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Krank durch die Klimakrise

Dass sich das Klima verändert, beschäftigt nicht nur Umweltschützer, sondern auch Ärzte und andere Gesundheitsexperten. Der Weltgesundheitsgipfel, der heute in Berlin endet, fordert mehr Klimaschutz und wirkliche Anpassung.


Eine Tigermücke saugt Blut aus menschlicher Haut.
Krankheitsüberträger wie die Asiatische Tigermücke können sich durch den Klimawandel weiter ausbreiten. (Foto: James Gathany/​Centers for Disease Control and Prevention/​​Wikimedia Commons)

Thrombose, Überhitzung, Herzschwäche, Nierenversagen: Extreme Hitze ist ein Gesundheitsrisiko. Da im Zuge des Klimawandels viele Regionen der Welt stärker damit zu kämpfen haben werden, ist er nicht nur ein Thema für Umweltexperten – sondern auch immer mehr für Ärztinnen, Pfleger und Co.

Der Weltgesundheitsgipfel, der heute in Berlin zu Ende geht, hat dieses Jahr deshalb einen Schwerpunkt auf die Klimakrise gelegt. Mehr als 1.300 Teilnehmer aus 100 Ländern sind gekommen, darunter Ärzte, Wissenschaftlerinnen, Politiker.

"Es ist eine der größten gesundheitspolitischen Herausforderungen des 21. Jahrhunderts, aber auch eine Chance, unsere Umwelt endlich so zu gestalten, dass sie uns nicht krank macht", sagte Detlev Ganten, früher Chef der Berliner Charité, jetzt Präsident des Weltgesundheitsgipfels.

Der Arzt und TV-Moderator Eckart von Hirschhausen sieht das Gesundheitswesen in einer Schlüsselposition, wenn es darum geht, die Dringlichkeit von Klimaschutz zu vermitteln. "Research shows that showing people research doesn't work", zitierte er auf dem Berliner Gipfel den Management-Professor John Sterman vom Massachusetts Institute of Technology. Zu Deutsch also: Forschung zeigt, dass Forschung zeigen nicht funktioniert.

Ärzte sollen bei Klimakommunikation helfen

Die meisten Menschen ändern ihr klimaschädliches Verhalten nicht angesichts von Fakten in Grafiken und Tabellen. Von Hirschhausens Fazit: Die forschende Wissenschaft braucht Menschen wie Ärzte oder Pfleger als Helfer bei der Vermittlung ihrer Erkenntnisse, weil den Berufen im Gesundheitswesen viel Vertrauen entgegengebracht wird.

Die Folgen der Klimakrise für die Gesundheit sind indes kein Ding der fernen Zukunft. Die globale Durchschnittstemperatur liegt bereits um etwa ein Grad Celsius höher als vor der Industrialisierung.

Im vergangenen Jahr haben Forscher von mehr als 20 wissenschaftlichen Institutionen und UN-Abteilungen ihre Arbeit zu den Bereichen Klimawandel und Gesundheit zusammengeführt. Das Ergebnis wurde im Fachmagazin The Lancet veröffentlicht.

Warnung vor Tropenkrankheiten

Demnach waren 2017 etwa 18 Millionen mehr gefährdete Personen Hitzewellen ausgesetzt als noch im Jahr davor. Als hitzegefährdet gilt, wer aufgrund seiner körperlichen Verfassung besonders schlecht mit hohen Temperaturen umgehen kann, also beispielsweise alte Menschen oder solche mit Vorerkrankungen wie Diabetes, Herzschwäche oder chronischen Atemwegsleiden.

Das heißt nicht, dass die Hitze für alle anderen unbedenklich ist – durch richtiges Verhalten können sich junge und gesunde Menschen aber besser anpassen. Dazu gehört, die pralle Sonne zu meiden und viel zu trinken.

Die Forschenden warnen in der Studie auch davor, dass sich durch die steigenden Temperaturen tropische Krankheiten weiter ausbreiten. Dazu gehören etwa Zika-Infektionen und das Denguefieber. Überträger wie die Asiatische Tigermücke können durch den Klimawandel in höhere Breitengrade gelangen als früher. Auch in Deutschland, wo die Art lange nicht vorkam, wurde sie bereits gesichtet.

Viel mehr Hitzetote

"Die Gesundheitsfolgen, die wir heute sehen, sind eine frühe Warnung vor den Gefahren, die vor uns liegen, wenn die globale Temperatur weiter steigt", sagt Hilary Graham von der britischen Universität York, die an der Studie mitgearbeitet hat. "Wie die heutigen Generationen damit umgehen, entscheidet darüber, unter welchen gesundheitlichen Bedingungen unsere Kinder und die nachfolgenden Generationen leben werden."

Einen beunruhigenden Ausblick darauf gibt eine Prognose von Forschern der EU-Kommission. Danach werden in der Europäischen Union zum Ende des Jahrhunderts jährlich 152.000 Menschen durch Extremwetterereignisse umkommen – fast alle durch Hitze.

Zum Vergleich: Das wären mehr als doppelt so viele Tote wie im Hitzesommer 2003 in ganz Europa. Die EU-Forscher gehen von heutigen Lebensumständen aus, berücksichtigen also nicht, dass Menschen sich in Zukunft etwa durch veränderte Bauweisen teilweise an extreme Hitze anpassen könnten – damit überschätzen sie den Effekt der Hitze also möglicherweise.

Dafür rechnen sie in ihrer Prognose mit einer globalen Erwärmung um drei Grad im Vergleich zum vorindustriellen Niveau. Im Pariser Klimaabkommen hat sich die Welt eigentlich vorgenommen, allerhöchstens eine Erderwärmung um zwei Grad zuzulassen. Auf dem Weg ist sie aber noch lange nicht. Stattdessen ist sie auf dem Drei-Grad-Pfad, von dem die EU-Forscher ausgehen – nach optimistischen Prognosen.

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