sieht es nicht viel besser aus. (Foto: Susanne Götze)

Eine Billion Bäume mehr. Das sind ziemlich viele. Und sie zu pflanzen, findet sogar Donald Trump gut. Der US-Präsident lobte die Initiative dazu, die im Januar auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos gestartet worden war.

In seiner Rede an die Nation kündigte er jetzt offiziell an, die USA würden ihr beitreten – "um die Umwelt zu schützen". Regierungen und Privatunternehmen würden so zusammengebracht, um "neue Bäume in Amerika und rund um die Welt zu pflanzen".

Wird Trump nun doch zum Klimaschützer?

Bei der Initiative spielen auch US-Unternehmen wie der Software-Konzern Salesforce eine wichtige Rolle. Dessen Gründer Marc Benioff sagte: "Keiner ist gegen Bäume. Der Baum ist sogar überparteilich."

Wieso Trump dabei mitmacht, ist klar. Auch bei den US-Republikanern gibt es Leute, denen Umwelt und Klima nicht egal sind, Thinktanks, die der Partei nahestehen, empfehlen sogar die Einführung einer CO2-Steuer. Der Präsident versucht bei dieser Klientel zu punkten, ohne seinen Pro-fossile-Energien-Kurs aufzugeben.

Es fiel auf, dass er das Hauptanliegen der Baum-Initiative – nämlich Klimaschutz durch Entfernen von CO2 aus der Atmosphäre – gar nicht ansprach und ansonsten seine America-Great-Again-Litanei von der boomenden heimischen Erdöl- und Erdgas-Produktion vortrug.

Begrenzte Wirkung

Damit wird auch das Hauptproblem der Baumpflanz-Initiative deutlich. Die Zahl der Bäume auf der Erde von heute schätzungsweise gut drei auf über vier Billionen zu erhöhen kann durchaus helfen, das CO2-Problem zu entschärfen.

Doch erstens ist die Wirkung limitiert – Wälder stehen zunehmend unter Stress durch Brände, Dürrephasen und Schädlingsbefall, wie man gerade in Australien und Deutschland erleben kann. Sarkastisch bemerkte der Harvard-Forscher David Keith dazu: "Wenn du viele Bäume pflanzt, um CO2 im Wald zu speichern, erhöhst du nur den Scheiterhaufen."

Joachim Wille ist Chefredakteur des Onlinemagazins Klimareporter°.

Zweitens können in nördlichen Regionen aufgeforstete und dadurch dunklere Flächen wegen verminderter Sonnenlicht-Rückstrahlung – Stichwort Albedo-Effekt – sogar zur globalen Erwärmung beitragen und den CO2-Speichereffekt zunichtemachen.

Vor allem aber darf die Initiative nicht als Feigenblatt missbraucht werden, um mit dem Verbrennen der fossilen Energien so weitermachen zu können wie bisher. So wie es Trumps Plan ist.

Unterstützen Sie unabhängigen Journalismus!

klimareporter° wird herausgegeben vom gemeinnützigen Klimawissen e.V. Ihre Spende macht unabhängigen Journalismus zu Energiewende und Klimawandel möglich.

Spenden Sie hier