Lockdown ist keine Lösung

Der Rückgang der weltweiten CO2-Emissionen durch Corona war beispiellos. Laut einer Studie fiel er stärker aus als in den Wirtschaftskrisen von 1979 und 2008 oder sogar während des Zweiten Weltkriegs. So kann Klimaschutz aber nicht funktionieren.


Eine Straße fast ohne Menschen und ohne Verkehr.
Leere Straße in London: Corona ließ den CO2-Ausstoß stärker fallen als andere weltweite Krisen – und verursachte doch nur eine Delle. (Foto: Jules Weigel/​Karo3)

Corona ist gefährlich für den Menschen. Spart aber CO2. Das ist bekannt, seit britische Wissenschaftler Mitte des Jahres erste Berechnungen zum Rückgang der Emissionen durch den Lockdown vorlegten.

Inzwischen gibt es noch genauere Zahlen. Und die sind durchaus erstaunlich.

Der Rückgang der globalen Emissionen im ersten Halbjahr 2020 war nämlich beispiellos. Er fiel stärker aus als in der Finanzkrise von 2008, der Ölkrise von 1979 oder sogar während des Zweiten Weltkrieges.

Tatsächlich wurden in den ersten sechs Monaten dieses Jahres 1.551 Millionen Tonnen weniger Kohlendioxid in die Atmosphäre gepustet als im gleichen Zeitraum 2019, wie ein internationales Forscherteam errechnet hat. Macht einen Rückgang um 8,8 Prozent. In der globalen Wirtschaftskrise nach der Lehman-Pleite zum Beispiel waren es 2009 nur 1,3 Prozent gewesen.

Im Monat April gingen die Emissionen sogar um 16,9 Prozent nach unten. Das war während des Höhepunkts der ersten Corona-Welle, als die meisten Länder das öffentliche Leben kräftig zurückfuhren. Erschienen ist die Untersuchung im Fachblatt Nature Communications.

Das größte CO2-Minus gab es im Bereich Landverkehr. Vor allem, weil viele ins Homeoffice wechselten, sanken die Emissionen hier in der Spitze um satte 40 Prozent. Der Energie- und der Industriesektor trugen mit 22 respektive 17 Prozent weniger zu dem Rückgang bei, ebenso die Bereiche Luft- und Schifffahrt.

Überrascht hat die Forscher, dass sogar der Wohnsektor einen kleinen Rückgang verzeichnete, nämlich um drei Prozent, und das, obwohl die meisten Menschen während des Lockdowns häufiger mehr zu Hause waren. Mit Corona hatte das nichts zu tun. Es war eine Folge des ungewöhnlich warmen Winters auf der Nordhalbkugel, der den Heizenergie-Verbrauch senkte.

Joachim Wille ist Chefredakteur des Online-Magazins Klimareporter°.

Die Wissenschaftler lassen übrigens keinen Zweifel daran, dass der Kampf gegen Corona angesichts der zweiten Infektionswelle fortgesetzt werden muss.

Und nicht einmal über die Klima-Entlastung kann man sich freuen. Denn sie ist, obwohl historisch groß, zu klein, um die CO2-Konzentration in der Atmosphäre unter der Schwelle für eine unbeherrschbare Klimakrise zu halten.

Ein Lockdown, selbst wenn die zweite Welle ihn erzwingt, ist keine Antwort darauf. Es braucht einen radikalen ökologischen Umbau der Industriegesellschaften.

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