Der RBB und die Liebe zur Braunkohle

Zu viel Grün, zu viel Verständnis für Kohlegegner – der Lobbyverein "Pro Lausitzer Braunkohle" hat sich beim Rundfunk Berlin-Brandenburg über die Berichterstattung des Senders beschwert. Ein Ritterschlag.


Ein Auszubildender beim Schweißen, Politiker und Chefs stehen um ihn herum.
Kohle-Azubis in sauberen Overalls, beliebtes Motiv bei Landespolitik und -sendern in Brandenburg. Hier nicht nur mit Ministerpräsident Woidke (2.v.r.), sondern auch Bundesfinanzminister Scholz (2.v.l., beide SPD). (Foto: Screenshot/​RBB)

Zugegeben, wenn mein Regionalsender, der RBB – ausgeschrieben Rundfunk Berlin-Brandenburg –, bisher über das Thema Braunkohle schrieb oder sendete, war das meist schwer erträgliche Kost: Der Ministerpräsident erscheint als treusorgender Landesvater der Kumpel, die Landesregierung als Kämpfer für die Interessen der ach so gebeutelten Region im fernen Berlin, das blöderweise Klimaziele ausgegeben hat.

Und bei Kraftwerksbesuchen vor Ort dürfen Azubis in sauberen Overalls und mit blankgeputzten Helmen auftreten, die erzählen, wie interessant es doch in der Kohle ist.

Ernst dreinblickende, aber zuversichtliche Politiker stecken besorgte Kumpel mit ihrer Liebe zur Braunkohle an – das ist die eine RBB-Kurzformel, eine andere ist in der kürzlich gesendeten Reportage "Zukunft ohne Kohle" zu besichtigen. Geschichte findet dort als Abfolge von Sachzwängen und Schicksalen statt. Unternehmen mit Gewinninteressen an der Kohle? Gibt es offenbar nicht. Es ist ja "die Braunkohle", die die Heimat umgräbt.

Experten mit ernsten Gesichtern schwadronieren unwidersprochen, Sonne und Wind böten eine gesicherte Stromleistung "nahe null". Und klar: Nach möglichen lobbyistischen Verstrickungen von Landespolitik und Kohlebranche wird mal erst gar nicht gefragt.

Eine grüne Abgeordnete kommt ausführlich zu Wort

Wie ein tiefer Stich ins Herz muss beim RBB da der offene Brief gewirkt haben, den der Verein "Pro Lausitzer Braunkohle" diese Woche an den RBB-Rundfunkrat schrieb. Bitterlich beschwert sich der Lobbyverein darin über einen RBB-Beitrag vom 4. Februar zur Baggerbesetzung durch Aktivisten des Bündnisses "Ende Gelände".

Der RBB habe, klagt "Pro Lausitzer Braunkohle" an, die Sendung zum "deutlich überwiegenden Teil" mit Argumenten und Beiträgen der "angereisten" und "auf Baggern tanzenden Aktivisten" gestaltet. Nur kurz werde erwähnt, dass Linke und CDU die Bagger-Aktion scharf verurteilten, dafür werde "ausgerechnet einer Landtagsabgeordneten der Grünen ein ausführlicher Redebeitrag gewidmet".

Und der Gipfel vom Ganzen: Sogar die, so die Lesart des Vereins, "strafrechtlich relevante" Organisation "Ende Gelände" dürfe im Beitrag ihre Meinung äußern. Abschließend regt "Pro Lausitzer Braunkohle" an, Berichte des RBB zum Lausitzer Revier "künftig auf Objektivität und Überparteilichkeit zu überprüfen".

Was der Verein zum Beispiel beim Klimaschutz unter "Objektivität" versteht, kann man auf seiner Website nachlesen – oder in teilweise ähnlichen Passagen im AfD-Parteiprogramm.

So seien in der Wissenschaft die Ursachen für den Klimawandel "entgegen des Eindrucks", der sich aus der öffentlichen Berichterstattung ergeben könne, "durchaus umstritten". Trotz der ständigen Zunahme der vom Menschen verursachten CO2-Emissionen steige die globale Mitteltemperatur seit mindestens 15 Jahren nicht mehr an, behauptet "Pro Lausitzer Kohle" entgegen allen, aber auch wirklich allen Erkenntnissen der Klimaforschung.

Und auch der Lieblingssatz – oder sollte man sagen: der Lieblings-Fake? – aller Kohlelobbyisten fehlt nicht: Die Lausitzer Braunkohle könne dem Weltklima helfen, wenn sie mit Innovation und technologischem Fortschritt einhergehe.

Den Glauben daran hochzuhalten, fällt allerdings immer schwerer. Denn Kohleausstieg 2038 bedeutet ja wohl am Ende: Auch Innovation und Fortschritt können die Kohle klimapolitisch nicht mehr retten. Und der beste Beitrag der Lausitzer Kohle zum Weltklima ist ab nun vermutlich der, möglichst wenig davon zu fördern.

Angesichts dessen kann man den RBB eigentlich nur beglückwünschen: Wer solche offenen Briefe bekommt, kann erhobenen Hauptes aus dem Haus gehen. Ein Ritterschlag.

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