Milliardäre schmecken nicht

Kannibalismus als Mittel des Klimaschutzes? Lisa Simpson soll das angeblich empfohlen haben. Ist aber Unsinn. Oder?


Ein handgemaltes Demo-Schild zeigt Karl Marx als Koch mit einer Sichel an einem Dönerspieß, dazu der Schriftzug: Eat the Rich.
Berlin, 1. Mai 2021. (Foto: Montecruz Foto, CC BY-SA 2.0)

Kannibalismus als Mittel des Klimaschutzes? Bisher gehörte das eigentlich nicht zum Repertoire der Aktivistengruppe Extinction Rebellion, die mit Straßenblockaden und anderen Formen des zivilen Ungehorsams gegen die Klimakrise kämpft.

Doch nun das: "Einen einzigen Milliardär zu essen, würde mehr gegen den Klimawandel ausrichten, als vegan zu leben oder den Rest deines Lebens kein Auto mehr zu fahren." So unlängst zu lesen bei "XR" auf Twitter und Instagram.

Logisch, nicht erst gemeint. Das zeigte schon die Darstellung: Cartoon-Figur Lisa Simpson präsentiert den Milliardärs-Satz einem fiktiven Auditorium per Powerpoint.

Trotzdem kassierte XR damit je Menge Likes, bei Twitter rund 140.000. Viel mehr, als die Aktivisten sonst verbuchen können.

Und es entspann sich eine intensive Diskussion zu dem Thema. Nein, nicht, wie man Milliardäre verspeist. Sondern darüber, dass die Klimakrise nur gelöst werden kann, wenn auch die Ungleichheit in der Gesellschaft begrenzt wird.

Wie extrem groß der CO2-Fußabdruck der Superreichen ist, weiß man aus Studien der Entwicklungsorganisation Oxfam. Danach waren die reichsten ein Prozent der Weltbevölkerung in den letzten 25 Jahren für mehr als doppelt so viel CO2-Verschmutzung verantwortlich wie die ärmsten 50 Prozent, also über drei Milliarden Menschen.

Systematischer Fehler

In Europa ist es nicht ganz so krass, aber immer noch beeindruckend: Die reichsten zehn Prozent waren für genauso viele Emissionen verantwortlich wie die ärmere Hälfte der Bevölkerung, nämlich für je 27 Prozent der CO2-Frachten.

Nicht alle treiben es so doll wie Microsoft-Gründer Bill Gates, der 2017 rund 350 Flüge absolvierte, was einem Pro-Kopf-CO2-Ausstoß von 1.600 Tonnen CO2 entspricht. Doch dass der Lebensstil der meisten Superreichen als Vielflieger, Drittvillenbesitzer und Fahrer ganzer SUV-Flotten um Lichtjahre vom Verträglichen entfernt ist, liegt auf der Hand.

Es ist eine Illustration für die These von Matthew Huber. In seinem neuen Buch "Klimawandel als Klassenkampf" legt der Geografieprofessor von der Syracuse University dar, wie unser auf fossilen Brennstoffen basierendes Wirtschaftssystem automatisch auch zu einer immer stärkeren Konzentration des Reichtums in den Händen einiger weniger führen muss.

 Joachim Wille ist Chefredakteur des Online-Magazins Klimareporter°.

Und welche Schlüsse ziehen wir daraus? Milliardäre essen?

Eher nicht. Die sind zu zäh.

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