Anzeige
Wir suchen Dich.

Der Fluch der Currywurst

Man soll weniger Fleisch essen, wird gefordert, gerade in Zeiten von Krieg und Klimawandel. Okay, warum nicht. Gerhard Schröder hat da nichts mehr zu sagen.


Fleisch
Schützenswertes Kulturgut oder verzichtbare Massenware? (Foto: Andreas Lischka/​Pixabay)

Keine Currywurst mehr in der VW-Kantine. Diese Ankündigung ließ die Wogen im letzten Jahr hochgehen. Besonders, als Altkanzler Gerhard Schröder sich einmischte. Ein Verzicht auf den "Kraftriegel der Facharbeiterin und des Facharbeiters in der Produktion"? Undenkbar für ihn.

"Wenn ich noch im Aufsichtsrat von VW säße, hätte es so etwas nicht gegeben", schrieb Schröder damals auf Linked-In. Jedenfalls befeuerte dies eine Debatte um den Fleischkonsum in Unternehmen. Es gab Tausende von Kommentaren dazu auf den sozialen Plattformen.

Weniger Fleisch essen? Wer wird Schröders Einlassungen dazu heute noch ernst nehmen? Der Mann hat ja nicht nur mit seiner Currywurst-Verteidigung demonstriert, dass ihm der Kontakt zur Realität verloren gegangen ist. Von Putin hat er sich bis heute nicht richtig distanziert, und das wiegt wohl noch etwas schwerer als die Fleisch-Eloge.

Wobei natürlich gilt: Das Thema Fleisch muss man differenziert diskutieren. Es geht ja nicht darum, alle Menschen zu Vegetariern oder gar Veganern zu machen. Doch dass gerade in den Industrie- und Schwellenländern weniger Fleisch- und Milchprodukte gegessen werden sollten, steht wohl außer Frage.

Gerade haben Fachleute aus Gesellschaft, Gesundheit und Wissenschaft in einem Appell der "Deutschen Allianz Klimawandel und Gesundheit" (Klug) daran erinnert, wie prekär die Lage der Ernährung weltweit ist – und dass ein Herunterschrauben des Fleischkonsums hier viel helfen könnte.

So hat sich die Zahl der akut Hungernden in den letzten drei Jahren auf 345 Millionen fast verdreifacht. Die Engpässe nehmen zu, und zwar wegen Klima und Krieg.

Auch noch gesund

Weltweit wandert jede Menge Getreide in Futtertröge, in Deutschland ist es mehr als die Hälfte. Würde der Fleischkonsum gedrosselt, bliebe mehr übrig, um die Ernährung in Mangelgebieten zu sichern.

Zudem würden die Preise auf dem Weltmarkt fallen, wenn zum Beispiel in Europa die Schweinemast und damit die hohe Nachfrage nach Futtermitteln schnell gedrosselt wird, wie der Öko-Agrarexperte und Misereor-Beiratsvorsitzende Felix Prinz zu Löwenstein jetzt auf dem Klug-Termin sagte. Die betroffenen Betriebe sollten dafür temporär entschädigt werden, schlug er vor.

Auch Ernährungsexperten empfehlen, den Fleischkonsum zu senken. Auf die Hälfte, vielleicht sogar ein Viertel. Dann ist eine Currywurst ab und zu immer noch drin.

Joachim Wille ist Chefredakteur des Online-Magazins Klimareporter°.

Übrigens auch bei VW. Denn in der zweiten Kantine in Wolfsburg, ein paar Meter entfernt auf der anderen Straßenseite, gibt es sie noch.

Unterstützen Sie unabhängigen Journalismus!

klimareporter° wird herausgegeben vom gemeinnützigen Klimawissen e.V. – Ihre Spende macht unabhängigen Journalismus zu Energiewende und Klimawandel möglich.

Spenden Sie hier