Der Klimawandel wird stärker und seine Auswirkungen werden spürbarer. Immer häufiger kommt es zu anhaltenden Hitzeperioden, Starkregen oder Hochwasser, weltweit und auch in Deutschland. Das sind Folgen der Erderwärmung, für die der Ausstoß von Kohlendioxid, aber auch anderer Treibhausgase wie Methan maßgeblich verantwortlich ist.
Die globale mittlere Lufttemperatur rund zwei Meter über Grund liegt mittlerweile um 1,34 bis 1,41 Grad höher als in der vorindustriellen Referenzperiode 1850 bis 1900. Laut dem EU-Klimadienst Copernicus war 2024 das erste Jahr, in dem die globale Durchschnittstemperatur mehr als 1,5 Grad über dem vorindustriellen Niveau lag.
Klar ist: Die Temperatur wird weiter steigen und die Auswirkungen des Klimawandels werden extremer, wenn die menschlichen Aktivitäten, die die Mengen an Treibhausgasen in der Atmosphäre steuern, nicht schnell und stark reduziert werden. Auch die natürlichen Puffer-Mechanismen, etwa die Aufnahmefähigkeit von CO2 durch Vegetation, müssen erhalten und gestärkt werden.
Die Berichte des Weltklimarats IPCC zeigen deutlich, dass bei einem "Weiter wie bisher" mit einem Temperaturanstieg um drei bis vier Grad oder mehr zu rechnen ist. Begrenzen wir dagegen die globale Erwärmung bis zum Ende des Jahrhunderts auf 1,5 bis zwei Grad, werden in einigen Regionen der Welt deutlich weniger Extremereignisse auftreten.
Es ist also höchste Zeit, den Klimaschutz und die Anpassung an die Auswirkungen des Klimawandels voranzutreiben, jede weitere Erwärmung zu vermeiden und die Chancen auf dem Weg zu einer klimaangepassten, resilienten Gesellschaft zu nutzen.
Klimaneutralität verständlich machen
Um die globale Erwärmung möglichst noch auf 1,5 Grad gegenüber dem vorindustriellen Niveau zu begrenzen, ist das Erreichen von Klimaneutralität eine globale Notwendigkeit und zugleich eine Chance. Sie eröffnet Perspektiven für technologische Innovation, nachhaltige Wirtschaftsmodelle und eine gerechtere Gesellschaft. Die Transformation zu einer klimaneutralen Zukunft erfordert große Veränderungen und bietet gleichzeitig die Möglichkeit, Resilienz zu stärken.
Daniela Jacob
ist Direktorin des Climate Service Center Germany (Gerics) in Hamburg und Honorarprofessorin an der Leuphana Universität Lüneburg. Sie war koordinierende Hauptautorin des IPCC-Sonderberichts zum 1,5-Grad-Ziel. Jacob ist Vorsitzende des Hamburger Klimabeirats und des Deutschen Komitees für Nachhaltigkeitsforschung.
Um die Transformation wissenschaftlich zu stützen, können Veröffentlichungen wie Policy Briefings, konkrete Handreichungen, interaktive Web-Atlanten oder ein Netto-Null-2050-Wegweiser Orientierungshilfen bieten, indem sie beispielsweise eine Bewertung von Optionen zur CO2-Vermeidung und ‑Entnahme sowie strategische Handlungsempfehlungen zur Erreichung der CO2-Neutralität in Deutschland liefern.
Klimaneutralität fundiert und verständlich zu vermitteln, bedarf auch transdisziplinärer Methoden und Formate. Besonders die Ko-Produktion von gemeinsamem Wissen unter Beteiligung aller wesentlichen Akteure spielt hierbei eine große Rolle.
Aber auch die Vermittlung von Wissen über neue Formate aus der Kunst wird wichtiger. Ein Beispiel ist die Klima-Installation "The World in a Painting" des Hamburger Medienkünstlers Alex Borchers, der auf die Klimadaten aus der Wissenschaft zurückgreift und die Zu- oder Abnahme von CO2-Konzentrationen in der Atmosphäre durch menschliche Bewegungen im Raum sichtbar und erlebbar macht.
Wälder unter Druck – und die Chance zum Neuanfang
Neben dem Klimaschutz ist aber auch die Anpassung an die Folgen des Klimawandels bereits heute unumgänglich. Der Klimawandel verändert unseren Lebensraum wie etwa unsere Wälder tiefgreifend.
Wiederkehrende Trockenjahre, extreme Hitze, Stürme und Schädlinge haben in den vergangenen Jahren Millionen Bäume gekostet und ganze Waldbilder verändert. Was früher Ausnahmesituationen waren, ist heute vielerorts zur neuen Realität geworden.
Maria Wolff
ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Climate Service Center Germany (Gerics). Sie hat einen fachlichen Hintergrund in Landschaftsökologie und Naturschutz und langjährige Erfahrung im Wissenschaftsmanagement und -marketing und arbeitet in den Bereichen Klimaservices und Anpassung an den Klimawandel.
Der Wald steht unter Druck – und mit ihm die Gesellschaft, die auf ihn baut. Denn er erfüllt viele Rollen: Er speichert Kohlenstoff und trägt zum Klimaschutz bei, liefert den nachwachsenden Rohstoff Holz, schützt Böden und Wasser, bietet Lebensraum für Arten – und ist für viele Menschen ein wichtiger Rückzugs- und Erholungsraum.
Damit stellt sich die zentrale Frage: Was will die Gesellschaft vom Wald der Zukunft? Soll er vor allem für wirtschaftliche Stabilität sorgen, Biodiversität sichern oder als Naherholungsraum für die Menschen dienen?
Genau darin liegt die Herausforderung, aber auch die Chance: Der notwendige Umbau der Wälder kann sie widerstandsfähiger gegen den Klimawandel machen und gleichzeitig neue Wege eröffnen, die unterschiedlichen Ansprüche in Einklang zu bringen. Ansätze dafür gibt es bereits: vielfältigere Mischbestände, klimaangepasste Baumarten, flexiblere Bewirtschaftung.
Doch kein Konzept allein wird reichen. Entscheidend ist der Dialog zwischen Forstwirtschaft, Politik, Wissenschaft und Gesellschaft. Nur wenn Brücken zwischen unterschiedlichen Interessen geschlagen werden, lässt sich der Wald so gestalten, dass er auch künftigen Generationen als Wirtschafts-, Lebens- und Erholungsraum dient.
Die Wirkungsebenen des Klimawandels erkennen
Die Folgen des Klimawandels wirken auf verschiedenen Ebenen. Am Beispiel eines Unternehmens lässt sich dies aufzeigen: Extremwetterereignisse wie Starkregen oder heiße Tage können an einem Standort oder entlang ganzer Wertschöpfungsketten Betroffenheit hervorrufen.
Darüber hinaus kann auch die Gesetzgebung Handlungsbedarf auslösen, etwa in Form von Berichtspflichten oder Risikoanalysen. Aktuelle Beispiele sind die Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP), die EU-Taxonomie oder die Richtlinie zur Nachhaltigkeitsberichterstattung CSRD.
Aber auch das marktwirtschaftliche Umfeld eines Unternehmens kann betroffen sein. Die Nachfrage nach den eigenen Produkten kann sich verändern, ebenso die Verfügbarkeit von Rohstoffen, Waren oder Dienstleistungen.
Ebenso können Extremwetterereignisse Einfluss auf die Gesundheit der eigenen Mitarbeitenden haben, was sich auf die Qualität der Produkte und die Sicherheit der Arbeit auswirken kann.
Darüber hinaus können alle genannten Arten von Betroffenheit sich direkt oder indirekt auf das Unternehmen oder den Standort auswirken sowie die kritische Infrastruktur negativ beeinflussen.
Alle genannten Probleme stellen jedoch auch Chancen für diejenigen Unternehmen dar, die sich proaktiv mit ihnen auseinandersetzen. Daraus können neue Geschäftsmodelle, innovative Produkte und Strategien entstehen, die zu einem Wettbewerbsvorteil führen.
Eine intensive und fokussierte inhaltliche Auseinandersetzung mit den möglichen Folgen des Klimawandels erlaubt ein tiefgehendes Verständnis für die möglichen Wirkungen der einzelnen Betroffenheiten sowie für deren Zusammenspiel untereinander und bietet damit eine wertvolle Chance, rechtzeitig angemessene Handlungsoptionen zu entwickeln.
Umweltkrise und Demokratie
Hartmut Graßl ist einer der bedeutendsten Klimaforscher unserer Zeit. Zu seinem 85. Geburtstag veranstaltet die Vereinigung Deutscher Wissenschaftler (VDW) am 25. September 2025 in Hamburg das interdisziplinäre und intergenerationelle Symposium "Von den Alpen bis zum Watt". Es geht um Themen, die Hartmut Graßl besonders bewegen: Ursachen und Folgen der Klimakrise, Verlust von Biodiversität – und wie eine gerechte sozial-ökologische Transformation gelingen kann. Klimareporter°, zu dessen Herausgeberrat Graßl gehört, ist Medienpartner und begleitet das Symposium mit einer Beitragsserie.
