Die vegane Bio-Maske

Die Wegwerfmaske ist nur die Spitze des Eisberges der ökologischen Kollateralschäden, die die Coronakrise im Gepäck hat. Zum Glück gibt es auch einiges auf der ökobilanziellen Habenseite der Krise zu verbuchen.


Junge Frau mit selbstgenähtem Munschutz, auf dem
Selber nähen ist öko. (Foto: Screenshot/​Peta Deutschland/​Youtube)

Oscar Wilde sagte einmal, er könne auf alles verzichten, nur nicht auf Luxus. Was Luxus ist, hängt vom Betrachter ab.

Für manche von wochenlangem Homeschooling geplagte Eltern mag es schon Luxus sein, wenn man die Gören wieder in die Schule schicken kann. Ich selbst hielte es für Luxus, endlich wieder ohne Corona-Maske einkaufen gehen zu können.

Die Dinger sind nicht nur extrem lästig, weil mir beim Tragen immer die Brille beschlägt, sondern sie stellen auch eine neue Form von Wegwerfartikel dar, wie man ihn vor wenigen Monaten noch gar nicht kannte. Außer man arbeitet im Krankenhaus.

Gerade schien es, als könnten wir dank gesetzlicher Maßnahmen und privater Initiativen der Plastiktüten- und Coffee-to-go-Becher-Flut langsam Herr werden, doch schon müssen wir uns mit Abermillionen von "Mund-Nase-Bedeckungen" herumschlagen.

Eigentlich sollte man sie ja nach jedem Gebrauch sofort waschen. Macht natürlich niemand. Also weg damit, wenn man verhindern will, dass die Dinger sich zu einem Biotop für Krankheitskeime entwickeln. Auf den Straßen liegen sie schon fast so häufig herum wie Tempotaschentücher.

Die Maske ist sozusagen nur die Spitze des Eisberges jener ökologischen Kollateralschäden, die die Coronakrise im Gepäck hat. Die Bahn, Hoffnungsträger einer "Verkehrswende", ist mehr oder weniger pleite, die Carsharer dito und das Auto feiert ein unverhofftes Comeback als rollende Quarantänestation. Jedenfalls seit man überhaupt wieder auf die Straße darf.

Ich hatte sie schon vermisst, die obligatorischen Staus am Wochenende, wenn halb München die Alpen flutet. Da fühlt man sich, eingekeilt zwischen Vorder- und Hintermann, allemal freier als unter der Fuchtel von Söders "Maßnahmen"-Katalog.

Leider ist auch die Wegwerfgesellschaft dank Corona wieder mächtig im Aufwind. So viele Pizzakartons wie in diesen Wochen haben sich noch nie in unserem Altpapiercontainer gehäuft. Und auf der Straße quellen die Mülleimer über vor Einweg-Gerümpel aller Art, vor allem im Umkreis von Bars und Restaurants.

Retouren verboten

Hoffentlich gewöhnen sich die Leute nicht noch mehr daran als vor Corona. Eine Freundin sagte mir bereits, dass es doch sehr schön und bequem sei, sich die Lieblingsgerichte nach Hause zu bestellen. Die war bisher immer ein Fan von Selbstgekochtem.

Überhaupt erlebt der Internethandel einen Boom. Amazon und Co dürften zu den größten Krisengewinnern gehören. Und wenn jetzt auch die letzten "kleinen" Geschäfte und Fachhändler dicht machen, dürften für Jeff Bezos endgültig goldene Zeiten anbrechen. Ob das der Umwelt nützt, bezweifle ich, selbst wenn die Lieferdienste die Straßen mit Elektroantrieb verstopfen.

Foto: Monika Höfler

Georg Etscheit

lebt als Autor und Journalist in München – und regt sich leidenschaftlich gern über die kleinen und großen Stressmomente des Alltags auf.

Zum Glück gibt es auch etwas auf der ökologischen Habenseite der Krise zu verbuchen: Der weiß-blaue Himmel über München ist schon seit Wochen fast frei von Kondensstreifen und auch beim Bergwandern stört einen nicht mehr das ständige Gesause am Himmel.

Viele Menschen entdecken überdies die Vorzüge von Homeoffice und Videokonferenzen, manche sind so begeistert von ihrem neuen Eremitendasein, dass sie gar nicht mehr zurück ins Büro wollen. Nach dem Motto: Geht auch ohne Chefs! Das nährt die Hoffnung, dass nach der Pandemie zumindest das Wachstum des Flugverkehrs gebremst werden kann.

Noch ein Phänomen: An den Ampeln stauen sich jetzt oft mehr Radler als Autos, weil die Leute aus Angst vor Ansteckung öffentliche Verkehrsmittel meiden. Auch das könnte ruhig so bleiben.

Wie die Öko-Bilanz der Pandemie am Ende ausfällt, weiß allerdings noch niemand. Nur eines ist jetzt schon klar: Armut und wirtschaftlicher Niedergang sind nicht der Schlüssel zum Öko-Paradies. Und eine mittlerweile mächtig florierende deutsche Maskenproduktion sicher kein Ersatz für die Auto- oder Tourismusindustrie. Auch wenn es so scheint, als sei das halbe Land zur Mundschutz-Manufaktur mutiert.

Natürlich gibt's, der Marktwirtschaft sei Dank, im Internet längst auch nachhaltige Masken aus Biobaumwolle und "Peta approved", also streng vegan. Und das Schönste: Retouren sind verboten, aus "hygienischen Gründen". Geht doch!

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