Zufall oder gar Absicht? Genau für die Zeit, in der sich der globale Klimaschutz zum Klimagipfel in Brasilien trifft, nistet sich der Rabe Ralf in Berlin im Haus des Bundesumweltministeriums ein.
Für Absicht spräche, dass sich der "Rabe", die Umweltzeitung der Grünen Liga, auch mit dem Gipfel befasst. Zu befürchten sei, schreibt Jürgen Tallig in der aktuellen Oktober/November-Ausgabe, dass auf der 30. Weltklimakonferenz wieder egoistische Machtpolitik das Geschehen bestimmt und nicht das übergeordnete Überlebensinteresse der Menschheit.
Nach einer Woche Klimaverhandlungen muss man sagen: Tallig hat bisher weitgehend recht behalten.
Schon seit 1990 gibt es die alle zwei Monate erscheinende Umweltzeitung. Nach der Wende erlebte gerade im Osten die Umwelt- und Naturschutzbewegung einen großen Aufschwung. Davon zeugt auch die "Raben"-Ausstellung im Ministerium mit dem recht doppeldeutigen Titel "Den Vogel zeigen".
So organisierte die Grüne Liga zum ersten Weltklimagipfel 1995 in Berlin beispielsweise ein "Klimaforum '95" mit den Umwelt- und Entwicklungsverbänden. Mitorganisator Stefan Richter erinnert sich in der "Raben"-Ausstellung, wie er damals mit Joschka Fischer und Ernst Ulrich von Weizsäcker auf einer wackligen Bühne vor dem Brandenburger Tor das erste Umweltfestival auf dem komplett gefüllten Pariser Platz eröffnete.
Das jährliche Umweltfestival der Grünen Liga am Brandenburger Tor ist eine nicht wegzudenkende Institution im Hauptstadtkalender. Joschka Fischer würde sich da heute wohl nicht mehr aufs Podium setzen.
Einmaliges publizistisches Profil
Generell sind die Zeiten für Umwelt- und Klimabewegte nicht einfacher geworden. Inzwischen ist Der Rabe Ralf nicht nur die einzige, sondern leider auch die letzte Umweltzeitung in Berlin.
Das ist, ganz klar, den unermüdlichen wie oft auch ehrenamtlichen Machern des Blattes zu verdanken. Im letzten Jahr hat sich der in die Jahre gekommene Vogel auch neu herausgeputzt. Er legte sich eine eigene Homepage zu, die Printversion wurde neu designt und ein Newsletter aufgelegt. Finanziell ermöglicht wurde das vor allem durch die Unterstützung der Stiftung Naturschutz Berlin.
Dass der "Rabe" so lange fliegt, hat er aber auch seinem einmaligen publizistischen Profil zu verdanken.
Da ist die seltene Bandbreite am Themen: Klassischer Natur- und Umweltschutz, Verkehr, Ernährung, Landwirtschaft, Stadt- und Regionalentwicklung. Das wird anregend mit sozialen, ökonomischen und politischen Hintergründen und Entwicklungen "vermixt".
Da stehen dann Texte über praktische Krötenrettung neben Beiträgen über trollige Verschwörungstheorien oder radikale, in Deutschland unbekannte Ökologen.
Auch steht der "Rabe" üblichen marktwirtschaftlichen und individuellen Krisen-Lösungen kritisch gegenüber, wie etwa den regelmäßig aufploppenden Konzepten, den Menschen müsste nur das richtige Mindset verpasst werden.
"Solche Medien bleiben für den Umweltschutz essenziell"
Aber auch Linken hält der "Rabe" den Spiegel vor. "Erschwerend kommt hinzu, dass die politische Linke mit Agrarpolitik meist so viel am Hut hat wie Vegetarier:innen mit dem Wiener Schnitzel", zitiert die Ausstellung eine seit Jahrzehnten gültige Einschätzung von Roland Röder vom Verein Aktion 3. Welt Saar.
Gerade die ehrliche Suche nach wirklichen Alternativen macht den "Raben" publizistisch interessant. Wer angeblich die Wahrheit für sich gepachtet hat, langweilt seine Leser sehr schnell. Der "Rabe" ist nie langweilig.
Ausstellung
"Den Vogel zeigen: Der Rabe Ralf, Berlins letzte Umweltzeitung", Ausstellung bis 21. November, Montag bis Freitag 12 bis 17 Uhr, Sonderausstellungsfläche im Bundesumweltministerium, Stresemannstraße 128-130, Eingang Ecke Erna-Berger-Straße, Berlin-Mitte.
Die rabenartige Besonderheit hebt auch das gastgebende Umweltministerium hervor. Als "Graswurzel-Zeitung", die eine "Ökologie von unten" vertrete, verbinde Der Rabe Ralf das Ökologische mit dem Sozialen, übermittelt ein Sprecher des Ministeriums auf Nachfrage.
Man begrüße das Engagement der Zeitung. "Medien, die auf Umwelt- und Naturschutzthemen aufmerksam machen, bleiben für den Umweltschutz essenziell", wird betont.
Das Umweltministerium möchte die Naturschutzverbände in ihrem Bemühen unterstützen, umweltpolitische Belange in der Gesellschaft zu verankern, erklärt der Sprecher weiter. Deswegen würden entsprechende projektbezogene Maßnahmen durch Zuschüsse gefördert, so etwa das Programm "Nachwuchsjournalismus für die Umwelt" des Vereins Junge Presse Nordrhein-Westfalen.
Die Förderung aus dem Bundesumweltministerium ermögliche dabei innovativen Projekten eine Anschubfinanzierung, heißt es dann noch. Eine Dauerförderung sei nicht vorgesehen und wäre im Falle von Publikationen auch vor dem Hintergrund der redaktionellen Unabhängigkeit nicht zielführend, erklärt der Sprecher.
"Randthemen" haben es auch künftig nicht einfach
Die heutige Grüne-Liga-Geschäftsführerin Claudia Kapfer freut sich, dass der Relaunch des "Raben" jede Menge Aufmerksamkeit auf die Zeitung gelenkt habe. Neben einem vielfach positiven Feedback zur grafischen Neugestaltung der gedruckten Zeitung erfreue sich die neue Website steigender Nachfrage, bilanziert die Ökotrophologin. Die Zugriffe gingen langsam, aber stetig nach oben.
Auch hätten neue Abonnentinnen und Abonnenten gewonnen werden können, sagt die Geschäftsführerin. Um eine stabile und langfristige Planung sowie nötige Investitionen zu sichern, brauche der "Rabe" aber noch deutlich mehr Abos oder auch Dauerspenden.
Die gewachsene Aufmerksamkeit hat dabei auch Schattenseiten. Kürzlich wurde der Umweltverband Opfer eines Hackerangriffs. "Unser Instagram-Account wurde übernommen und gelöscht", erklärt Kapfer. Ob das damit zu tun haben könnte, dass Der Rabe Ralf dem russischen Öko-Dissidenten Wladimir Sliwjak ein Forum geboten hatte, will sie nicht ausschließen.
Auch wenn der Rabe im Moment weiterfliegt, ist klar: Medien, die nicht auf Clickbaiting und Krawall gebürstet sind und Themen behandeln, die in den Augen der Mehrheit nicht so wichtig sind, haben es auch künftig nicht einfach.
Ein schönes Nest reicht eben nicht, so ein Vogel braucht auch Futter und genügend tragende Luft unter den Flügeln.


https://www.infosperber.ch/politik/der-internationale-ruestungswahnsinn-in-zahlen/
Die Kriegspropaganda treibt in Deutschland die seltsamsten Blüten. Deutlicher lässt sich kaum zeigen, wie sehr die Umweltbewegung unter Führung der gescheiterten Grünen von fremden Interessen vereinnahmt wurde.